Jörg Smotlacha
14. September 2010

Bitte Werkzeug mitbringen und eine gute Haftpflicht!

Von Hoppel-Riddims, der DNA, Altern in Würde und zwielichtigen Renntreckerfahrern: Ein Interview mit Joe Kamerun, dem Alter Ego der hannoverschen Kult-Reggae-Dada-Combo Kamerun News

Kamerun News

Vorgestern und gestern noch in Hamburg, Berlin und Indien, am Freitag beim Kulturkiosk von langeleine.de: Die Kamerun News sind überall

langeleine.de: In Hannover sind Kamerun News vor allem durch unglaubliche Auftritte auf Straßenfesten legendär. Nun gibt es Euch schon zwanzig Jahre. Wie ist die Band eigentlich entstanden?

Joe Kamerun: Wir wollten damals (noch mit Karo) eine Reggae-Band gründen, hatten auch zwei eigene Stücke. Das dauerte uns aber alles zu lange und so fingen wir an, hopplahopp ein paar Hits zu bearbeiten. Das ging viel schneller.

ll: In den letzten sieben Jahren war es ruhig um Euch. Die Rede war von Gruppenmeditationen und geheimen Aufenthalten in einem Shangri-La. Ist Euer Anarcho-Reggae nun Hare-Krishna-infiziert?

Kamerun: War er immer schon. Und die sieben Jahre sind jetzt auch schon wieder zwei Jahre her. Wir spielen tatsächlich wieder ab und zu live und das rockt ganz gut und macht viel Spaß.

Kamerun News

Möchte mit dem Publikum zusammen das Mobiliar zerlegen: Joe Kamerun mit seinem Sideman Joe Kamerun

ll: Wie darf man sich eine Bandprobe bei Kamerun News vorstellen? Eher Open Stage und kollektives Ausrasten oder professionelles Durchspielen der berühmt-berüchtigten Jingles?

Kamerun: Naja, manchmal muß man sich schon kurz erinnern, ob das Stück jetzt in E-Dur oder in F-Dur war. Aber manche Stücke sind Teil unserer DNA geworden, müssen nicht geprobt werden und finden von selbst ihren Weg in die Finger.

ll: Kamerun News sind bekannt für ihre aberwitzigen Cover-Versionen. Nun habt Ihr gar zwei neue Stücke angekündigt. Wie ist denn das passiert?

Kamerun: Tatsächlich haben wir die zwei neuen Stücke wieder aus dem Programm genommen, dann aber wieder zwei andere neue reingenommen, von unseren Brüdern Kramer & Houston. Und intern wird noch per weltweiter Online-Konferenz über ein weiteres Stück beraten.

Kamerun News

Auch die Klamotten stammen aus einem geheimen Shangri-La: Kamerun News in Bühnenmontur

ll: Eure Reunion ist hoffentlich von Dauer. Was denkt Ihr, was machen die Kamerun News in zehn Jahren?

Kamerun: Danke! Ich denke, das wird dann so Social-Club-mäßig. Das Alter ist zwar hinderlich, aber auch amüsant. Und es bringt neue Realitäten.

ll: Von der Limmerstraße in Hannover-Linden bis zur Wohlwillstraße in St.Pauli – Ihr habt so ziemlich alle Straßen dieser Welt gesehen. Welches waren Eure schönsten Live-Erlebnisse?

Kamerun: Es waren viele gut bei Kamerun News. Die bessere Frage wäre, was waren die schlechtesten? Spielen mit einem Ersatz-Bassmann, der die Stücke nicht kannte? Oder mit komplett betrunkenen Sängern? Oder vor zwielichtigen Renntreckerfahrern mit rechtem Einschlag? Oder vor jungen Poppern, die alle große Künstler sind? Ja! Das war der beschissenste Auftritt, zumindest der jüngeren Zeit. Unvergessen als tolles Erlebnis: Spielen in Zitanien vor der aufgehenden Sonne. Oder auch im Motorradclub Kuhle Wampe auf der kleinen Bühne. Es ergaben sich unvergessene Kalauermöglichkeiten rund um die Welt des Motorradfahrens.

Kamerun News

Bilderrätsel: Mit der richtigen Lösung winkt ein unvergessliches Live-Erlebnis

ll: Last but not least: Euer Rekord steht bei einem siebzehnstündigen Live-Konzert. Natürlich bei einem Straßenfest. Was darf unser Publikum am Freitag beim Kulturkiosk von Euch erwarten?

Kamerun: Ist noch unklar. Beim letzten Konzert haben wir in zwei Stunden nur ein Drittel der Playlist geschafft. Das war seltsam. Später, beim Durchhören des Live-Mitschnittes stellte sich aber heraus, dass das vermutlich am ausgiebigem Geschwafel der Sänger zwischen den Stücken lag. Das war natürlich witzig. Nun ist dieses Pulver aber verschossen, und es blüht uns ein lupenreiner Hoppel-Riddim-Abend on 45. Dazu müssen wir natürlich mit dem Publikum zusammen das Mobiliar zerlegen, was sicher sehr viel Spaß machen wird. Also: Werkzeug mitbringen und eine gute Haftpflicht. Oder minderjährig sein.

Nicht verpassen:

Die Kamerun News zerlegen am Freitag, dem 17. September, mit ihrer unglaublichen Anarcho-Dada-Chaos-Ska-Top-Ten-Tanz-Maschine den Kulturkiosk von langeleine.de und verlosen einen Jingle.

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Menschen, Musik

Ein Kommentar

  1. Lutz Langanke sagt:

    Hallo Jörg Smotlacha, guter Bericht, passt zu dem, was ich damals gefühlt vor 25 Jahren auf Anhängerbühnen in Hannover-Linden gehört und getanzt habe. Nun werde ich in 2 Monaten 50 Jahre, Grund genug mal nach hinten zu gucken. Und da war natürlich zu Studenten-WG-Zeiten Kamerun News zentral. Die live auf meiner Party mit Mitstreitern aus alten Tagen, das wäre gelungen. Nun frage ich Sie, wie kann man den Kontakt zu Kamerun News herstellen? Vielen Dank und beste Grüße, Lutz Langanke

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