Cosma Jo Gagelmann
6. Oktober 2020

Das unterschätzte Handwerk in seinen schönsten Formen

In der Kestnergesellschaft kann man in der Ausstellung „Kunst – Handwerk“ bestaunen, wie sehr diese beiden Bereiche zusammenhängen und die Bedeutung des Handwerks neu erfahren

Kunst_und_Handwerk

Neue und alte Formen treffen in der Ausstellung über das Handwerk aufeinander

In unserer globalisierten Welt sehnen sich immer mehr Menschen nach Beständigkeit. Wir sehnen uns nach festen Kategorien und auch nach Traditionen. Die Künstler*innen, die derzeit in der Kestnergesellschaft in der Ausstellung „Kunst – Handwerk. Zwischen Tradition, Diskurs und Technologien“ zu sehen sind, haben sich genau damit beschäftigt. Ihre Werke wie Skulpturen oder Textilien sind eben Kunst, die mit handwerklicher Technik geschaffen wurde und so eine Verbindung zwischen den beiden Bereichen schafft. In der Ausstellung kann man sowohl Werke finden, die traditionsgemäß gefertigt wurden, als auch Werke, die sich zukunftsorientierend etwas Neuem zuwenden. Die Materialien und Verarbeitungsformen, wie zum Beispiel Holz, Glas, Textil oder auch Stroh, werden von den Künstler*innen so genutzt, dass sie teilweise mit alten Gegebenheiten brechen.

Außerdem verdeutlicht die Ausstellung auch die Bedeutung des Handwerks für unsere Gesellschaft. Zwar hat unsere Gesellschaft ihre Meinung zum Handwerk in den letzten Jahrzehnten immer wieder geändert. Im Moment achtet man aber wieder mehr auf Qualität und Langlebigkeit handwerklicher Produkte, wie zum Beispiel bei Möbeln, und gleichzeitig ist es beliebt, sich selber nach den eigenen Vorstellungen etwas zu erschaffen. So kann man den handwerklichen Vorlieben der Menschen auch etwas Kulturgeschichte entnehmen. Deshalb ist ein altes Möbelstück schon fast ein museumsreifes Relikt, ähnlich wie es in ein paar Jahren vielleicht ein selbstgezimmertes Paletten-Bett sein wird. Obendrein kann man auch hier die Spuren der Globalisierung erkennen, da viele Handwerkskünste aus den unterschiedlichen Regionen der Erde miteinander verschmolzen sind. Die Bedeutung des Handwerks bleibt jedoch als Teil der jeweiligen Kultur bewusst.

Auch die Kestnergesellschaft selbst hat bereits seit 1916 mit handwerklicher Kunst zu tun. Deswegen kann man im Zuge der aktuellen Ausstellung auch Dinge aus dem hauseigenen Archiv bewundern. Die gezeigten Ausstellungsstücke stammen von Azra Akšamija, Olivier Guesselé-Garai, Plamen Dejanoff, Olaf Holzapfel, Antje Majewski, Jorge Pardo, Slavs and Tatars, Haegue Yang und Johannes Schweiger.

Dienstag, 6. Oktober 2020:
„Kunst – Handwerk. Zwischen Tradition, Diskurs und Technologien“, Ausstellung, Kestnergesellschaft Hannover, Goseriede 11, 30159 Hannover, geöffnet: 11-18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 5 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Januar 2021 zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa und So 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr

(Foto: Pressefoto/modern temperament)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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