Sebastian Albrecht
13. September 2010

Es ist die Leidenschaft, die treibt

Für den künstlerischen Beitrag beim Kulturkiosk von langeleine.de am Freitag sorgt die Kollegin Susanne Haupt mit ihrer ersten Foto-Ausstellung. Im Mittelpunkt ihrer Fotografien steht die Suche nach der Schönheit der Menschen. Ein Portrait

„Klick-Klick.“ Den Finger am Auslöser und dann: „Klick-Klick.“ Das Gesicht taucht hinter der Kamera auf und wieder dieses Grinsen. Eine Mischung aus Selbstbewusstsein, Lebensfreude und Verlegenheit. Sie zeigt ihre Zähne, diese besonderen Zähne, die man jederzeit erkennt. Ihr Lippenpiercing glitzert im Sonnenschein. Wer Susanne Haupt näher kennt, weiß, dass sie ein diffiziler Mensch ist. Wenn Faust zwei Seelen in seiner Brust wohnen hat, hat Susanne eine ganze Armee von Seelen. Und jede einzelne ist wie ein Fingerabdruck.

Susanne Haupt

Selbstportrait: Susanne Haupt in ihrem Element

„Ein Mensch mit einer Kamera in der Hand“

Noch während Susanne von irgendetwas überzeugt ist, zweifelt sie es an. Übertragen auf ihre Fotografie bedeutet diese ganz eigene Form des Hinterfragens: Wo fängt Kunst an? „Ich bin keine Künstlerin, sondern ein Mensch mit einer Kamera in der Hand, der sich ganz doll darüber freut, zu fotografieren“, definiert sie sich selbst. Und weiter: „Ich hab das ja nicht gelernt, von der Technik habe ich keine Ahnung, und letzte Woche hatte ich das erste Mal die Bedienungsanleitung für meine Kamera in der Hand.“ Sie stehe noch direkt am Anfang mit ihren Portrait-Fotos und es gebe sicherlich viele andere, die besser seien als sie. Und überhaupt seien ihre Bilder ja „nichts Besonderes. Das kann eigentlich jeder.“ Ein Anflug von Negierung jeglichen Kunst-Anspruchs an ihr Werk, sie zeigt sich bescheiden. „Fotografieren tut man ja eigentlich immer, das ist etwas, was jeder mal irgendwie tut.“

Susanne Bild1

Genauso fing es auch bei ihr selbst an, ganz unspektakulär. Irgendwann kam dann in der Oberstufe die erste wirkliche Aufgabe im Kunst-Unterricht: Eine eigene Foto-Reihe erdenken. „Bei Frau Lehmberg, mit einer alten Canon, die schon beim Atmen gewackelt hat.“ Später macht Susanne Schnappschüsse mit einer billigen Kodak Easyshare, bis sie für langeleine.de immer häufiger Konzert-Fotos schießt – mit der geliehenen Kamera ihres Nachbarn. Schließlich ist es soweit: Sie bekommt ihre erste eigene Spiegelreflex, macht immer mehr Fotos und experimentiert mit ihrer Web-Site. Dennoch betont sie bescheiden: „Die Idee mit der Vernissage kam eher von Jörg und Henning“, mit der Portrait-Fotografie habe sie sich eigentlich erst ernsthaft wegen der Ausstellung beschäftigt.

„Völlig Banane“

Wenn Susanne Haupt von den Anfängen ihrer Fotografie-Leidenschaft spricht, klingt es immer ein wenig so, als sei alles erst so richtig in den letzten Wochen vorangekommen. Man möchte fast sagen: professioneller geworden. Eine Ausstellung fällt einem nicht einfach vor die Füße, das weiß sie. Und so ist Susanne Haupt auch das: Fast ein halbes Jahr täglich mit der Kamera durch die Gegend rennen, alles immer und immer auf der Speicherkarte festhalten, bis diese überquillt, 24 Stunden am Tag Beschäftigung mit der Fotografie, 30.000 geschossene Fotos, „die meisten völlig Banane“, aber dazwischen immer wieder die, die diesen bestimmten Moment, das richtige Licht und die einzigartige Schönheit des Fotografierten einfangen.

Susanne Bild2

Den bisherigen Weg hat Susanne größtenteils alleine bestritten. „Wenn andere Fotografen dabei sind, zum Beispiel auf einer Pressekonferenz, habe ich ein Unwohlgefühl.“ Natürlich habe auch sie einige Vorbilder, wie etwa Anton Corbijn, Anni Leibovitz oder Diane Arbus, aber eher deswegen, um sich bestimmte Techniken anzuschauen und anzueignen. Es sind vor allem die Models, die sie sich vor die Kamera holt, die sie als Inspiration sieht. Menschen, die sie kennt, deren ganz eigene Ästhetik sie hervorheben will. Die Schönheit entdecken, die in jedem steckt. Darum haben die Portraitierten einen riesigen Anteil an Susannes Fotos. „Ohne die Leute, die sich fotografieren lassen, könnte ich meine Fotos gar nicht machen.“

„Fotografie hat mir den Arsch gerettet“

„Fotografie ist ein Exzess für mich. Fotografie hat mir den Arsch gerettet“, sagt die Autodidaktin. Denn durch die Fotografie hat Susanne ein Mittel gefunden, sich auszudrücken, ihren Blick anderen zugänglich zu machen. Für sie sei der Blick durch die Kamera wie Meditation – eine Möglichkeit, etwas zu finden. „Natürlich finde ich es schön, wenn Leute meine Fotos mögen.“ Nur bitte solle man keine voreilige Interpretation vornehmen. Keine Gesellschaftskritik und keinen Blick auf eine Generation darin erkennen wollen, sondern einfach nur den Mensch im Mittelpunkt.

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Der völlige Mittelpunkt ihres eigenen Lebens ist ihr vierjähriger Sohn Flo, dessen Inspiration man beispielsweise in der kindlichen Naivität, mit der Susanne Haupt an ihre Fotos herangeht, durchschimmern sieht – nach dem Motto: „Es gibt so viel Schönes, schau nur hin“. Das möchte Susanne mit ihren Fotos zeigen. Und „danke“ sagen. Und da ist es auch schon wieder, dieses Grinsen mit den vielen Gesichtern.

Nicht verpassen:

Am Freitag, dem 17. September, eröffnet Susanne Haupt beim Kulturkiosk von langeleine.de mit einer Vernissage ihre erste eigene Foto-Ausstellung. Ihre Werke werden im Café Siesta bis zum 3. November 2010 zu sehen sein.

(Fotos: Susanne Haupt)

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Kategorien: Kunst, Menschen

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