Susanne Viktoria Haupt
18. Oktober 2020

Die drei Säulen der Museumsarbeit

Das Museum Wilhelm Busch widmet sich mit seiner neuesten Ausstellung „Sammeln, Ausstellen, Forschen!“ den grundlegenden Aufträgen eines Museums

Umfangreich und vielfältig: Interessierte Besucher*innen können sich auf 180 Exponate freuen, die die 90-jährige Sammlungsgeschichte des Museums Wilhelm Busch skizzieren

Erst im vergangenen Jahr kamen im Schloss Herrenhausen zahlreiche Fachkräfte aus dem Museumsbereich zu einem Symposium zusammen, bei dem es um einen wichtigen, aber größtenteils unsichtbaren und teilweise auch vergessenen Zweig der Museumsarbeit ging. Denn anders als zum Beispiel eine Galerie hat ein Museum auch stets den Auftrag zur Forschung. Ein knappes Budget lässt dies allerdings nicht immer zu. Es mangelt an Geld für ausgebildete Fachkräfte und zudem konzentrieren sich die meisten Häuser auf die Ausstellungsplanung, um damit höhere Besucher*innenzahlen zu generieren, was wiederum dem finanziellen Polster nützt. Im Hinblick auf diese Problematik wurden während des Symposiums zehn Thesen formuliert, die künftig als unverbindlicher Leitfaden gelten sollen. Drei Thesen sollen an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden. Zum einen wird der Erhalt des wissenschaftlichen Auftrags der Museen gefordert. Zum anderen sollen mehr Forschungsprojekte initiiert werden, die sich mit den Sammlungen der Museen beschäftigen und diese so besser aufbereiten. Außerdem bieten gut aufbereitete Sammlungen die Möglichkeit, künftig für Ausstellungen auf diese zurückzugreifen, was wiederum Kosten für teure Leihgaben oder Neuanschaffungen spart. Diese Maßnahmen stopfen zwar nicht die chronisch leeren Kassen der Institutionen, aber sie können dafür sorgen, dass dem Forschungsauftrag wieder mehr nachgekommen werden kann.

Das Museum Wilhelm Busch verfügt nach 90 Jahren Sammelleidenschaft nicht nur über eine beachtliche Sammlung, bei der die Zahl der Exponate im fünfstelligen Bereich liegt, sondern konnte nun bereits zum dritten Mal das Fellowship des hauseigenen Fördervereins ausschreiben. Vier Wochen können die Stipendiaten jeweils in der Sammlung forschen, um ihren Aufenthalt mit einem ausgedehnten Vortrag über ihre Erkenntnisse abzuschließen. Um die Forschungsarbeit hinter den Kulissen noch sichtbarer zu machen, zugleich aber auch wahre Schätze aus den Fängen des Sammlungsdepots zu befreien, lädt das Museum bis Ende nächsten Jahres zur großen Ausstellung „Sammeln, Ausstellen, Forschen!“ ein. Dabei sollen nicht nur die Ergebnisse der Stipendiaten noch einmal präsentiert werden, sondern auch der Sammlungsumfang verdeutlicht werden. 180 Exponate, darunter natürlich auch Werke von Wilhelm Busch, James Gillray, Marie Marcks oder Hanns Erich Köhler, werden den Besucher*innen zugänglich gemacht. Neben der parallel laufenden Geburtstagsausstellung von Ronald Searl, deren Exponate ebenfalls aus der Sammlung stammen, beweist das Museum Wilhelm Busch auf diese Weise, dass mit einem gutgeführten und aufbereiteten Depot tatsächlich vielfältige und hochspannende Ausstellungen möglich sind.

Sonntag, 18. Oktober 2020:
„Sammeln, Ausstellen, Forschen!“, Ausstellung, Museum Wilhelm Busch, Georgengarten, 30167 Hannover, geöffnet: 11-17 Uhr, Eintritt: 6 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Dezember 2021
  • Öffnungszeiten: Di bis So 11-17 Uhr

(Foto: Pressefoto/Ausstellungsplakat/Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst)

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Kategorien: Kunst, Lokalitäten, Tagestipps

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