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Träume in den Zeiten patriarchalischer Systeme

Im Kino im Künstlerhaus ist heute Abend der Film „Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão“ im portugiesischen Original zu sehen

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão, Spielfilm von 2019

Sind ein Herz und eine Seele, werden aber je auseinandergerissen: die Schwestern Gusmão

Im Rio de Janeiro der 1940er-Jahre ist der Weg der beiden Schwestern Eurídice Gusmão (Fernanda Montenegro) und Guida Gusmão (Julia Stockler) vorgezeichnet: Sie werden heiraten, Kinder bekommen und zu Hause für Heim und Familie sorgen. So sieht es nicht nur die Gesellschaft vor, sondern auch ihr konservativer und autoritärer Vater. Doch sowohl Euridice als auch Guida erträumen sich eine andere Zukunft: Obwohl in Europa erst vor wenigen Jahren noch der Zweiten Weltkrieg wütete, ist der Kontinent jenseits des Atlantiks sehnsüchtiges Ziel der beiden Schwestern. Guida verliebt sich in einen griechischen Seemann und türmt mit ihm spontan nach Athen. Ihrer Familie schreibt sie, ihren Liebhaber heiraten zu wollen, bevor sie nach Brasilien zurückkehrt.

Als Guida eines Tages wieder vor der Tür ihrer Familie steht, erwartet sie ein Kind, ist aber allein. Eine schwangere, unverheiratete Frau, das ist natürlich eine Schande für die Familie, und so bricht Guidas Vater mit ihr. Auch auf ihre jüngere Schwester Eurídice kann sie nicht zählen. Nachdem Guida nach Griechenland durchbrannte, sollte Eurídice mit dem Sohn eines Geschäftspartners verheiratet werden. Doch auch die jüngere Schwester, so erzählt es zumindest der Vater, scheint lieber ihren Träumen gefolgt und nach Europa gegangen zu sein, wo sie sich in Wien an einem Konservatorium zur Konzert-Pianistin ausbilden lassen will. Der Versuch der beiden Schwestern, miteinander Kontakt aufzunehmen, scheint jedoch zum Scheitern verurteilt zu sein, und so schlagen sich beide, trotz ähnlicher Geschichte, getrennt durch ihre patriarchalisch geprägten Leben – immer in der Hoffnung, die verlorene Schwester doch noch zu finden.

Vorlage und Inspiration für den Film von Regisseur Karim Aïnouz war der Roman „Die vielen Talente der Schwestern Gusmão“, das 2015 erschienene Debüt der brasilianischen Autorin Martha Batalha. Unter anderem bei seiner Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes im Mai 2019 und bei seiner Deutschland-Premiere beim Filmfest München im Juni 2019 ausgezeichnet, erzählt „Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão“ zwar eine Geschichte aus der Vergangenheit, doch allzu viel Phantasie braucht es nicht, um Parallelen zum Hier und Jetzt zu finden, ob nun weltweit oder auf das aktuelle Brasilien bezogen. Das Kino im Künstlerhaus zeigt „Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão“ heute Abend im portugiesischen Original mit deutschen Untertiteln.

Dienstag, 29. September 2020:
„Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão“, Spielfilm von Karim Aïnouz, Brasilien/D 2019, 139 min., OmU, Kommunales Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro

(Foto: Pressefoto/Bruno Machado)

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