Susanne Viktoria Haupt
12. November 2020

Screentime mit Mehrwert

Wenn schon Soziale Medien, dann auch richtig: Sechs Schriftsteller*innen, denen Ihr online folgen solltet

Dass sie Bücher schreiben können, haben sie bereits bewiesen. Aber auch in den Sozialen Medien sind manche Schriftsteller*innen echte Stars

Literatur ist genau wie Kunst, Musik und Schauspiel ein Reflektor unserer Gegenwart. Nicht selten stammen die kritischsten oder inspirierendsten Stimmen daher auch aus dem künstlerischen Milieu. Gerade unter Schriftsteller*innen wird man schnell fündig, schließlich dreht sich hier ohnehin alles um die Sprache und den Umgang mit Worten. Ganz gleich, ob glasklar auf den Punkt gebracht oder aber hypotaktisch verhakt, aber dennoch voller Poesie – wir alle lieben gute Zitate, ein paar Weisheiten und vor allem auch den Blick hinter die Kulissen. Deswegen empfehlen wir hier sechs spannende Social Media-Accounts von Schriftsteller*innen, die Spaß machen, inspirieren, zum Lachen bringen oder einfach das Folgen wert sind, weil die Romane so irre gut sind.

Den Auftakt macht Angie Thomas, die hierzulande vor allem durch ihren Bestseller „The Hate You Give“ bekannt wurde. Abgeräumt hat sie damit beispielsweise den Deutschen Jugendliteraturpreis. Ihr Debüt ist erschreckend nahe an der Realität, und das alles haben wir in unserer Kolumne bereits ausführlich besprochen. Thomas ist sowohl auf Twitter, wie auch auf Instagram regelmäßig unterwegs. Dabei gewährt sie nicht nur Einblicke in den künstlerischen Schaffensprozess, sondern macht sich vor allem stark für die Rechte von BPOC. Nach ihrem zweiten Roman „One The Come Up“ steht nun mit „Concrete Rose“ ein Prequel zu „The Hate U Give“ in den Startlöchern. Wir müssen uns aber noch mindestens bis Januar 2021 gedulden, dann erscheint es zumindest auf Englisch. Bis dahin könnt Ihr Thomas einfach folgen und Euch von ihrer wortgewaltigen Power und Haltung inspirieren lassen.

Zweite Empfehlung ist der vietnamesische, in Amerika lebende Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Lyriker Ocean Vuong. Sein zartes, aber dennoch eindringliches Debüt „Auf Erden sind wir kurz grandios“ wurde selbstverständlich ebenfalls schon von uns rezensiert. Vuong ist zwar nicht auf Twitter unterwegs, dafür aber umso präsenter auf seinem Instagram-Kanal. Hier präsentiert er – neben allerhand gelungener Aufnahmen von sich selbst und seiner Umgebung – vor allem auch entzückende Landschaftsaufnahmen und intensive Q&A-Runden. Seine feinfühlige Art spürt man tatsächlich in jedem Post, und nur zu gerne nimmt er sich ausgiebig Zeit für seine Fan-Gemeinde. Ein dankbarer Account, der die Zeit bis zu Vuongs nächstem poetischen Streich definitiv gelungen verkürzt.

Brit Bennett ist eine meiner persönlichen Neuentdeckungen. Empfohlen von der wunderbaren Yanique von „My parisian life“, war ich sofort hin und weg von ihrem Debüt „Die Mütter“. Wirklich viel mehr werde ich an dieser Stelle nicht verraten, da ich Euch sowohl ihr Debüt wie auch ihren neuesten Roman „Die verschwindende Hälfte“ noch in diesem Jahr näher bringen werde. Bennett kann schreiben und zwar wahnsinnig gut. Im Blick hat sie dabei zum einen die BPOC-Community, aber auch schlicht und ergreifend das ganz normale menschliche Dasein mit seinen Höhen und Tiefen. Bennett gilt als literarischer Shooting Star, als moderne Toni Morrison und präsentiert sich dennoch auf ihrem Instagram-Kanal sehr bodenständig. Große Freude bereiten ihr übrigens Fan-Fotos, die ihre Romane in ihrem neuen Zuhause zeigen. Wer spätestens nach meinen kommenden Rezensionen dieses Jahr ihre zwei Romane fix durchliest, der darf aufatmen. Auch Brit Bennett sitzt bereits an einem dritten und der wird uns sicherlich ebenso umhauen.

Stephen King schließlich ist der Mann, der einfach nicht anders kann und sogar von Donald Trump auf Twitter blockiert wurde. Nun gut, Letzteres ist wahrlich keine Meisterleistung, denn der manische, dann bald Ex-US-Präsident blockiert gerne kritische Stimmen auf dem Kurznachrichtendienst. So eben auch geschehen mit Stephen King, dem Meister des Horrors. King hat einfach den passenden Nachnamen, denn kaum ein Schriftsteller ist so wahnsinnig produktiv wie er und gibt sich dennoch so aufgeschlossen. Jede heiße neue Serie wird von ihm offensichtlich so schnell wie möglich durchgeschaut, jeder neue spannende Roman angelesen. Mit Lob geizt er bei Leibe überhaupt nicht und das macht ihn wahrlich noch sympathischer. Auf seinem Twitter-Account hat King bereits 6,2 Millionen Follower und teilt vor allem gerne gegen republikanische und/oder populistische Politik aus. Hier findet Ihr jede Menge Mehrwert, neue Inspiration für Bücher, Filme und Serien und auch geistreiche Momente zum Lachen. King eben, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die amerikanische Autorin Nadja Spiegelman dürfte vor allem in Hannover durchaus bekannt sein. Denn hier läuft – jenseits des Lockdowns – nämlich das gleichnamige Stück zu ihrem Debüt „Was nie geschehen ist“. Neulich erst stand mein Sohn vor unserem Bücherregal und fragte: „Hat sie etwas mit Art Spiegelman zu tun?“. Ja, ganz richtig, Nadja Spiegelman ist die Tochter des Cartoonisten und Comic-Autoren Art Spiegelman und Françoise Mouly, Art Director beim The New Yorker. Deswegen muss sich Nadja Spiegelman aber keinesfalls verstecken, denn ihr autobiographischer Roman „Was nie geschehen ist“ hat uns zumindest mit der geballten weiblichen Power voll und ganz überzeugt. Auf ihrem Instagram-Kanal lässt sich neben Writer’s Routine und persönlichen Schnappschüssen auch noch wunderbarer Cat Content finden. Und alles so herrlich natürlich, als ob ihr Debüt keine riesigen Wellen geschlagen hätte. Wer zusätzlich noch ein bisschen Haltung einfahren möchte, der schaut einfach auf ihrem Twitter-Account vorbei.

Zu guter Letzt kommt hier noch etwas für die Abenteuerlustigen. Jon Krakauer hat in seinem Leben bereits einige Gipfel gestürmt. Für die breite Masse ist aber sein wichtigster Erfolg wohl die Verfilmung seines Romans „Into the Wild“, zu dem Pearl Jam-Frontmann Eddie Vedder einer der besten Film-Soundtracks aller Zeiten beigesteuert hat. Ihr vermisst im Winter den richtigen Schnee? Dann schaut Euch einfach den Film an. Den Kugelschreiber hat Krakauer aber schon vor ein paar Jahren zur Seite gelegt. Ob das für immer sein wird, ist unklar. Viel unterwegs ist er aber dennoch und das dokumentiert er prächtig auf seinem alpinen Instagram-Account, der mit dem treffenden Namen „Krakauernotwriting“ auch direkt klarmacht, dass es sich hier nahezu ausschließlich um seine Leidenschaft für das Bergsteigen dreht. Macht aber nichts, denn für diese Landschaftsaufnahmen lohnt sich Instagram allemal.

Angie Thomas auf Twitter
Angie Thomas auf Instagram

Ocean Vuong auf Instagram

Brit Bennett auf Instagram

Stephen King auf Twitter

Nadja Spiegelman auf Instagram
Nadja Spiegelman auf Twitter

Jon Krakauer auf Instagram

Donnerstag, 12. November 2020:
Sechs Schriftsteller*innen, denen ihr online folgen solltet, Eintritt frei

(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Literatur, Medien, Tagestipps

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