Susanne Viktoria Haupt
29. Oktober 2020

Die ganz eigenen Geschichten des Buchhandels

Das Kino am Raschplatz erfreut mit der Dokumentation „The Bookseller – Aus Liebe zum Buch“ vor allem Buchhandels-Liebhaber*innen

Eine Hommage an den lokalen Buchhandel: „The Bookseller“ von D.W. Young, Filmplakat

Es gibt nur noch wenige richtig schöne Buchhandlungen in Hannover, oder etwa nicht? Dazu zählen beispielsweise noch die Kinder- und Jugendbuchhandlung Cruses auf der Hildesheimer Straße, oder aber Annabee auf der Stephanusstraße. Und einst auch Decius, bevor das Geschäft von Thalia übernommen wurde und nun einer schlechteren Geschenk- und Krimskrams-Abteilung gleicht. Schön ist das nicht. Und leider auch nicht neu. Es ist aber gleichermaßen auch kein Wunder, dass sich von Eigentümer*innen geführte Buchhandlungen nicht mehr allzu gut halten, denn der große Feind beginnt mit einem großen A und hat die Schlinge um den lokalen Buchhandel längst fest zugezogen. Warum eigentlich, frage ich mich oft. Denn es gibt doch wenig erquickendere Dinge, als eine Zeit in einer Buchhandlung zu verbringen und sich berauschen zu lassen. Außerdem sind viele Buchhändler*innen wirklich nett und freuen sich auf einen Plausch über das ein oder andere Buch. Zudem minimiert ein entspannter Spaziergang zur lokalen Buchhandlung auch den CO²-Fußabdruck. Eigentlich, so meine Theorie, spricht also wenig bis gar nichts dafür, Bücher online zu bestellen.

Eine der schönsten Seiten am Medium Buch ist außerdem, dass es so gut wie kaum ein anderes Objekt für eine Weitergabe als Second-Hand-Gut geeignet ist. Außer Ihr macht Eselsohren als Lesezeichen, aber dann ist Euch auch nicht mehr zu helfen. Wisst Ihr, wie viel ich schon in gebrauchten Büchern gefunden habe? Postkarten, die ewig und drei Tage alt waren. Kassenbons, Notizzettel, liebevolle Widmungen und vergessene Lesezeichen. Gebrauchte Bücher speichern doppelt und dreifach Leben. Sie beherbergen die eigene Geschichte, und die Lese-Erlebnisse aller bisherigen Eigentümer*innen. Gerade Second Hand lassen sich zudem Bücher finden, die eigentlich als vergriffen gelten. So bekam ich von meinem Mann einst zu Weihnachten mein liebstes Kinderbuch „Plunderplager klaut Kaffeetopf“. Gefunden im Antiquariat, denn verlegt wird es längst nicht mehr.

Um Buchhändler*innen, aber auch um jene, die ein Antiquariat führen, geht es in D.W. Youngs Dokumentation „The Bookseller – Aus Liebe zum Buch“. In New York, wo es in den 1950er-Jahren rund 360 Buchhandlungen gab, lassen sich heute nur noch 79 zählen. Eine äußerst traurige und erschreckende Bilanz. Deswegen beleuchtet Young gezielt jene, die sich voll und ganz der Liebe zum Buch verschrieben haben. Darunter beispielsweise ein Antiquariats-Inhaber, der deutlich macht, dass es bei seinem Job um den Genuss der Jagd auf verschollene Bücher geht und das Internet nicht mehr und nicht weniger als genau diesen Moment zerstört.

Oder aber um Nancy Wyden, die Miteigentümerin einer der bekanntesten New Yorker Buchhandlungen, „The Strand“. Sie alle werden in ihrem beruflichen Alltag begleitet, aber auch an einen Tisch geholt. Es geht um den Einschnitt, den das Aufkommen des Internet-Handels mit sich brachte, aber auch darum, mit welchen frischen und neuen Ideen der Buchhandel wieder attraktiver für die breite Masse werden kann. Optimismus statt Pessimismus, trotz Internet-Riesen. Die Bilder, die wir unterdessen zu sehen bekommen, meterlange und meterhohe Regale voller Bücher, sind nichts weniger als erstklassiger Book Porn. Ein Dokumentarfilm, der zum Nachdenken anregt, die eigene Liebe zum Buch befeuert und dem lokalen Buchhandel jene Aufmerksamkeit entgegenbringt, die er verdient hat. Morgen könnt Ihr dann gerne Eure liebsten Buchhandlungen besuchen!

Donnerstag, 29. Oktober 2020:
„The Bookseller – Aus Liebe zum Buch“, Dokumentarfilm von D. W. Young, USA 2019, 99 min., OmU, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 20.45 Uhr, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 8,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Literatur, Tagestipps

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