Susanne Viktoria Haupt
18. Oktober 2010

Mehr Gast als Geisel

Seitenansicht: „Ein Chinese auf dem Fahrrad“ von Ariel Magnus

Ariel Magnus: “Ein Chinese auf dem Fahrrad”, Buchcover

Ariel Magnus: „Ein Chinese auf dem Fahrrad“, Roman, 256 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, ISBN-13: 978-3462041958, 17,95 Euro

Alles beginnt mit einem Mann auf dem Fahrrad, der Fosforito (Streichholz) genannt wird, da er in Buenos Aires mutwillig Feuer legt. Ramiro ist Zeuge bei einer Gerichtsverhandlung und soll gegen den vermeintlichen Täter Li aussagen. Als er diesem auf der Toilette begegnet, wird er von Li kurzerhand entführt und in das chinesische Viertel von Buenos Aires verschleppt. Anders als der wahre Brandstifter kann Li gar kein Fahrrad fahren und ein professioneller Geiselnehmer ist er auch nicht. In der Folge lässt sich Ramiro von der Gastfreundschaft und Kultur der Chinesen zu immer neuen Abenteuern beflügeln und in eine Welt voller Sprachgewandheit und Erotik locken. Zwischen dem chinesischen Figurenspiel Tangram, medizinischer Heilkunst, Traditionen wie dem Essen mit Stäbchen und kleinen Einkaufsläden entdeckt er die Liebe und Leidenschaft zur jungen Yintai.

Der argentinische Schriftsteller Ariel Magnus, selbst in Buenos Aires geboren, studierte in Heidelberg und Berlin und ist deutschen Leserinnen und Lesern unter anderem als taz-Autor bekannt. Magnus hat bis heute fünf Bücher veröffentlicht, von denen „Ein Chinese auf dem Fahrrad“ nun als erstes in deutscher Übersetzung vorliegt. Das unkonventionelle und rasante Roadmovie wandelt immer zwischen gelungenem Sprachwitz, Absurdität, Verwirrung und Naivität im Umgang mit eigener und fremder Kultur. Äußerst lesenswert.

„Seitenansicht – die Kritik zum Einstecken“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius, wo sie als Postkarte erhältlich ist.

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Kategorien: Literatur

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