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Überfordert von all den negativen Nachrichten und Entwicklungen des Jahres? langeleine.de probiert es für Euch mal mit einem positiven Jahresrückblick

Hinter jeder Wolke versteckt sich ein Sonnenschein? 2020 hat das positive Denken oft auf eine harte Probe gestellt

Ja, 2020 war für die meisten Menschen auf der ganzen Welt ein echt hartes Jahr. Und leider kann uns – trotz Impfstoff – gerade noch niemand garantieren, dass 2021 deutlich besser wird. Ich kann und will es auch nicht schönreden. Trotz allem versuchen wir heute einmal einen etwas anderen Jahresrückblick. langeleine.de präsentiert Euch fünf Nachrichten aus 2020, die einen wirklich guten Kern haben.

Tabubruch

Herzogin Meghan Markle und Model Chrissy Teigen sprachen in diesem Jahr offen über ihre Fehlgeburten und ihre damit einhergehenden Verluste. Nun werden sich vielleicht einige fragen, warum das eine gute Nachricht sein soll, aber Fehlgeburten, Totgeburten oder allgemein der Verlust ungeborener oder neugeborener Kinder ist weiterhin ein Tabu, das keines sein sollte. Deutlich merkte man es daran, dass nicht nur zahlreiche Journalist*innen, sondern auch die typischen Social Media-Trolle sich dazu hinreißen ließen, zu urteilen, dass diese Ereignisse doch bitte in den eigenen vier Wänden zu bleiben haben. Aber nein, das müssen sie überhaupt nicht. Es gibt natürlich Menschen, die einen Verlust einzig und allein im kleinen Kreise ihrer Liebsten bewältigen wollen, und das ist absolut in Ordnung. Andere wiederum müssen ihren Schmerz herausschreien. So oder so, der Leidensdruck für die Betroffenen ist nach einem solchen Verlust immens und oft mit vielen Schuldgefühlen verbunden. Dass es aber in rund 20 Prozent aller Schwangerschaften zu einer Fehlgeburt kommt, und die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen soll, ist wenig beruhigend, wenn nicht zumindest ein Bruchteil dieses Prozentsatzes ein Gesicht bekommt. Markle und Teigen haben dafür ihr Schweigen gebrochen und das war ein wichtiger und überfälliger Anstoß, der für viele andere einer Art Befreiungsschlag gleichkam.

Nachhaltigkeit weiter auf dem Vormarsch

Bewusst konsumieren in 2020? Hielten offenbar immer mehr Deutsche für notwendig. Denn gerade während der Pandemie griffen immer mehr Menschen zu Lebensmitteln aus biologischem Anbau. Rund 30 Prozent aller Konsument*innen setzten verstärkt auf Produkte aus den Bio-Regalen. Gleichzeitig lies sich zumindest in der Anfangszeit der Pandemie ein großer Ansturm auf die Wochenmärkte verzeichnen. Während man in Linden normalerweise Anfang April noch um 12 Uhr auf den Wochenmarkt schlendern und seinen Einkauf tätigen konnte, sah es in diesem Jahr wie leergefegt aus. Das ist gut, denn hier greift vor allem der lokale Bonus von Wochenmarkt-Ständen. Gleichermaßen essen die Menschen seit Beginn der Pandemie deutlich weniger Fleisch. Das mag natürlich unter anderem mit den fürchterlichen Corona-Ausbrüchen in den Schlachtbetrieben liegen, aber die Entwicklung ist selbstredend begrüßenswert. Gleichzeitig kam diesen Monat auch die Nachricht, dass Deutschland seinen Nachtzug-Verkehr wieder ausbauen will. Bio, fleischlos und auch noch nachhaltig reisen? Das sind doch mal positive Ansätze!

Alles ist möglich

Ihr glaubt manchmal nicht, dass Ihr etwas ganz bestimmtes schaffen könnt? Genau diese innere Blockade hat Triathlet Chris Nikic 2020 erfolgreich überwunden. In rund 17 Stunden ist er die vom Ironman-Wettbewerb geforderten vier Kilometer geschwommen, 180 Kilometer auf dem Rad gefahren und 42 Kilometer gelaufen. Wahnsinn, denn diese riesige Herausforderung schaffen wirklich nur ganz wenige. Aber warum ist das jetzt eine besonders gute Nachricht? Deshalb, weil Chris Nikic der erste Triathlet mit Downsyndrom ist, der dies geschafft hat. Erst mit vier Jahren konnte der heute 21-jährige Amerikaner ohne Gehhilfe laufen. Doch die Leidenschaft für den Sport ist tief in seiner Familie verwurzelt, und für Chris stand bereits früh fest, dass er sich durch Trisomie 21 nicht von seinen Träumen abbringen lassen wird. Sechs Mal die Woche wurde und wird daher trainiert. Das Erreichen der Ziellinie beim Ironman 2020 sind die wohlverdienten Früchte seiner Anstrengungen. Dafür bekam Nikic auch einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde. Ein Vorbild für die gesamte Community ist er natürlich auch und Nikic teilt daher seine Erfahrungen, aber auch sein positives Mindset als Motivationsredner. „Hut ab!“, sagen wir da und schneiden uns eine gehörige Scheibe von Chris Nikic ab.

Vom Unglück ins Glück

Selten litt der lokale Einzelhandel so sehr wie in diesem Jahr. Nachdem sich viele Geschäfte bereits über Jahre hinweg über eine starken Kundenrückgang dank Amazon und Co. beschwerten, wurde die Pandemie zum Overkill des Einzelhandels. Und das nicht nur zu der Zeit, in der die „nicht essenziellen“ Geschäfte geschlossen waren. Gerade für kleinere Läden, oder aber inhaber*innengeführte Geschäfte ist die aktuelle Situation ein harter Schlag. Als bibliophile Person liegt mir natürlich der stationäre Buchhandel sehr am Herzen – und zu sehen, wie diese Branche immer mehr ins Ungleichgewicht geriet, war wahrlich nicht schön. Aber es gab trotz all der Internet-Riesen auch ein paar wunderbare Entwicklungen in diesem Bereich in diesem Jahr. Die kleine britische Buchhandlung „Petersfield Bookshop“ stellte bereits am 14. Januar dieses Jahres, ganz unabhängig von Corona, fest, dass sie keine einzige Buchbestellung in 2020 zu verzeichnen hatte. Traurig, aber wahr! Dafür setzte sie einen Tweet ab, der keine größeren Wellen hätte schlagen können. Doch nicht nur, dass viele Menschen diesen Tweet sahen und daraufhin zum Telefon griffen, unter ihnen der britische Autor Neil Gaiman, der berührt war den Hilferuf aus Petersfield retweetete. Nicht ohne Folgen, denn anschließend konnte sich die kleine Buchhandlung nicht mehr vor Bestellungen retten und ist bisher einigermaßen sicher durch die Pandemie gekommen. Ein weiterer Hilferuf mit einer epischen Reaktionswelle kam im Herbst aus Paris. „Shakespeare & Company“, eine der berühmtesten Buchhandlungen der Welt, musste zeitweilig Umsatzeinbußen von 80 Prozent verschmerzen. Ein herber Schlag, denn alleine die Mieten in Paris sind natürlich kein Zuckerschlecken. Zudem sollte natürlich auch künftig das „Writers in Residence“-Programm sichergestellt werden. Aufgrund der weltweiten Solidaritätsbestellungen musste die Pariser Buchhandlung schließlich sogar ihren Online-Shop schließen, da sie die Flut beim besten Willen nicht mehr bewältigen konnten. Trotz Pandemie und zeitweiliger Schließung konnten sie auf diesem Wege am Ende des Jahres einen ähnlichen Umsatz wie im vergangenen Jahr verbuchen. Von dieser Art Support wünschen wir uns mehr für den Einzelhandel!

„I want to ride my bicycle“

Und zu guter Letzt noch eine positive Entwicklung für die Umwelt und den Menschen: Die Fahrrad-Branche boomte in 2020 wie nie zuvor. Neben den Klopapier-Firmen setzen die Menschen nun auch aufs sportliche Zweirrad und ließen Busse, Bahnen und Autos links liegen. Die Fahrrad-Branche als ein klarer Gewinner der Pandemie also. Wir können nur hoffen, dass diese Entwicklung auch weiterhin anhält und die kalten Temperaturen der Rad-Lust nicht die Luft rauslässt. Radfahren ist übrigens nicht nur gut für die Umwelt und die physische Gesundheit, die Bewegung kommt auch unseren Psychen zu Gute und treibt ein paar Extra-Glückshormone durch unsere Adern. Wenn ihr also neben den Trends „Bananenbrot backen“ und „Klopapier-Festung bauen“ noch Bock auf mehr habt, dann schwingt Euch aufs Rad.

So, ein paar positive Entwicklungen gab es also auch in 2020. Und eigentlich sogar noch viel mehr, aber allzu lang wollten wir den Rückblick dann doch nicht gestalten. Trotz allem bedanken wir uns auf diesem Wege bei jedem Menschen, der in diesem Jahr auf sich selbst und andere achtgegeben hat, anderen ein Lächeln geschenkt hat, trotz allem Stress freundlich war und niemanden für ein Stimmungstief verurteilt hat. Wir danken allen helfenden Händen in unterbezahlten und auslaugenden Risiko-Jobs und jenen, die trotz Pandemie andere Krisen wie Rassismus, Geflüchtete, Menschen allgemein in Not und das Klima nicht aus den Augen verloren haben. Aber ebenso viel Liebe und Verständnis an jene, die den Kopf für das große Ganze nicht mehr hatten. Wir können alle Lichtblicke sein und sicherlich habt Ihr auch das ein oder andere persönliche Erlebnis, das Euch selbst in diesem Jahr ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte.

Mittwoch, 30. Dezember 2020:
Nach positiven Ereignissen in diesem Jahr suchen, Teilnahme jederzeit möglich, Eintritt frei

(Foto: Susanne Viktoria Haupt)

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