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Landjugend – neugierig, nicht frustriert

Nils Elias Molle ist jung, sympathisch und ein überaus erfolgreicher Slam-Poet. Am 17. September beehrt er den Kulturkiosk mit seinen scharfzüngig-verschmitzten Texten und passgenauen Alltasgbeobachtungen. Ein Portrait

Nils Elias Molle

Der Blick immer klar und aufmerksam – eine Eigenschaft, die man Nils Elias Molles Texten auch zuschreiben kann

Nils Elias Molle mag nach eigenen Angaben am liebsten Stracciatella-Eis. Auch wenn Eissorten nicht ausschließlicher Gegenstand unseres Gesprächs waren, würden vermutlich dennoch viele Menschen gerne mal eine Kugel mit ihm verdrücken, denn es lohnt sich ihn näher kennenzulernen. Wenn man ihn vom Weiten sieht, dann glaubt man noch daran einen „normalen“ 18-jährigen vor sich zu haben. Aber spätestens an seiner Mimik und seiner Art zu reden merkt man schnell, dass dieser junge Mann sich weit mehr von seinen Altersgenossen abhebt, als er selbst glauben mag. Vor etwa zwei Jahren hat er angefangen zu schreiben. Profaner Grund: Eine Strafarbeit. „Wegen Essen im Unterricht oder so“, gibt er zu. Der Aufsatz über sein „gelüstiges“ Verhalten erfüllte schließlich nicht nur die Erwartungen seiner Lehrerin, sondern bedeutete viel mehr: sie ermunterte ihn ob der außergewöhnlichen Qualität an einem Schreibwettbewerb teilzunehmen. Da hat er zwar nichts Materielles gewonnen, aber viel mehr die Leidenschaft zum Schreiben entdeckt. Und das ist ein echter Gewinn.

„Als ich dann einmal auf dem WDR einen Poetry Slam sah, wusste ich, was ich gerne mal machen möchte – mit meinen Texten auf die Bühne“. Und angesichts seines Erfolges innerhalb erst eines Auftrittsjahres scheint dieser Entschluss die perfekte Umsetzung seines Talents und Tatendrangs zu sein. Erst vor kurzem hat Nils Elias beispielsweise eine Dichterschlacht in Osnabrück gewonnen, im Jahre 2009 nahm er sogar für Hannover an den Deutschen Poetry Slam-Meisterschaften teil – in der Kategorie der unter 20-jährigen. Obendrein ist er ist häufiger Gast bei den verschiedensten Live-Lesebühnen und Dichterschlachten Hannovers und als festes Mitglied im Team Nordtstadt beim hannoverschen Stadtteile-Slam Linden versus Nordstadt an Bord.

Einfach raus, weg

Aufgewachsen ist Nils Elias Molle in Hildesheim. Neun Jahre hat er dort gewohnt bis er mit seiner Familie nach Dollbergen zog. Wirklich zu gefallen scheint es ihm da nicht. Neben dem Schreiben und dem Fotografieren – mit eigener Dunkelkammer im Keller – ist er am Liebsten „ganz weit weg“. Raus aus Dollbergen. Augenzwinkernd fällt im Interview der Begriff „frustrierte Landjugend“ und Nils Elias muss zustimmend lachen. Obwohl er vermeint, weniger frustriert als neugierig zu sein. Wie ein junger Mensch eben, der gegen Ende des Abiturs noch lange nicht genug gelernt hat. Und so findet er seine Inspiration in verschiedensten Richtungen: „In der Musik zum Beispiel. Ich höre gerne HipHop, aber nicht diesen Gangster-Rap. Aber auch Joy Division und vieles mehr.“ Und natürlich liest er gerne. Sehr gerne sogar – unter anderem Edgar Allan Poe und Antoine de Saint-Exupéry. „Der kleine Prinz“ zum Beispiel sei ihm sehr wichtig.

Nils Elias Molle

Weiß vielleicht noch nicht genau, wo es hingehen soll, denkt aber immer schön gegen die angesagte Richtung: Nils Elias Molle

In die Welt und Erfahrungen sammeln

Auf der Bühne zeigt Molle eine unglaubliche Präsenz. Am Anfang seiner Bühnenkarriere hat er einmal einen Text klassisch vom Blatt vorgelesen. Das hat ihm überhaupt nicht gefallen. Da lagen der freie Vortrag und die Improvisation nahe. Zumal er drei Jahre lang an Theaterworkshops und Projekten teilnahm und dadurch nicht nur das Textelernen gewohnt war, sondern auch sich auf der Bühne zu präsentieren. Seine Texte drehen sich um all die Dinge von denen viele junge Menschen ein Lied singen können. Einsamkeit, Verantwortung, Verortung und Zukunft, dabei halten sie der eigenen Generation stets einen wohl beobachteten, kritischen Spiegel vor das Gesicht. Web 2.0-Poetry wird diese schnell geschnittene Text- und Vortragsform oftmals genannt, aber Zuweisungen und Kategorisierungen interessieren Nils Elias Molle ohnehin nicht. Fakt ist aber, dass er sich mit seinen „jungen“ Themen von vielen älteren Lese- und Bühnenkollegen deutlich abhebt, ohne es an hintergründigem Tiefgang vermissen zu lassen. Und eins hat er mit ihnen sowieso gemeinsam: Er hat etwas zu sagen, das gehört werden muss. Und das sei schließlich die Hauptsache.

Ob er sich auf den Kulturkiosk freut? „Natürlich!“, sagt er. Auch wenn es eine spannende Lese-Herausforderung sein wird, wie er zugibt. Denn allein die Vortragszeit übersteige weit jene einer handelsüblichen Dichterschlacht. Diesmal präsentiere er vielleicht einen politischen Text, weniger sozialkritisch als gewohnt. Der Text werde aber noch genaustens geprüft, denn Politisches werde schließlich allzu gerne missverstanden. Und so zeigt sich Nils Elis Molle als durchaus selbstkritischer und analytischer Beobachter seines eigenen Schaffens. Wo er noch hin möchte? „Gerne einmal ins Ausland“, sagt er. Natürlich um dort an einem Poetry Slam teilzunehmen. Und noch ganz viele Erfahrungen zu sammeln. Die Türen stehen ihm jedenfalls weit offen. Und vielleicht hat er bei all seinen Vorhaben dann irgendwann noch einmal Zeit für eine Kugel Eis. Und zu einem angeregten Gespräch über Literaturgattungen, Musik, das Leben und wohin es ihn bis dahin bereits führte. Spannend wird dieser Weg auf alle Fälle sein.

Nicht verpassen:

Nils Elias Molle liest am Freitag, dem 17. September, beim Kulturkiosk von langeleine.de und gibt einen tiefen Einblick in seine hintergründig verschmitzen Prosa- und Beobachtungswelten.

(Fotos: Susanne Haupt)

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