Susanne Viktoria Haupt
9. November 2020

„Sagen Sie doch mal etwas zum Thema Rassismus“

Schauspielerin Thelma Buabeng und Moderator Tarik Tesfu waren vergangene Woche im Literarischen Salon zu Gast. Ihr Gespräch zum Thema „I can’t breath – Let’s talk about racism“ ist auf YouTube zu sehen

Bei den beiden stimmt die Chemie: Thelma Buabeng und Tarik Tesfu begeistern das Online-Publikum des Literarischen Salons

BPOC erleben seit dem Tod von George Floyd eine Art „Hochkonjunktur“. Zumindest bekommen das Tarik Tesfu und Thelma Buabeng deutlich zu spüren. Dass dafür erst wieder jemand habe sterben müssen, das sei grausam. Ein Tod für mehr Aufmerksamkeit. Ein Tod, der noch einmal überdeutlich zeigte, dass Rassismus keine Randerscheinung ist. Kein Problem, das nicht so schwer wiegt. Nichts, was man mal eben beiseite schieben kann. Nun werden Tesfu und Buabeng zu zahlreichen Podcasts und Interviews eingeladen und sollen darüber sprechen. Über ihre eigenen Rassismus-Erfahrungen, über Diskriminierung, über ihr Leben als BPOC. Dabei wünschen sich beide eigentlich, dass ihnen einfach mal ganz normale Fragen gestellt werden. Jene Fragen, die auch ihren Kolleg*innen gestellt werden. Über ihre Arbeit, ihre bisherige Karriere, ihre Hobbys, ihre Meinungen zu anderen Themen. Natürlich ist Rassismus ein wichtiges Thema, aber sie wollen die schlimmen Erfahrungen nicht immer reproduzieren. Auch sie wollen einfach mal als das im Mittelpunkt stehen, was sie sind: Menschen mit verdammt interessanten Jobs.

Deswegen wird vielleicht der ein oder die andere zu Beginn enttäuscht sein, wenn das Gespräch beginnt. Weil Buabeng und Tesfu nun mal nicht gleich beginnen, von Rassismus zu erzählen, sondern davon, wie lange sie beide schon in Berlin leben, welchen Aszendenten Buabeng hat und dass Tesfu Basic Skills im Handlesen besitzt. Und auch über gendergerechte Sprache sprechen sie. Dass Tesfu es anderen nicht übel nimmt, wenn sie nicht gendern, aber er es eben tut. Buabeng erzählt beispielsweise auch davon, dass Corona natürlich viele Existenzen bedroht, sie sich aber glücklich schätzt, dass sie weiterhin vom Theater in Zürich bezahlt wurde. Obwohl es keine Auftritte hab.

Und die beiden sprechen darüber, dass sie beide sich während der Pandemie noch einmal verstärkt auf das konzentriert haben, wofür sie dankbar sind. Sie stellen sich gegenseitig einmal jene Fragen, die sie gerne von Journalist*innen gestellt bekommen hätten. Erst gegen Ende lassen sie die Katze aus dem Sack, und schnell merkt man, dass es natürlich wichtig und interessant ist, wenn die beiden über Rassismus sprechen. Dass man verstehen kann, dass sie es leid sind, aber die Brisanz nun mal nicht zu leugnen ist. Aber ein Stück weit wünscht man sich vielleicht den Moment zurück, wo beide einfach nur entspannt beieinander sitzen – mit Abstand natürlich – und aus dem Nähkästchen ihres eigenen Lebens plaudern. Ein erhellendes Gespräch, das uns einmal mehr zeigt, dass wir bei aller Dringlichkeit zum Thema Rassismus die Menschen nicht nur auf ihre Hautfarbe reduzieren dürfen. Selbst dann nicht, wenn wir es ach so gut meinen. Oder wie Thelma Buabeng es klar ausdrückte: „Ich bin Rassismus-Lexikon. […] Ich bin kein Opfer“. Zu sehen ist das Gespräch auf dem Youtube-Kanal des Literarischen Salons

Montag, 9. November 2020:
„I can’t breath – Let’s talk about racism“, Gespräch mit Thelma Buabeng und Tarik Tesfu, abrufbar auf dem Youtube-Kanal des Literarischen Salons

(Foto: Pressefoto/Literarischer Salon/Kimi Palme/Kristina Kast)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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