Susanne Viktoria Haupt
23. Oktober 2020

Richtig schön und nackig

Für nur drei Tage ist die Ausstellung „Nicht nur N(Akt) Zwei“ im Kopflos Atelier e.V. zu sehen, aber am Rahmenprogramm wird nicht gegeizt

Reine Erotik? Körperstudie? Oder noch mehr? Ein Akt kann vieles sein. Das zeigt sich auch bei Andrea Schneiders Arbeit

Hören wir das Wort Akt, denken wir meist sofort an nackt. Ein Akt, so wird häufig angenommen, ist die gehobenere Bezeichnung für die Darstellung nackter Körper, meist in erotischer, für manche gedanklich sogar in pornographischer Pose. Das mag hier und da sicherlich stimmen, ist aber keine verbindliche Eigenschaft von Akt. Als Akt wurde einst in der Kunst schlicht und ergreifend die Körperstudie beschrieben und diese war nicht ganz unwichtig. Jeder weiß beispielsweise, wie schwer es ist, eine Hand zu zeichnen. Gleichermaßen schwierig ist es, den Körper als solches in seiner Beschaffenheit und seiner Haltung zu erfassen. Ein Akt bietet in diesem Sinne die Möglichkeit, den Körper möglichst genau und ganz natürlich zu studieren und ein Gefühl für ihn zu entwickeln. Per se ist an einem Akt also gar nichts pornographisch und er muss auch nicht erotisch sein. Albrecht Dürers Selbstakt von 1504 bringt beispielsweise das Blut wahrscheinlich auch nicht so richtig in Wallung.

Der im Kulturzentrum Faust beheimatete Verein Kopflos Atelier e.V. präsentiert an diesem Wochenende die Ausstellung „Nicht nur N(Akt) Zwei“ in der Zinsser-Halle. Astrid Kairies, Andrea Schneiders, Ermanis Grinvalds und Ralf Robert Ludewig sind allesamt Künstler*innen des Vereins und bedienen sich ganz unterschiedlicher Techniken. Gemein haben sie jedoch, dass es sich innerhalb der in der Ausstellung präsentierten Arbeiten um Akte handelt, die allesamt mal lasziv und erotisch, mal präzise als Körperstudie und mal über die Körperdarstellung hinausgehendend erscheinen.

Um aber die geneigten Besucher*innen endgültig davon zu überzeugen, dass Akt nicht einfach nur nackt bedeutet, sondern es auf viel mehr als den nackigen Körper ankommt, bietet der Verein morgen und am Sonntag ein gemeinsames Aktzeichnen an. Hierbei sollen sich die Teilnehmenden selbst ein Bild davon machen können, was für eine Leistung hinter einem Akt schlussendlich liegt. Zur Vernissage heute wird statt eines Zeichen-Kurses ein Buffett und Live-Musik angeboten. Während man zwar morgen und Sonntag keinen Snack mehr bekommen kann, bleibt die Live-Musik als Rahmenprogramm durchgängig erhalten.

Aufgrund der aktuellen Vorschriften bittet der Verein unter anmeldung-spektive@kopflos-ev.de um eine vorherige E-Mail-Anmeldung. So kann auch auf einen eventuell großen Andrang hinsichtlich des Kurses reagiert werden und das Programm dementsprechend angeglichen werden.

Freitag, 23. Oktober 2020:
„Nicht nur N(Akt) Zwei“, Vernissage der Ausstellung von Astrid Kairies, Andrea Schneiders, Ermanis Grinvalds und Ralf Robert Ludewig, Kopflos-Atelier e.V., Kulturzentrum Faust, Zinsser-Halle, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Oktober zu sehen
  • Öffnungszeiten: 14 bis 19 Uhr

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust/Andrea Schneiders)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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