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Sexismus in der Musik-Branche

Musik x Feminismus: Im Musik-Business müssen sich Frauen stärker beweisen als Männer. Sie arbeiten härter, nur um dann weniger ernst genommen zu werden. Woher kommen diese Ungerechtigkeiten?

deutsche künstlerin mine, klebstoff, mit honig überschüttet

Mine auf dem Cover ihres aktuellen Albums „Klebstoff“

„Achte mal darauf, dass auch ein paar Frauen auf der Musikseite zu sehen sind“, wurde ich 2019 in einem Praktikum angewiesen, als es um die Wahl meiner Themen ging. Ich ging meine Playlist durch und musste feststellen, dass der Großteil der Musik von männlichen Künstlern kommt. Tolle Bands und Sänger, keine Frage. Aber in den allermeisten Fällen ist keine Frau dabei. Manchmal als Sängerin und sogar Frontfrau, doch selten bis nie an den Instrumenten.

„I stand before you, as a door mat… Oh, I mean a female entertainer“

„Ich kenne keine einzige Gitarristin“, gesteht Sängerin und Producerin Mine in einem Interview mit dem Spiegel. Dabei hat eine Musikerin doch sicher viel mit anderen Musikerinnen zu tun. Doch auch das Team hinter den Kulissen besteht häufig ausschließlich aus Männern. Roadies, Mitarbeiter in der Event-Location, Manager, Musik-Journalisten. Männer, überall Männer. Wo sind die Frauen? Traut man ihnen weniger Kreativität zu? „Es geht darum, dass Musik-Journalismus, oder die Musik-Industrie selbst, neue Sachen von Männern mehr akzeptiert, als von Frauen“, sagt Rapperin Ebow gegenüber Noizz.de. Was bei Musikern als kreativ und cool gilt, werde bei Musikerinnen schnell als „seltsam“ abgestempelt und verworfen.

Klar ist: Frauen brauchen in der Musik mehr Raum, als ihnen derzeit zur Verfügung steht. Mit den Jahren hat sich das zwar ein wenig gebessert, so gibt es beispielsweise immer mehr Rapperinnen. Jedoch bleibt das Gesamtbild weiterhin stark männerdominiert. Blickt man in die Rock-Szene, sieht es fast noch magerer aus. Frontfrauen existieren viele, und sie sind wichtig, aber all die anderen klassischen Band-Instrumente wie Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard werden extrem selten von Künstlerinnen besetzt. The Big Moon ist eine der wenigen Bands, die komplett aus Mädels besteht. Sie wollen von der Thematik nichts mehr hören, im Interview mit France24 sagen sie: „It would be nice to talk about music instead of our gender“. Natürlich haben sie recht damit. Das Thema sollte längst geklärt sein. Ist es aber nicht. „I stand before you, as a door mat… Oh, I mean a female entertainer“, beginnt Madonna 2016 eine Rede, als sie den „Billboard Women of the year award“ gewinnt.

Wie ändern wir das?

Ebow achtet bei ihren Auftritten darauf, nur Frauen auf die Bühne zu lassen. Cool, aber sicherlich nicht für alle Künstlerinnen umsetzbar. Festivals und andere Events könnten 50/50 buchen, statt 80/20. In der aktuellen Situation könnte jede*r von uns innerhalb favorisierter Genres darauf achten, wie hoch (oder gering) der Anteil an Musikerinnen ist. Und sie supporten. Sicherlich gibt es Menschen, die nur Lady Gaga, Beyoncé, Ariana Grande und Selena Gomez hören. Doch auch bei so berühmten, erfolgreichen Frauen stellen sich mir viele Fragen: Wie kamen sie dahin, wo sie heute sind? Wer sind die Leute hinter ihnen auf der Bühne? Wie schwer haben sie es in Wirklichkeit? Warum müsste ich diese Fragen jetzt nicht stellen, ginge es um männliche Künstler?

In meiner „Girls only“-Playlist finden, wie der Name schon sagt, nur Musikerinnen Platz. Bekannte und weniger bekannte, Bands und Solo-Künstlerinnen. Die Genres sind dabei recht unterschiedlich. Hört mal rein.

„Girls only“-Playlist [1]

(Foto: Pressefoto/CD-Cover/©Simon Hegenberg)

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