Susanne Viktoria Haupt
2. Oktober 2020

Raus aufs Land!

Mit ihrer Ausstellung „Ländliche Produktivkräfte“ zeichnet die Künstlerin Antje Schiffers im Sprengel Museum ein komplexes Bild von ländlichen Umgebungen

Auch wenn es manchmal so scheint, auf dem Land steht die Zeit keinesfalls still: „Gabower Höhen“ von Antje Schiffers

Bereits seit dem 19. Jahrhundert surfen wir Menschen auf einer stetigen Welle der Urbanisierung. Bessere Arbeitsmarktlage, bessere Schulen, kürzere Wege, mehr Einkaufsmöglichkeiten, nah am Puls der Zeit und ein vielfältiges kulturelles Angebot locken jährlich tausende Menschen vom Land in die Stadt. Kein Wunder also, dass es in ländlichen Gegenden mittlerweile häufig bedrückend menschenleer ist oder aber der Altersdurchschnitt deutlich ansteigt. Aufs Land, da fährt man höchstens im Sommer hin, um über die goldenen Felder zu blicken. Allenfalls vielleicht noch im Winter, wenn es denn schneien sollte, um ein wenig vorweihnachtliche Idylle zu erleben. Dabei kann das Landleben nicht nur faszinierend sein, sondern gleichermaßen meditativ und kulturell bereichernd. Nicht umsonst zieht es Literat*innen und Bildende Künstler*innen aller Genres immer noch auf das Land hinaus, um entweder Ruhe zum Schreiben zu finden oder die Weiten bildkünstlerisch einzufangen. Das Landleben bot sich bereits vielen Künstler*innen als Inspirationsquelle. Denken wir nur an Wilhelm Busch, der nicht nur Bienen, sondern auch die Natur studierte und festhielt. Oder aber an Vincent van Gogh, der sich in das Hinterland der Camargue verirrte und verliebte.

Die deutsche Künstlerin Antje Schiffers hat zwar eine deutlich kulturwissenschaftlichere Herangehensweise an ihre Arbeiten, aber dennoch den Pfad aufs Land aufgenommen. Ihre Feldforschungen haben sie bisher nach Kasachstan, Mexiko, Kirgistan und Russland geführt. Mit dabei immer der Gedanke, dass das Land nicht zwangsweise ein verstaubter und verschlafener Ort sein muss, sondern durchaus Komplexität besitzt.

Anlässlich des Erscheinens des 75. Bandes der Reihe „Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen“ der Stiftung Niedersachsen lädt das Sprengel Museum derzeit zur Ausstellung „Ländliche Produktivkräfte“ von Antje Schiffers. Im Zentrum steht dabei vor allem ein Kunst-Parcours, die sogenannte „Museumsstraße“, bestehend aus den Werken der Künstlerin. Umrahmt wird die Straße dabei von Installationen und den auf dem Museums-Vorplatz stattfindenden „International Village Shop“. Hintergrund des Shops ist das Kollektiv Myvillages, von dem Schiffers ein Teil ist und der Gegenstände zum Verkauf anbietet, die die Künstler*innen des Kollektivs gemeinsam mit Dorfbewohner*innen auf der ganzen Welt angefertigt haben. Zeit also, das Land mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Freitag, 2. Oktober 2020:
Antje Schiffers: „Ländliche Produktivkräfte“, Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, geöffnet von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Januar zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di 10 bis 20 Uhr, Mi bis So 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen

(Foto: Pressefoto/Sprengel Museum Hannover/©Antje Schiffers)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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