Henning Chadde
11. September 2010

“Wer Wörter und Sätze so aneinanderreiht, dass sie Gefühle wecken und vom Schlaf abhalten, ist mein Freund”

Der hannoversche Autor Max Lüthke ist bekannt für seine grandios skurrilen Kurzgeschichten und schreibt zurzeit an seinem ersten Roman. Am Freitag, dem 17. September, liest er beim Kulturkiosk. Ein Interview

Max Lüthke

“Inspirationen liegen zuhauf auf der Straße” – Max Lüthke mangelt es nicht an Ideen

langeleine.de: Max, Du hast zu Beginn Deiner schriftstellerischen Karriere die Berufsbezeichnung “Eventautor” für Dich erfunden. Das klingt interessant. Was macht ein Eventautor und wie laufen die Geschäfte?

Max Lüthke: Was ein Eventautor an sich macht – keine Ahnung. Der Begriff schien damals unbesetzt. Meine Idee war es, Geschichten für besondere Anlässe schreiben. Das Arbeitsamt genehmigte mir sogar eine dreijährige Ich-AG-Unterstützung. Beispiel: Ein Ehepaar begeht Goldene Hochzeit. Der Gatte kommt auf die (gute!) Idee, seiner Frau eine Geschichte zu schenken. Es folgen Interviews bei Kaffee und Keks. Aus den Infos bastel ich dann eine halb-fiktive Geschichte, in der gerne auch namentlich diverse Gäste vorkommen, die bei dem eigentlichen Event geladen sind. Da ich aus dem Herzen eher humorig schreibe, ist so eine “Lesung” immer ein großer Spaß. Die Leute finden sich bei Radrennen, auf Jesu Kreuzigung oder sonstwo wieder.

ll: Du hast Dich mit Leib und Seele der satirisch-kuriosen Kurzgeschichte verschrieben. Woher beziehst Du Deine literarische Inspiration?

Lüthke: Klingt abgedroschen, aber Inspirationen liegen zuhauf auf der Straße. Mir reicht es, eine halbe Stunde in der Penny-Schlange zu stehen, um eine feine Supermarkt-Geschichte zu schreiben. Es ist wie beim Geld: Man muss sich nur bücken…

Max Lüthke

Literarische Ich-AG der besonderen Art: Max Lüthke

ll:Wie viel Max Lüthke steckt in Deinen Texten?

Lüthke: Wer mich kennt, wird es wissen. Wer mich nicht kennt, sollte annehmen: gar nichts!

ll: Gibt es literarische Vorbilder, die Du besonders schätzt? Lieblingsautoren?

Lüthke: Wo anfangen, wo aufhören? Von Dostojewskij über Irving zu Djian, Walt Disney und Max Goldt. Nebenbei: Comics verfügen oft über eine sehr schöne Sprache, alleine wegen des Platzmangels.

ll: Momentan sitzt Du an Deinem ersten Roman, der im Braunschweiger Verlag Andreas Reiffer erscheinen soll. Magst Du uns etwas zum Inhalt verraten? Und wann können wir das gute Werk in den Fingern halten?

Lüthke: Aus dem Inhalt darf ich kaum etwas verraten. Nur so viel: Was sagen Gewissen, Moral, Pflicht und Recht, wenn du von einem bevorstehenden Suizid weißt? Und dazu noch das Datum kennst… Im Herbst 2011 hält hoffentlich der eine oder andere mein neues Buch in den Fingern.

Max Lüthke

Der Eventautor Max Lüthke freut sich auf den Kulturkiosk von langeleine.de

ll: Hannover hat ja seit einigen Jahren eine sehr lebendige und äußerst bühnenaktive Literaturszene. Wie schätzt Du diese Szene ein?

Lüthke: Ich habe kaum Vergleiche. Finde es aber ganz wunderbar, an fast jedem Tag in der Woche irgendwo eine Lesung als Option zu haben. Die Leute strengen sich an, machen es nicht fürs Geld, sondern weil sie eben wollen. Keine Ahnung, wie der Lese-Hase in Frankfurt oder Hamburg hoppelt. Hier jedenfalls astrein.

ll: Literatur bedeutet für Dich…

Lüthke: Das Eintauchen in fremde Hirne. Die Suche nach scheinbar noch nicht gedachten Gedanken, nach Neuem. Wer Wörter und Sätze so aneinanderreiht, dass sie Anfang und Ende haben, einen Sinn ergeben, Gefühle wecken und vom Schlaf abhalten, ist mein Freund.

ll: Last but not least: Was können die geneigten Gäste beim Kulturkiosk von Max Lüthke erwarten?

Lüthke: Lebensregel No. 1: Wer nichts erwartet, wird nicht enttäuscht!

ll: Vielen Dank für das Gespräch.

Nicht verpassen:

Am Freitag, dem 17. September, gastiert Max Lüthke beim Kulturkiosk von langeleine.de und präsentiert seine besten satirisch-kuriosen Kurzgeschichten.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Literatur, Menschen

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