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Ganz schön zeitgenössisch

Alle Jahre wieder, aber dieses Jahr mit einem besonderen Beigeschmack: „Dinner for One“ in der Regie von Heinz Dunkhase

Ein Klassiker: Freddy Frinton und May Warden begeistern seit 1963 jährlich mit ihrem Sketch „Dinner for One“ auch das deutsche Publikum

Seit ich denken kann, gibt es jedes Jahr zu Silvester den selben Hit: „Dinner for One“. Jedes Jahr verbringe ich am letzten Tag des Jahres 18 Minuten mit Butler James (Freddy Frinton), Miss Sophie (May Warden), Mr. Winterbottom, Sir Toby, Admiral von Schneider und Mr. Pommeroy. Und immer noch ist es ein Highlight, wenn James über das Tigerfell stolpert, die Hacken aneinanderschlägt, sich nur für Miss Sophie betrinkt und sie ihn am Ende mit hinauf in ihr Gemach nimmt. „Dinner for One“ ist nicht ohne Grund ein Evergreen und läuft jedes Jahr erneut pünktlich zu Silvester mehrfach im Fernsehen. Eigentlich eine Tradition, die wirklich etwas Schönes an sich hat.

Doch dieses Jahr erscheint einem „Dinner for One“ mit seinen zwei lustigen Protagonist*innen und den vier imaginären Freunden fast wie blanker Hohn und zeigt sich von einer ungeahnt zeitgenössischen Seite. Denn die große Silvester-Sause muss in diesem Jahr natürlich ausbleiben, auch wenn viele sicherlich gerade 2020 kollektiv verfluchen und den Abgang ordentlich feiern möchten. Denn trotz allem hat man schlussendlich die Hoffnung, dass mit einem Schlag nach Mitternacht die Welt wieder ein wenig rosiger aussieht. So, wie sich die treue Kutsche von Cinderella nach Mitternacht wieder in einen Kürbis zurück verwandelt hat, so soll es mit dem kommenden Jahreswechsel genau andersherum sein. Das Bedürfnis nach Normalität, und damit ist keine vermeintliche „neue Normalität“ gemeint, ist verständlich. Und auch, dass nicht zwingend alle neuen Beschränkungen auf Verständnis stoßen. Wir sind hier schließlich ein Kultur-Journal und leiden mit jeder abgesagten Veranstaltung und jeder neuen geschlossenen Institution mit.

Aber dieses Jahr muss Silvester einfach anders sein. Zum Wohle aller und für das eigene Wohl. Und auch, wenn es nur ein milder Trost ist, so ist es doch vielleicht gut zu wissen, dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen könnten und gemeinsam diese Krise beschreiten. Dass wir eben nun mal alle auf die große Sause verzichten und uns nur mit einem anderen Haushalt zusammentun. Und vielleicht lässt sich der ein oder andere Lieblingsmensch dank digitaler Möglichkeiten zumindest für ein Weilchen via Video-Call mit in die kleine Runde holen. Das ist nicht viel, aber zumindest sind wir im Gegensatz zu Mr. Winterbottom, Sir Toby, Admiral von Schneider und Mr. Pommeroy auch im Januar noch fit wie Turnschuhe und können uns auf ein luftiges Wiedersehen mit unseren weiteren Liebsten freuen. Ja, 2020 war und ist anders. Machen wir einfach mal das Beste draus.

Donnerstag, 31. Dezember 2020:
„Dinner for One“, Sketch von Heinz Dunkhase, D 1963, 18 min., Sendezeiten auf dem NDR: 15.45 Uhr, 17.10 Uhr, 19.40 Uhr und 23.35 Uhr

(Foto: DVD-Cover)

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