Susanne Viktoria Haupt
25. Oktober 2020

Ein Plädoyer für Toleranz und Frieden

Im Kulturzentrum Pavillon feiert heute das Theaterstück „Mit den Augen eines zwölfjährigen Mädchens“ unter der Regie von Leila Semaan Premiere

Hat es sich zur Aufgabe gemacht, aufzuklären: Janina Hescheles Tagebuch „Mit den Augen eines zwölfjährigen Mädchens“

Nicht selten werden leider Forderungen laut, man möge im Geschichtsunterricht den Zweiten Weltkrieg und die damit verbundene NS-Zeit in Deutschland weniger thematisieren. Die deutsche Geschichte auf zwölf Jahre herunterzubrechen, wäre falsch und vermittle ein ebenso falsches Bild. Solche Aussagen sind selbstredend lächerlich, denn heutzutage wird die NS-Zeit und der Weltkrieg bereits weitaus weniger im Unterricht behandelt, als es noch vor 20 Jahren zu meiner Mittelstufen-Zeit der Fall war. Und ich sage an dieser Stelle „leider“, denn auch, wenn es „nur“ 12 Jahre sind, liegt es an uns, zu verhindern, dass sich auch nur eines dieser Jahre jemals wiederholt. Geschichte stiftet Identität, klärt aber auch auf. Und im besten Falle lernen wir etwas aus der Vergangenheit. Gerade in einer Zeit, in der rechte Parolen nahezu wieder gesellschaftsfähig geworden sind und die Zahl der Zeitzeugen der Verbrechen von 1933 bis 1945 schwindend gering geworden ist, müssen wir nicht nur wachsam sein, sondern uns immer wieder um Aufklärung bemühen.

Das Kulturzentrum Pavillon zeigt ab heute das Theaterstück „Mit den Augen eines zwölfjährigen Mädchens“, das auf dem gleichnamigen Buch von Janina Hescheles basiert. Hescheles kam als junges Mädchen in das Arbeitslager Lemberg-Janowska und verlor ihre Eltern durch die Nazis im Ghetto. 1943 wurde sie mit Hilfe der jüdischen Widerstandsorganisation Żegota befreit und tauchte bis zum Kriegsende unter. Bereits kurz nach ihrer Flucht begann Hescheles mit der Aufzeichnung ihrer Erlebnisse während der Gefangenschaft. 1946, direkt nach Kriegsende, wurde der autobiographische Bericht „Mit den Augen eines zwölfjährigen Mädchens“ veröffentlicht.

Hescheles betont stets, dass sie nur überlebt habe, um davon zu berichten. Im gleichnamigen Theaterstück beschäftigen sich sechs junge Mädchen mit den Berichten der Autorin und versuchen, das Leben der Shoa-Überlebenden mit ihren eigenen Lebensgeschichten und der derzeitigen Lage zu verbinden. Herausgekommen ist ein aufklärendes und zu Toleranz und Frieden verpflichtendes Theaterstück ab 12 Jahren. Es spielen Josephine Ashitey, Liby Mechler, Emely Neumann, Mehlika Odabasi, Elisa Sengebusch, Sanja Zinn und Elke Cybulski.

Sonntag, 25. Oktober 2020:
„Mit den Augen eines zwölfjährigen Mädchens“, Theaterstück nach dem gleichnamigen Tagebuch von Janina Hescheles, Premiere, Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 17 Uhr, Eintritt: 8 Euro

  • weitere Vorführungen:
  • Samstag, 31. Oktober, 17 Uhr
  • Sonntag, 1. November, 17 Uhr

(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Bühne, Literatur, Politik, Tagestipps

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