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„Eine Stadt ist keine Stadt ohne eine Buchhandlung“

Ein Highlight in der Arte Mediathek: „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet ist noch bis zum 5. Dezember verfügbar

Eine Reise ins England der 1950er-Jahre: „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet, Filmplakat

Literatur-Verfilmungen sind eine Sache für sich. Mein Sohn schimpft immer noch über die „katastrophale“ Umsetzung von Rick Riordans „Percy Jackson – Diebe im Olymp“. Und nicht wenige Potterheads bedauern, dass etliche Szenen der gefeierten Fantasy-Reihe für die insgesamt acht strammen Verfilmungen ausgespart wurden. Und fangen wir lieber nicht mit Tolkiens „Herr der Ringe“ an. An die Bücher kommt nichts ran, auch wenn ich mir die Trilogie einmal im Jahr tatsächlich anschaue. Schon alleine für die epische Szene, in der Gondor mittels der Leuchtfeuer um Hilfe ruft. Aber es gibt eben auch jene Glücksfälle, in denen die Verfilmung das Buch gnadenlos übertrumpft. Ein wunderbares Beispiel ist dafür „Mathilda“ von Roald Dahl. Das Buch ist wunderbar, liebenswert und regt die Fantasie an. Aber die Verfilmung mit Mara Wilson in der Hauptrolle ist ein irrer Spaß für die ganze Familie und hat keine einzige Schwachstelle.

So ähnlich verhält es sich auch mit dem Roman „Die Buchhandlung“ von Penelope Fitzgerald und der dazugehörigen Verfilmung „Der Buchladen der Florence Green“ von Isabel Coixet. Während die Romanvorlage bei Fitzgeralds Fans nicht unbedingt punkten konnte, tat und tut es die Verfilmung umso mehr. Für diese gab es insgesamt drei Goya-Preise und auf der Frankfurter Buchmesse den Preis für die beste internationale Buch-Verfilmung. Das liegt einerseits natürlich an der brillanten Umsetzung der spanischen Regisseurin, aber auch allemal an der fantastischen Besetzung.

Florence Green (Emily Mortimer) ist eine junge Witwe in den Dreißigern. Alleine lebt sie in dem kleinen englischen Dorf Hardborough und träumt davon, in einem alten Haus, das auch noch „Old House“ genannt wird, eine eigene Buchhandlung zu eröffnen. Wir schreiben allerdings das Jahr 1959 und für das Jahrzehnte später entstandene Zitat von Autor Neil Gaiman, dass eine Stadt keine Stadt ohne eine Buchhandlung sei, interessiert sich natürlich noch niemand. Mit ihrem Vorhaben ist Florence vielen ein Dorn im Auge, allen voran Violet Gamart (Patricia Clarkson), die mit dem Old House ganz eigene Pläne verfolgt und deshlab diejenigen von Florence dringend verhindern möchte. Rückendeckung bekommt die junge Witwe allerdings von dem eigensinnigen Einsiedler Edmund Brundish (Billy Nighy), der sich normalerweise in seinem Haus mit allerhand Büchern verschanzt. Als ausgewiesener Buch-Liebhaber ist er von Florence und ihrer Idee mehr als begeistert und sichert ihr jede Unterstützung zu. Dass sich die aristokratische Violet davon weniger beeindrucken lässt, dürfte klar sein.

„Der Buchladen der Florence Green“ bringt uns ganz weit weg und das ist richtig gut so. Für rund 100 Minuten vergessen wir die Pandemie, die Existenzängste, die eventuelle Einsamkeit. Für diese rund 100 Minuten sitzen wir mit Florence und Edmund im Jahr 1959 in diesem kleinen Dorf gemeinsam an einem Tisch und überlegen, wie wir unsere Idee mit der Buchhandlung umsetzen können. Und als kleine Kirsche auf dem ohnehin üppigen Eisbecher kommt noch, dass ihr dafür weder Prime, noch Sky oder Netflix braucht, sondern lediglich einen Internet-Anschluss. Denn die Arte Mediathek ist nicht nur eine wahre Fundgrube, sondern zudem auch noch gratis verfügbar. Also ab aufs Sofa mit Euch heute Abend! Genießt den englischen Flair mit Florence, Edmund und Violet.

Samstag, 14. November 2020:
„Der Buchladen der Florence Green“, Spielfilm von Isabel Coixet, E/GB/D 2017, 105 min., zu sehen in der Arte Mediathek [1]

(Foto: Filmplakat)

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