Florian Johannes Haupt
2. November 2020

Viel Spannung an der Oberfläche

Seitenansicht: „One Of Us Is Lying“ von Karen M. McManus

Überzeugender Spannungsaufbau, aber mit den Figuren wurde unser Rezensent nicht richtig warm: „One Of Us Is Lying“ von Karen M. McManus, Buchcover

Ein Buch, dass den „Breakfast Club“ und „Pretty Little Liars“ verknüpfen soll, klang für mich wie eine tolle Erweiterung meiner Leseliste. Vor allem, weil ich auf 1980er-Jahre-Filme stehe. Zudem hatte eine Klassenkameradin von mir noch vor den Sommerferien ordentlich Werbung für den Roman „One Of Us Is Lying“ von Karen M. McManus gemacht. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber im Allgemeinen haben meine Mitschüler*innen einen ziemlich guten Literaturgeschmack. Momentan lese ich viele düstere Bücher, vor allem Stephen King. In den Sommerferien habe ich unter anderem „Es“ gelesen und dieses Buch gehört mit „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak und „Die Pest“ von Albert Camus nun zu meinen persönlichen Lieblingen. Wie man also merkt, lese ich eigentlich alles querbeet. Demnach passte das Debüt von Karen M. McManus ganz gut zu mir. Es versprach Verspannung und Nervenkitzel pur.

In „One Of Us Is Lying“ geht es um die fünf Schüler*innen Bronwyn, die Streberin, Nate, der Verbrecher, Cooper, der Sportler, Addy, die Beliebte und Simon, der Außenseiter. Sie alle landen an einem Montagnachmittag beim Nachsitzen. Simon betreibt einen Online-Blog, wo er die neusten Gerüchte und Neuigkeiten verbreitet, wofür ihn beinahe alle auf der Schule hassen. Als Simon beim Nachsitzen dann einen allergischen Schock erleidet, die Epi-Pens spurlos verschwunden scheinen und er tragisch stirbt, steht jeder der vier Verbliebenen unter Verdacht, den Schock ausgelöst zu haben. Da Simon über alle von ihnen Geheimnisse kannte, die dem Ruf der vier Schüler*innen schaden würden, hätten sie zumindest alle ein Motiv. Aber wer war es denn nun wirklich? Oder ist Simons Tod nur ein tragischer Unfall?

Ja, das klingt eigentlich alles wirklich ganz interessant, aber leider waren mir die Figuren einfach nicht sympathisch. Addy zum Beispiel glaubt, dass sie ohne ihren Freund ein Nichts wäre, Bronwyn macht aus wirklich allem ein großes Drama und Cooper ist zu Beginn einfach nur ein Macho. Nur Nate, der als einziger von allen sogar vorbestraft ist, zeigt sich den anderen als guter Freund, der nicht nur an sich selbst denkt. Ein weiterer Grund, warum ich nur schwer Zugang zu den Figuren finden konnte, war, dass die Autorin McManus meist nur einen oberflächlichen Einblick in die Geschichten hinter den Figuren und ihrer Charaktere bietet. Auf mehr als 400 Seiten hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Wer aber wirklich nur auf der Suche nach Spannung ist, und wem die Figuren nicht ganz so wichtig sind wie mir, der ist mit „One Of Us Is Lying“ von Karen M. McManus auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Karen M. McManus: „One Of Us Is Lying“, Übersetzung von Anja Galić, 448 Seiten, cbj, ISBN-13: 978-3570165126, 18 Euro

(Foto: Buchcover)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Literatur

Kommentiere diesen Artikel