Susanne Viktoria Haupt
3. März 2021

Chadwicks letzter Vorhang

Die Mutter des Blues, Chicago, die 1920er-Jahre und die letzte Rolle von Chadwick Boseman: „Ma Rainey’s Black Bottom“ auf Netflix

Mit „Ma Rainey’s Black Bottom“ konnte Netflix bei den diesjährigen Golden Globes punkten. Das lag vor allem an dem brillanten Duo Chadwick Boseman und Viola Davis

Es war wohl eine der größten Schock-Nachrichten des Jahres 2020 für die Filmbranche: Chadwick Boseman starb am 28. August 2020 in Folge einer Krebserkrankung. Boseman galt in unterschiedlichen Bereichen als der Hoffnungsträger überhaupt. Zum einen wurde er von renommierten Schauspielkolleg*innen für sein Talent gefeiert und es wurde ihm eine vielversprechende Zukunft vorausgesagt. Zum anderen wurde er von der Comic-Gemeinde für seine Darstellung des „Black Panthers“ verehrt, schenkte er doch dem Marvel-Universum den ersten schwarzen Superhelden. Seine Erkrankung hat der Schauspieler nie öffentlich gemacht und er hat noch kurz vor seinem Tode einen Film abgedreht, der die Stimmen der Kritiker*innen voll und ganz überzeugen konnte. Schon alleine deswegen, weil Boseman in seiner letzten Rolle noch einmal ganz andere Facetten seines Spiels zeigte und dafür sogar posthum noch einen Golden Globe zugesprochen bekam.

„Ma Rainey’s Black Bottom“ heißt der Musikfilm aus dem Jahr 2020, und er ist eine Netflix-Produktion. Spätestens nach den diesjährigen Golden Globes dürfte niemand mehr abfällig das Gesicht verziehen, wenn Eigenproduktionen des Streaming-Dienstes angepriesen werden. Hier zeigte das Team bereits bei der Besetzung des verfilmten Theaterstücks von August Wilson ein sicheres Händchen. Für die schillernde Protagonistin des Films, die Musikerin und Mutter des Blues, Ma Rainey, holten sie sich niemanden anderes als Ikone Viola Davis ins Boot. Chadwick Boseman besetzten sie für die Rolle des energiegeladenen Trompeters Levee Green, der vom großen Ruhm träumt. Gemeinsam mit weiteren Band-Mitgliedern wollten sie ihre erste Platte aufnehmen, allerdings nicht ohne dabei gegen Vorurteile und handfesten Rassismus kämpfen zu müssen. Ein ekstatischer Film, der einen Sog wie kaum ein anderer verursacht. So schnell sind wir sicherlich noch nie im Chicago der späten 1920er-Jahre gelandet. Ein Muss für alle Fans von brillantem Schauspiel, guter Musik und einer hinreißenden Atmosphäre.

Mittwoch, 3. März 2021:
„Ma Rainey’s Black Bottom“, Musikfilm von George C. Wolfe, USA 2020, 98 min., abrufbar auf Netflix

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Musik, Tagestipps

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