Susanne Viktoria Haupt
15. November 2020

Art is not cancelled

Museum zu? Kunst lässt sich nicht stoppen! Auch im Internet lassen sich wahnsinnig spannende und inspirierende Künstler*innen finden. Sechs von ihnen stellen wir heute vor

Mit „Cozy Days. The Art of Iraville“ von Ira Sluyterman van Langeweyde können wir uns kuschelige Illustrationen direkt nach Hause holen

Der Lockdown macht es uns schwer, Kunst und Kultur wie gewohnt in vollem Maße zu genießen. Einige neue Ausstellungen mussten nach hinten verschoben werden, andere wiederum werden uns zumindest online schmackhaft gemacht. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir nicht nach neuen Künstler*innen Ausschau halten dürfen, zum Beispiel eben online. Als kleine Orientierungshilfe haben wir bereits ein paar versammelt, in die ihr Euch ruckzuck verlieben könnt.

Cartoons der Stunde von Gemma Carroll

Allen voran stellen wir heute die Comic-Künstlerin und Illustratorin Gemma Carroll vor. Gerade jetzt, wo es hier und da einfach weniger zu lachen gibt und man vor allem auf seine seelische Gesundheit achten sollte, ist Carroll genau die richtige Künstlerin. Die Britin hat in Norwich Grafik Design studiert und widmet sich innerhalb ihrer minimalistischen Cartoons vor allem den Themen Haustiere (Hunde und Katzen), Angststörungen, sozialen Phobien, Depressionen und Feminismus. Carroll ist weder auf den Stift, noch auf den Mund gefallen und gibt ihren Kritiker*innen nur zu gerne Konter. Häufig wird ihr nämlich ein infantiler Stil unterstellt, der angeblich nichts mit „richtiger Kunst“ zu tun hätte. Carroll selbst sagte dazu, dass sie schließlich auch einen fünfjährigen Jungen namens Alen engagiert hat, der ihre Arbeiten erledigt. Und eigentlich sei Illustratorin natürlich auch kein richtiger Job, sie führe normalerweise einen Schmuggelring und verdiene so ihr Geld. Bücher hat sie übrigens bereits einige veröffentlicht, zum Beispiel „Der unverzichtbare Mops-Knigge“, „Kein Morgen ohne Sorgen. Handbuch für Verzweifelte“ und das „Feminist Activity Book“. Am besten besucht ihr sie, wie alle hier heute vorgestellten Künstler*innen, auf ihrem Instragam-Account.

Impressionismus aus Portland von Deborah Eve Alastra

Die zweite Künstlerin, die wir Euch heute vorstellen wollen, kommt aus dem malerischen Portland und heißt Deborah Eve Alastra. Entdeckt habe ich sie durch die Empfehlungen des Kritiker-Pärchens Roberta Smith und Jerry Saltz und ich bereue keine Minute der Beschäftigung mit ihr. Mittlerweile habe ich sogar selbst zwei ihrer Kunstdrucke an der Wand hängen. Alastra hat vor einigen Jahren ihren Schulabschluss in England gemacht und reiste anschließend für satte drei Jahre alleine durch Europa. Hängen geblieben ist sie dabei vor allen in Paris – und hey, wer kann es ihr verübeln? Ihr Œuvre zeigt uns deswegen häufiger Einblicke in die Straßen von Paris oder aber die von London. Sanfte Farben und eine eigenwillige Perspektive zeichnen ihre Werke aus und bringen romantische Lebendigkeit in die eigenen vier Wände. Gerade jetzt (noch) unter Trump und in Zeiten der Pandemie ist das Malen für Alastra ein Rückzugsort und Balsam für die Seele. Tut Euch also selbst den Gefallen und holt Euch auf ihrem Instagram-Account ein wenig Balsam ab.

Gemütlichkeit aus Iraville

Ira Sluyterman van Langeweyde ist eine in München lebende Illustratorin und wird Euch sicherlich nicht nur mit ihren Werken begeistern, sondern auch dazu anstiften, selbst einen Pinsel zur Hand zu nehmen. Ira bietet auf ihrem YouTube-Kanal konkrete Einblicke in ihr künstlerisches Schaffen. Ihre Illustrationen zeichnen sich vor allem durch erdige Farben und eine angenehme Ruhe aus. Ihre Figuren lassen hier und da sogar einen Hauch Manga-Style erkennen. Ein Blick in ihr Portfolio und man fragt sich direkt, warum sie nicht schon zig Kinderbücher illustriert hat. Aber auch, wenn Ira noch nicht allzu präsent ist auf dem Buchmarkt, hat sie bereits mit „Cozy Days“ ein eigenes Buch über ihre Kunst herausgebracht und verkauft fleißig auf Etsy. Ihren verträumten Instagram-Kanal möchten wir Euch aber auch nicht vorenthalten.

Nackt ist nicht gleich Akt bei Maud Chalard

Die Französin Maud Chalard ist hingegen ist sowohl Fashion- wie auch People-Fotografin und setzt vornehmlich auf das Motiv der Freiheit. Das bedeutet zum einen viel nackte Haut, aber auch traumhafte Kulissen, wie zum Beispiel kanadische Wälder oder amerikanische Steppe. In den Sozialen Medien hat sie häufig das Problem, dass sie ihre freizügigen Fotografien zensieren muss, da ein weiblicher Nippel scheinbar immer noch skandalöser ist als ein männlicher. Das raubt ihren Werken allerdings keinesfalls die Sanftheit, den romantischen Blickwinkel und das faszinierende Gefühl von Freiheit. Chalard selbst hat nicht nur in Paris studiert, sondern lebt auch immer noch in der französischen Hauptstadt. Von dort aus bereits sie zu gerne die ganze Welt und arbeitet mit Profi- und Amateur-Models zusammen. Großen kommerziellen Erfolg feiert sie vor allem mit ihren Fashion-Strecken für das Label The Kooples. Das Besondere an Maud Chalard: Sie fotografiert ausschließlich analog- und ja, das merkt man. Ihr Instagram-Kanal lässt Euch den Alltag sicherlich für einige Minuten vergessen.

Mode-Illustration als bezaubernde Kunst von Kera Till

Unsere nächste Künstlerin kommt wieder aus Deutschland und ist ebenfalls in München verortet. Kera Till ist nicht nur eine feste Größe der Münchner Kunst-Szene, sondern arbeitet vor allem für die ganz großen Marken als Mode-Illustratorin, wie zum Beispiel Chanel, Vogue, Cartier, Hèrmes, Ladurée und Faber-Castell. Ihr feiner und minimalistischer Strich vermittelt Eleganz, Anmut und Luxus pur. Irgendwie durch und durch französisch, nur eben in München. Und Kera ist nicht einfach eine Wahl-Münchnerin, sondern stammt aus der Till-Familie, die dank ihrer zahlreichen kreativen Talente auf keinem Event in der bayerischen Landeshauptstadt fehlen darf. In einem Interview mit der Vogue gibt sich Till ganz nahbar und berichtet davon, dass sie vor allem ihrer ausgeprägten Sammelleidenschaft erliegt und haufenweise Notizbücher, unbenutztes Briefpapier und ähnliches beherbergt. In erster Linie sind ihre zarten Mode-Illustrationen aber eine gekonnte Reminiszenz an eine Zeit, in der genau diese Sparte die Brücke zwischen Mode und Kunst noch viel ausgeprägter geschlagen hat, als sie es heute tut. Bezaubern lassen könnt Ihr Euch von ihr auf Instagram und auf ihrer wirklich gut bestückten Website.

Südfrankreich-Vibes von Inès Longevial

Für unsere letzte Künstlerin reisen wir noch einmal nach Paris. Inès Longevial ist eine französische Malerin, die mich erst kurzlich, aber dafür vollständig in ihren Bann gezogen hat. Geboren und aufgewachsen im Südwesten Frankreichs, ist sie bereits mit 23 Jahren nach Paris gezogen und nun, mit gerade einmal 30 Jahren, ein Stern am Pariser Kunst-Himmel. Unterstützung bekommt sie beispielsweise von Nachbarin und Mode-Ikone Jeanne Damas. Longevials Werke bestechen durch ihre zarten Töne und die intimen Nahaufnahmen von Gesicht und/oder menschlichen Körpern, die wie in Licht und Schatten getaucht wirken. Dieses Wechselspiel verleiht ihrer Kunst eine ganz eigene und unverkennbare Note. Auf Instagram bietet sie ihren Follower*innen gerne Einblick in ihre Arbeitsprozesse und holt mit den warmen Nuancen den Geist Südfrankreichs auch bis nach Norddeutschland. So fühlt sich ein „Lockdown Light“ doch für einen Moment deutlich erträglicher an, oder nicht?

Gemma Correll auf Instagram

Deborah Eve Alastra auf Instagram

Iraville auf Instagram

Maud Chalard auf Instagram

Kera Till auf Instagram

Inès Longevial auf Instagram

Sonntag, 15. November 2020:
Sechs Künstlerinnen, in die man sich online ganz schnell verlieben kann, Eintritt frei

(Foto: Buchcover/Iraville)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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