Sebastian Albrecht
4. Oktober 2010

Kids in America

Seitenansicht: „Rost“ von Philipp Meyer

Philipp Meyer, “Rost”, Buchcover

Philipp Meyer: „Rost“, Roman, 464 Seiten, Klett-Cotta, ISBN-13: 978-3608938937, 22,95 Euro

Mit „Rost“ hat Philipp Meyer einen Roman geschrieben, der sich mit dem amerikanischen Thema schlechthin auseinandersetzt: dem American Way of Life. In Buell, einem kleinen Kaff in Pennsylvania, das einmal eine Hochburg der Stahlproduktion war, kümmert sich Isaac English alleine um seinen kranken, grantigen Vater. Seine Mutter hat sich das Leben genommen, Schwester Lee studiert in Yale und ist verheiratet. Außerdem ist da noch Isaacs Freund Billy Poe, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt. Aus dieser Tristesse will sich Isaac ganz im Stile Jack Kerouacs nach Kalifornien aufmachen, doch ehe es richtig losgeht, begeht er einen Mord, um Billy Poe zu retten. Schließlich wird Poe an Isaacs Stelle verhaftet, als der schon wieder unterwegs ist.

„Rost“ wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und besticht durch die hohe Selbstreflexion der Figuren. So zieht Meyer den Leser immer stärker in das Innenleben eines Landes, das nichts mehr mit dem Idealbild des schillernden amerikanischen Traums zu tun hat, sondern eher dem „klimatisierten Alptraum“ Henry Millers gleicht. Meyer ist mit „Rost“ ein bitteres und kritisches Werk gelungen, dem man auch sein etwas abruptes Ende verzeihen kann. In den USA bereits ausgiebig gefeiert, verspricht Meyers Debüt in der Tat so viel Talent, dass sich der Autor auf Dauer einen Platz neben den großen amerikanischen Erzählern sichern könnte.

„Seitenansicht – die Kritik zum Einstecken“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius, wo sie als Postkarte erhältlich ist.

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Kategorien: Literatur

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