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Von Lobby-Boys, Familiendramen und verliebten Kids

Die Feiertage stecken Euch noch in den Knochen? Dann ist heute Erholung angesagt, zum Beispiel mit einem Wes Anderson-Triple

Perfekt für ein Triple: die drei Filme „The Royal Tenenbaums“, „Moonrise Kingdom“ und „Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson

Im vergangenen Herbst sollte eigentlich der lang ersehnte neue Film „The French Dispatch“ von Wes Anderson in die Kinos kommen und was haben wir uns da alle drauf gefreut. Doch die Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung des Kinostarts und bisher ist noch unklar, wie lange wir warten müssen, um unter anderem Timothée Chalamet, Bill Murray, Tilda Swinton und Frances McDormand gemeinsam auf der Leinwand zu sehen. Bis dahin können wir uns aber auf diversen Wegen älterer Anderson-Streifen ermächtigen. So lässt es sich auch am zweiten Tag des neuen Jahres gemütlich auf der Couch herumhängen. Das Schöne an den Filmen von Wes Anderson ist nämlich, dass sie uns so weit aus dem Hier und Jetzt herausziehen, uns mit so viel schrägen Humor konfrontieren und stets so grandios besetzt sind, dass es sich wie ein kleiner Kurzurlaub von der Realität anfühlt. Daher unser Vorschlag für ein Wes Anderson-Triple, das Ihr natürlich nach Gutdünken Euren persönlichen Präferenzen anpassen könnt.

Zunächst widmen wir uns der Familien-Tragikomödie „The Royal Tenenbaums“. Schon alleine deswegen, weil wir im vergangenen Jahr einfach auf familiäres Drama unter dem Tannenbaum verzichten mussten. Die Story: Das einstige Familien-Oberhaupt Royal Tenenbaum (Gene Hackman) kehrt, nachdem er seine Familie hat sitzen lassen, wieder in den heimischen Schoß zurück. Allerdings hat sich im Laufe seiner Abwesenheit das Blatt gewendet und aus seinen vorher erfolgreichen Kindern sind mittlerweile aus seiner Sicht gescheiterte Existenzen geworden. Adoptivtochter Margot (Gwyneth Paltrow) hat zudem über die Jahre hinweg amouröse Gefühle für ihren ältesten Bruder Richie (Luke Wilson) entwickelt, während der andere Sohn Chas (Ben Stiller) den Tod seiner Frau nicht verkraften kann und seine Kinder daher in Watte packt. Auch Royals Ex-Frau Etheline (Anjelica Huston) hat mit ihm schon lange abgeschlossen und ihr Leben neu ausgerichtet. Ganz oben auf der Wunschliste steht eine Hochzeit mit dem Steuerberater Henry (Danny Glover). Um die zerrüttete Familie wieder zu vereinen, erfindet Royal eine Krebserkrankung. Ob das funktioniert? Fraglich. Sicher ist aber, dass dieses Familiendrama nur so vor schwarzem Humor und fantastischen Momenten strotzt. „The Royal Tenenbaums“ sind zwar leider auf keiner Stream-Plattform, aber die DVD könnt Ihr dennoch leihen oder Euch direkt zulegen.

Zweiter Teil des Triples ist „Moonrise Kingdom“. Der Film ist Komödie und Liebesfilm in einem und überrascht mit ausgezeichneten Jungdarsteller*innen. Sam Shakusky (Jared Gilman) und Suzy Bishop (Kara Hayward) hegen eine wundervolle Brieffreundschaft. Als Sam sich in einem Pfadfinderlager langweilt, beschließt er, zu seiner zwölfjährigen Brieffreundin zu fliehen und gemeinsam mit ihr durchzubrennen. Ganz so einfach gestaltet sich die Flucht der beiden allerdings nicht, werden sie doch von einem Suchtrupp der Pfadfinder bereits nach einer Nacht wieder aufgegriffen. Suzy kommt zurück zu ihren Eltern. Sam steht vor dem vermeintlichen Nichts, denn er ist ein Waisenkind und seine Pflegeeltern haben von dem sonderbaren Jungen die Nase voll. Obgleich Sam bis dato der Außenseiter seiner Pfadfinder-Gruppe war, haben nun alle Mitleid mit ihm und wollen ihm und seiner großen Liebe Suzy zu einer zweiten Flucht verhelfen. „Moonrise Kingdom“ beschert uns genau wie alle anderen Werke von Wes Anderson einen echten Augenschmaus und stellt tragische Momente ganz dicht neben die wundervollen. Vor allem die Liebe zwischen Sam und Suzy berührt die Herzen des Publikums, weil sie von einer ungeahnten Ernsthaftigkeit durchzogen ist. Zu sehen ist der Streifen von 2012 derzeit auf der Streaming-Plattform Netflix.

Einer der bisher wohl erfolgreichsten Filme aus der Feder von Wes Anderson ist „Grand Budapest Hotel“. Meine Erinnerungen an diesen Film, den ich bereits dreimal gesehen habe, sind nur bruchstückhaft, weil mein Mann beim gemeinsamen Gucken des Filmes stets so laut und viel lachen muss, dass ich einige Szenen einfach nicht richtig mitbekomme. Daher sei zunächst gesagt: Dieser Film ist wirklich sehr lustig. Zumindest, wenn man es absurd mag. Gleichzeitig ist dieser Film wahrscheinlich auch von den Erzählsträngen her der vielschichtigste und komplexeste von Anderson. Dreh- und Angelpunkt der Story ist das Grand Budapest Hotel, das sich in der fiktiven Republik Zubrowka befindet. Gustav (Ralph Fiennes) arbeitet dort bereits seit vielen Jahren als Concierge und muss nun den neuen Lobby-Boy Zéro Moustafa (Tony Revolori) in die Berufsgeheimnisse einweihen. Gustav nimmt seinen Job äußerst ernst, was er auch Zéro vermittelt und ihm die nötige Ernsthaftigkeit anerzieht. Gleichzeitig nimmt er Zéro durch seine Erzählungen mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte des berühmten Hotels. Urplötzlich ist Gustav dann aber auch auf die Loyalität des jungen Lobby-Boys angewiesen, als seine Geliebte, die 84-jährige Madame D. (Tilda Swinton) verstirbt und ihm ein teures Gemälde vermacht. Ihre Erben sind davon überhaupt nicht angetan und beschuldigen Gustav des Mordes. „Grand Budapest Hotel“ wurde 2012 insgesamt für neun Oscars nominiert und konnte satte vier Stück davon mit nach Hause nehmen. Die Filmmusik von Komponist Alexandre Desplat geht nicht nur ins Ohr, sondern wurde auch mit einem Oscar und einem Grammy belohnt. Ein gelungener Abschluss also für ein Wes-Anderson-Triple. Zu sehen ist „Grand Budapest Hotel“ bei Amazon Prime. Im jeden Falle könnt Ihr euch die Filme aber auch leihen oder als DVD besorgen. Lohnen tut es sich definitiv.

Samstag, 2. Januar 2021:
Wes Anderson-Triple, „The Royal Tenenbaums“, „Moonrise Kingdom“ und „Grand Budapest Hotel“, verfügbar als Kauf-DVD, zum Leihen oder als Stream

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