Susanne Viktoria Haupt
1. Februar 2021

Wenn es innen dunkel wird

Benjamin Maack hat mit „Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ das Narrativ der Depression verändert. Diese Woche war er im Literaturhaus Hannover zu Gast

Kennt die dunklen Seiten nur zu gut: Autor Benjamin Maack im Literaturhaus Hannover

Neben all den Beschränkungen, wirtschaftlichen Nöten und querdenkenden Querulanten, liegt der Fokus während der derzeitigen Pandemie zunehmend auch auf der seelischen Gesundheit der Menschen. Die sogenannte Volkskrankheit Depression ist durch Isolation und zunehmende Existenzängste wieder auf dem Vormarsch. Aufklärung findet allerdings immer noch viel zu selten statt. Dadurch werden häufig handfeste Depressionen gar nicht oder zu spät erkannt. Therapie-Angebote sind leider selten flächendeckend gegeben, und im Gegensatz zu jenen, die eine durchschnittliche Stressreaktion bereits eigenhändig als Burnout diagnostizieren, ist es für Menschen mit Depressionen eine große Herausforderung, Hilfe aufzusuchen. Hut ab daher für all jene, die diesen Weg beschritten haben, oder aber beschreiten werden. Der Journalist und Autor Benjamin Maack kennt sich mit dem Krankheitsfeld der Depression leider bestens aus, und das war auch schon vor der Pandemie so. Bereits zweimal wurde er selbst schon von dieser Dunkelheit verschlungen, und zweimal hat er sich mit viel Kraft, Unterstützung und allerhand medizinischer Hilfe wieder aus dem Schatten gezogen. Andere an seinem Weg, aber vor allem auch an den Empfindungen und Sichtweisen eines an Depressionen erkrankten Menschen teilhaben zu lassen, war ihm dabei im Nachhinein besonders wichtig.

Während seines zweiten Klinik-Aufenthaltes hat Banjamin Maack daher das Tagebuch „Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ verfasst. Anders als andere Autor*innen vor ihm hat Maack also nicht erst nach der Genesung seine Eindrücke niedergeschrieben, sondern noch im vollen Bewusstsein und in Anwesenheit der Krankheit seinen Weg literarisch gespiegelt. Das ist in der Tat selten, wobei die moderne Literaturwissenschaft sich ohnehin erst seit kürzester Zeit mit dem Narrativ der Depression auseinandersetzt. Maack zeigt auf jeden Fall, wie dunkel es für ihn tatsächlich in dieser Zeit war, wie beschwerlich der Weg war, aber auch, dass er genau diesen herausgefunden hat. Am vergangenen Montag hat er sich im Literaturhaus mit Kai Kahl, dem Leiter der Psychiatrie der MHH, zu einem Gespräch getroffen. Kahl selbst legt derzeit seinen Fokus selber auf die Eruierung der Auswirkungen der Pandemie auf die seelische Gesundheit. Frisch aufgezeichnet und für den Heimgenuss auf dem hauseigenen Kanal hochgeladen, kann das Gespräch zwischen Benjamin Maack und Kai Kahl nun auch vom Sofa aus verfolgt werden.

Montag, 1. Februar 2021:
„Bin ich jetzt ein Leben müde?“, Online-Stream, Benjamin Maack und Kai Kahl im Gespräch, Beginn: jederzeit möglich, Eintritt frei, das Video ist noch bis zum 11. Februar verfügbar

(Foto: Pressefoto/Literaturhaus Hannover/Heike Steinweg)

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Kategorien: Literatur, Menschen, Tagestipps

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