Susanne Viktoria Haupt
1. Oktober 2020

Jetzt aber wirklich!

Nach einer Online-Ausgabe im Frühjahr öffnen die KunstFestSpiele 2020 nun auch analog ihre Pforten und locken trotz aller Einschränkungen mit einem breiten Programm

Am Samstag mit Harfe und neuem Album zu Gast bei den KunstFestSpielen: Hans Unstern

Veranstalter*innen und Künstler*innen Hannovers blicken diesen Herbst in eine unsichere Zukunft. Zuerst hieß es, dass ab 1. Oktober neue Lockerungen angeschoben werden, aber dann ist das Virus leider wieder auf der Überholspur gelandet. Wer glaubt, dass sich bereits durch die vergangenen rund sechs Monate nichts verändert hätte, liegt falsch. Neben all den abgesagten Veranstaltungen, an denen nicht nur ein begeistertes Publikum hing, sondern auch zahlreiche Existenzen, geht es Clubs, aber auch kleinen Läden und Cafés schon längst handfest an den Kragen. Wie beispielsweise das ohnehin von der Politik gebeutelte Béi Chéz Heinz weitermachen kann, ist unsicher. Und das von langeleine.de so sehr geliebte Ladencafé Linden-Nord schließt am 6. Dezember diesen Jahres nach exakt sieben Jahren für immer seine Pforten. Vegan & Raw in der Nordstadt sind ebenfalls an ihre Grenzen gekommen und haben bereits den letzten Tofu-Burger gewendet. Und die Zukunft von Hannovers schnuckeligsten Hit-Club Feinkost Lampe ist ebenso unsicher, wie eine Wetterprognose für Januar 2021. Wir haben jetzt schon ein anderes Hannover.

Deswegen klammern wir uns alle derzeit gerne an jeden noch so kleinen Strohhalm. Einerseits, um ein gewisses Maß an Normalität zu erhalten, anderseits, um auf irgendeine Art zumindest ein paar Existenzen zu unterstützen. Deswegen war und ist die Begeisterung natürlich groß, dass nach dem Online-Angebot im Frühjahr die KunstFestSpiele Herrenhausen nun tatsächlich stattfinden können. Wenn auch natürlich in abgeänderter Form und unter Einhaltung der Hygiene-Vorschriften. Bereits seit dem 23. September wird in Herrenhausen, aber auch online wieder musiziert, gespielt, performed und dargestellt. Verstecken muss sich das Programm trotz etlicher Einschränkungen keinesfalls. Heute beispielsweise begrüßt die Orangerie das Pianisten-Duo Jean-Frédéric Neuburger und Jean-François Heisser. Jean-François Heisser ist seines Zeichens nicht nur Pianist, sondern auch Dirigent und unterrichtet neugierige Musiker*innen. Jean-Frédéric Neuburger ist nicht nur Pianist, Komponist und Organist, sondern auch ein ehemaliger Schüler von Heisser. Beide werden einerseits durch ihre Liebe zur klassischen Musik verbunden, andererseits durch ihre Freundschaft. Für die KunstFestSpiele widmen sie sich heute den Werken des deutschen Komponisten Karlheinz Stockhausen, der nicht nur als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gilt, sondern zudem einer der Begründer der punktuellen Musik war. Heisser und Neuburger wollen dabei einzelne Kompositionen von Stockhausen so wiederholend in Szene setzen, dass sie wie hypnotische Mantren wirken.

Während der Talk mit den beiden Pianisten um 18 Uhr noch frei ist, benötigt man für das Konzert ab 19.30 Uhr ein Ticket. Es lohnt sich allerdings, auch einen weiterführenden Blick auf das Programm zu werfen. Morgen ist nämlich nicht nur ein neuer Tag, sondern auch der Tag der neuen Anfänge und unvollendeten Geschichten. Zumindest auf dem Festival-Gelände. Vlatka Horvat lädt zur partizipativen Performance „Beginnings Marathon“. Jede und jeder, der Lust und Laune verspürt, darf die erste Seite eines Romans vorlesen. Entweder man bringt selbst ein Buch dazu mit, oder bedient sich am dortigen Büchertisch. Die Sprache dabei ist völlig gleich, ebenso das Alter der Lesenden. Ein Raum voller neuer Anfänge weckt nicht nur Neugierde auf die weitere Geschichte, sondern gibt auch Hoffnung. Und am Samstag könnt ihr ganz praktisch Feinkost Lampe unterstützen, indem ihr Euch für gerade einmal fünf Euro ein Ticket für das Hans Unstern-Konzert besorgt. Nach sieben langen Jahren ist der Singer/Songwriter wieder unterwegs und hat dabei nicht nur eine Harfe als neue Begleiterin, sondern auch ein neues Album namens „Diven“. Das sind doch zumindest kleine Lichtblicke in dieser beginnenden dunklen Jahreszeit.

Donnerstag, 1. Oktober 2020:
„Mantra“, Jean-Frédéric Neuburger und Jean-François Heisser, Konzert im Rahmen der Kunstfestspiele Herrenhausen 2020, Orangerie/Herrenhäuser Gärten, Herrenhäuser Straße 4, 30419 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 42 Euro, ermäßigt: 19 Euro

  • Die Kunstfestspiele Herrenhausen laufen noch bis zum 11. Oktober
  • mehr Informationen:
    kunstfestspiele.de

    (Foto: Pressefoto/KunstFestSpiele Herrenhausen/Feinkost Lampe/Marain Lenhard)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

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