Cosma Jo Gagelmann
21. Dezember 2020

Hannover in allen Facetten

Seitenansicht: „Hannover. Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen“

Hannover. Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen

Hannover ist eine schöne Stadt. Doch sie wird noch schöner, wenn wir sie mit unseren Lieblingsmenschen (neu) entdecken

Gerade in der Corona-Krise, bei der man nur mit einem weiteren Haushalt Kontakt haben soll, entscheiden sich viele Menschen dazu, ihre Zeit nur noch mit ihren Lieblingsmenschen – sei es ein*e Freund*in oder ein*e Partner*in oder auch ein Familienmitglied – zu verbringen. Man kann diese Zeit dann auch ganz gut nutzen, um diese bestimmte Person von einer ganz neuen Seite kennenzulernen. So muss man sich im Lockdown auch nicht langweilen, wird nicht traurig und ist nicht einsam. Natürlich fallen ein paar Ideen oder Ziele weg, aber es bereitet trotzdem Freude, für die Zeit nach dem Lockdown Pläne zu schmieden.

Janina Schmiedel hat für diese Zeit das richtige Buch geschrieben. In ihrem Hannover-Reiseführer „Hannover. Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen“ stellt sie 85 Orte vor, manche mehr und manche weniger bekannt. Dafür hat sie sechs Kapitel geschrieben. Das Buch startet mit einem Vorwort der Autorin. Danach findet man ein Zitat von Kurt Schwitters: „Der Unterschied zwischen Hannover und Anna Blume ist, dass man Anna von hinten und von vorne lesen kann, Hannover dagegen am besten nur von vorne“. Bevor es mit den vielen Orten losgeht, gibt es nochmal einen Tipp der Autorin, sich vor dem Lesen mit seinem Lieblingsmenschen intensiv auszutauschen, was der andere eigentlich für Lieblingsorte in Hannover hat. In jedem Kapitel sind außerdem kleine Tipps vorhanden, die das Erlebnis noch verbessern.

Das erste Kapitel heißt: „Gemeinsam aktiv sein“. Vom Mittellandkanal über den Abenteuerspielplatz Wakitu in Hannovers Stadtwald Eilenriede bis hin zum Wiesendachhaus in Laatzen gibt es vielfältige Orte, die selbst Hannoveraner*innen noch nicht kennen. Im zweiten Kapitel „Arm in Arm die Stadt erkunden“ geht es schon um bekanntere Stationen in Hannover, wie die Ballonfahrten über der Stadt, die Bockwindmühle in Kleefeld, die Geisterstation unterm Hauptbahnhof oder den Stadtpark Hannover. Auch hannoversche Läden werden benannt, beispielsweise der Loseladen, kurz LoLa. Das dritte Kapitel „In der Natur entspannen“ führt durch die vielen Grünflächen der niedersächsischen Landeshauptstadt.  Der Wietzepark, der Kronsberg, nach dem ein ganzer Stadtteil benannt ist, asiatisches Feeling im Berggarten in Herrenhausen oder der Vahrenwalder Park: Hannover hat viele schöne naturbelassene Flächen, die alle sehr einladend sind.

Im vierten Kapitel namens „Zusammen kreativ werden“ bekommt man Kultur-Tipps, vom Betrachten der berühmten Nanas am Leibnizufer über das Krimi-Dinner im altem Rathaus und den Poetry Slam in der Oper bis hin zum hannoverschen Freundschaftshain. Das Hannover auch viel leckeres Essen zu bieten hat, beweist das fünfte Kapitel namens „Köstlichkeiten teilen“. Man schmeckt förmlich die weltbekannten Leibniz-Kekse der Firma Bahlsen und das Angebot des großen Erdbeerhofes in Gleidingen oder auch die außergewöhnlichen Kakao-Sorten und Klassiker in der Holländischen Kakao-Stube. Es gibt viele Möglichkeiten, Hannover zu schmecken. Im sechsten und letzten Kapitel „Seite an Seite Kultur erleben“ merkt man, dass Hannover zwar nicht die Kulturhauptstadt 2025 wird, aber doch ein Kultur-Standort ist. Man kann Musik im Musikzentrum hören, Kunst in einem der vielen Museen bewundern, das kleine Fest im Großen Garten besuchen, die historische Altstadt entlang spazieren, ins Kino gehen, eine Lesung besuchen oder ein Kulturzentrum. Die meisten dieser Ziele sind für Familien geeignet. Außerdem hat die Autorin die Orte auch immer aus der Perspektive eines Kindes betrachtet und gibt auch hierzu Hinweise.

Doch das ist noch lange nicht alles, was dieser hannoversche Reiseführer zu bieten hat. In jedem Kapitel sind Tipps eingearbeitet, also Zusatz-Informationen zur Landeshauptstadt. So gibt es Tipps zu Fortbewegungsmitteln wie dem Fahrrad oder dem Bus- und Bahn-Verkehr, und es wird geraten, mal einen Tag in Linden-Nord zu verbringen. Wie man Freizeit-Feeling auch im Alltag erfährt und wie gut man den eigenen Stadtteil kennt, kann man mit einer „Stadtteil-Challenge“ beweisen. Auch unbewusste Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise Grafitti-Wände, finden ihren Platz bei den Tipps. Wie man in Hannover Lebensmittel rettet oder grün tankt, erfährt man auch. Auf dem täglichen Weg zu Arbeit lohnt es sich, die U-Bahn-Stationen genauer anzugucken, da viele kunstvoll gestaltet sind. Die eigene Sichtweise komplett zu wechseln und als Tourist*in in der eigenen Stadt zu sein, sich Informationen direkt aus der Touristen-Information zu holen, könnte ebenfalls ein interessanter Ansatz sein.

Als Bonus hat die Autorin extra eine Hannover-Playlist zusammengestellt, die man beim Erkunden der Stadt hören kann. Bei Hunger kann man sich das „einfachste Brot der Welt“ backen, das Rezept gibt es dazu. Digitalisiert werden können vor allem die hannoverschen Bäume, die auch einen eigenen Hashtag auf Instagram haben. Zwar gibt es dort nur ein paar wenige Bilder, aber das lässt sich ja durch einen ausgiebigen Spaziergang ändern. Zwischendurch erinnert die Autorin auch daran, wie wichtig es ist, sich im Leben Platz für „Quality-Time“ zu schaffen. Die kann man beispielweise nutzen, um sich mit der Merz-Zeit in Hannover auseinanderzusetzen. Am Freitag ist hierfür die beste Gelegenheit, da viele Museen in Hannover freien Eintritt anbieten. Wer Hannover von Zuhause aus besser kennenlernen will, kann sich die Reihe „Hannover unerhört“ anhören, in denen verschiedene Hannover*innen in sieben Teilen das Lebensgefühl der Stadt näherbringen. Oder man hört sich online Radio Flora an. Will man Hannover mal anders sehen, kann  man die Stadt auch online durch eine der vielen Webcams betrachten, die es gibt. Ist man draußen, findet man eigentlich an jedem Ort Straßenkunst, die man bewundern kann.

Mein Fazit: Janina Schmiedel gibt ihrer Leserschaft vielfältige Ideen, um Hannover besser kennenzulernen, was eine passende Ergänzung zur Entdeckung der bekannten touristischen Ziele ist. Deshalb kann man das Buch auch im Lockdown sehr gut lesen, auch wenn einige Ausflugsziele noch warten müssen. Egal, ob man Hannover schon kennt oder nicht, man lernt auf jeden Fall etwas dazu. Passend dazu endet das Buch mit dem bekannten Zitat von Arno Schmidt: „Und was heißt schon New York? Großstadt ist Großstadt; ich war oft genug in Hannover“.

Janina Schmiedel: „Hannover. Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen“, 240 Seiten, Emos Verlag, ISBN-13: 978-3-7408-0945-4, 16 Euro

(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Literatur, Lokalitäten

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