Jörg Smotlacha & Henning Chadde
6. September 2010

„Ich musste frech werden und weiterrocken“

Beim Kulturkiosk von langeleine.de am 17. September gastiert Henning Sedlmeir mit seiner One-Man-Rockshow und sorgt für eine wunderbare Melange aus elektronischen Großstadt-Chansons, Beat und Rock’n’Roll. Zeit für ein Vorab-Interview

Sedlmeir

Macht keine Gefangenen, außer sich selbst: Sedlmeir liebt das schmutzige Leben

langeleine.de: Herr Sedlmeir! Schmierig, prätentiös, unseriös – diese drei selbstgewählten Attribute eilen Ihrer Person grell leuchtend voran. Wie hat der gemeinhin flachländlich orientierte Hannoveraner diese Kampfansage an die gepflegte Kultur der Zurückhaltung zu verstehen?

Sedlmeir: Das ist keine Kampfansage an die gepflegte Kultur der Zurückhaltung. Im Gegenteil: eher eine an den allgegenwärtigen, hochglanzpolierten Nonsens namens Werbung. Für mich beinhalten diese Worte ungefähr die dunkle, böse Seite von Glamour. Weil das trotzdem irgendwie glitzert und sich reimt, steht es in meinem Pressetext.

ll: Sie gelten weltweit als überzeugter Monolith unter den Ein-Mann-Bands. Drei Gründe, die im Rock-Geschäft gegen eine Vollbesetzung sprechen?

Sedlmeir: Es gibt nur zwei: 1. Ich kann Meinungsverschiedenheiten mit mir selber diskutieren. 2. Ich kann die ganze Gage alleine auf den Kopf hauen.

Sedlmeir

Lässig, lässiger, Sedlmeir: Der Wahl-Berliner gilt als „Staubsauger-Vertreter des Rock’n’Roll“

ll: Wie beugen Sie auf Ihren langen Einzelreisen kreuz und quer durch Europa der Einsamkeit des Alleinereisens vor? Man hört doch allenthalben, dass es mit einer Band deutlich lustiger sei…

Sedlmeir: Es macht mir mitunter großen Spaß, alleine zu reisen. Spätestens am frühen Abend treffe ich ja die Veranstalter, Toningenieure und Pyrotechniker. Ab da geht es oft in lustiger Runde bis spät in die Nacht. Man lernt die schrägsten Persönlichkeiten kennen – das ist alles andere als einsam.

ll: Sie haben alles gesehen – vom Punkclub bis zum Stadt-, Schützen- und Bordellfest, von den ganz großen Hallen bis hin zu den wahnsinnig großen Hallen. Welches war Ihr bisher beeindruckendstes Bühnenerlebnis?

Sedlmeir: Ganz am Anfang meiner schmutzigen Laufbahn wurde ich einmal von circa 300 Konzertgästen 10 Sekunden nach Auftrittsbeginn unisono ausgebuht. Es wurde mit Eiswürfeln und Cocktail-Zitronen nach mir geschmissen. Ich empfand das als äußerst feige und hinterfotzig. Also musste ich frech werden und weiterrocken. Nach circa 20 Minuten muss dann wohl jemand aus der Menge den Sicherungskasten gefunden und die Hauptsicherung ausgeschaltet haben. Der Ton war weg und das Licht aus – der Auftritt vorbei. Merkwürdigerweise hatte ich an diesem Abend einen ungewöhnlich hohen Absatz an Tonträgern…

Sedlmeir

Überzeugter Minimalist: Henning Sedlmeir rockt den Saal am liebsten alleine

ll: Gibt es ein „Coca Cola-Geheimnis“, dass den Hardrock-Roboter Sedlmeir zu einem solchen Durchstarter macht? Vielleicht ist es Ihnen ja möglich für unsere unerfahrenen Leser eine knappe Auflistung aller psychoaktiven Inspirationsstoffe im seldlmeirschen Kreartiv-Kosmos zusammenzustellen?

Sedlmeir: Hm. Wenn ich das wüsste, könnte ich nach Schema F einfach tonnenweise Songs herausschleudern. Aber ich möchte mich nicht allzu sehr wiederholen. Die einzige „Regel“ an die ich mich zu halten versuche, ist die des Minimalismus. Oft hilft es mir auch, beim Songschreiben eine gewisse Wut im Bauch zu haben.

ll: Rock’n’Roll bedeutet für Sie…

Sedlmeir: Eine olle Kiste, die man erstmal ausleeren und dann selber wieder füllen kann.

Sedlmeir

Monolith unter den One-Man-Bands: Sedlmeir

ll: Last but not least: Was können die geneigten Gäste beim Kulturkiosk von Henning Sedlmeir erwarten?

Sedlmeir: Ich kann das nur schwer beschreiben. Ich schlawinere gerne im Punkrock und singe ein paar Schnulzen. Ein Freund meinte einmal, ich käme ihm vor wie der Staubsauger-Vertreter des Rock’n’Roll.

ll: Sehr vielen Dank für das informative Gespräch.

Nicht verpassen:

Sedlmeir rockt am Freitag, dem 17. September, beim Kulturkiosk von langeleine.de und präsentiert unglaubliche Killersongs von seinem aktuellen Album „Import Export“.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

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