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Sehnsucht nach kultureller Bildung

Museen zu, Bibliotheken funktionieren nur auf Bestellung und auch die Bildungsvereine müssen pausieren. Auf kulturelle Bildung müsst Ihr dennoch nicht verzichten

Wer sich hinter diesem charmanten Lächeln verbirgt? Niemand geringeres als der US-amerikanische Künstler Jean-Michel Basquiat

Auch jene Menschen, die während der Pandemie nicht vor die großen existenziellen Probleme gestellt werden, haben hier und da ein kleines Luxusproblem, das dann und wann zwickt. Ich gehöre ganz klar zu dieser Kategorie und schäme mich deswegen in regelmäßigen Abständen in Grund und Boden. Es ist eben Jammern auf ganz hohem Niveau. Aber mal wieder einen Tag in einem Museum zu verbringen, vielleicht sogar auch noch außerhalb Hannovers, das wäre wie Geburtstag und Weihnachten an einem Tag. Bisher zehre ich immer noch von meinen Erinnerungen vom Februar 2020, einige Wochen bevor das heillose Chaos ausbrach. Der Tag, an dem ich mit Tränen in den Augen im Vincent van Gogh-Museum in Amsterdam stand. Ich konnte die warmen Winde der Camargue förmlich auf meiner Haut spüren. Bei all den ausgefallen oder verschobenen Ausstellungen im vergangenen Jahr weint das kulturverliebte Herz. Zumal ich gut weiß, wieviel Arbeit hinter einer Ausstellung steckt, wieviel Geld bereits in die Planung fließen muss und wie viele Jobs an solchen Projekten hängen. Nein, das ist nicht spaßig, ganz und gar nicht.

Momentan betrachte ich daher die Kunstdrucke an meinen Wänden und stelle mir vor, dass ich in einem ziemlich abgefahrenen Museum wäre, dessen Räumlichkeiten verdächtige Ähnlichkeit mit meiner Wohnung haben. Hier steht sogar Hafermilch im Kühlschrank. Ein gutes Museum bietet seinen Besucher*innen aber natürlich noch weitaus mehr als Hafermilch und ein paar Kunstdrucke. Es bietet vor allem Kunstvermittlung, kurz gesagt echte Bildung. Alleine über die Legenden spritzen wir Mikrowissen in unsere Gehirnzellen. Eine gute Führung vermittelt ebenso Wissen und unterhält gleichermaßen. Im besten Falle greifen wir sogar noch bei einem Ausstellungskatalog zu und können uns daheim ganz privat weiterbilden. Das bedeutet nun zwar nicht, dass ein Museumsbesuch ausschließlich der kulturellen Bildung dient, aber es ist ein wichtiger Eckpfeiler und darf ruhig Spaß machen.

Deswegen beiße ich mich derzeit an Dokumentationen fest, denn sie kommen einer Schippe kultureller Bildung immer noch am nächsten. Erste Anlaufstelle ist für mich stets die Arte Mediathek und hier kommen drei echte Schätze, die ihr genau dort derzeit finden könnt. Zunächst sei an dieser Stelle die Dokumentation „Chagall – Ein Maler zwischen den Welten“ von Laurence Jourdan angepriesen. Sie behandelt Chagalls Lebensjahre von 1910 bis 1930 und als Kultur- und Literaturwissenschaftlerin kann ich an dieser Stelle nur betonen, dass Betrachtungen kurzer und prägnanter Zeiträume deutlich intensiver sind, als das Nachzeichnen eines Lebens von A bis Z. Die Dokumentation beschreibt auf diesem Wege nicht nur Chagalls Gründung einer Kunstschule, die allen offen stehen sollte, sondern gleichzeitig auch die spektakulären Wege, die die damaligen Künstler*innen in der Nachkriegszeit eingeschlagen haben.

Noch näher dran am Entstehungsprozess der Kunst ist man mit der Dokumentation „Anselm Kiefer – Der Künstler bei der Arbeit“ von Sophie Fiennes. Kiefer gehört zu den populärsten und beeindruckendsten lebenden deutsch-österreichischen Künstlern. Der 1945 geborene Künstler durfte seine Werke schon auf zahlreichen Kunstmessen ausstellen, darunter auch die Documenta und etliche Biennalen. 1993 entschloss er sich, mit seinem Atelier ins südfranzösische Baljac umzuziehen. Sophie Fiennes hat den Ausnahmekünstler bereits 2010 besucht und Arte lässt uns auf diese Weise derzeit ganz nah ran an Kiefer und seine Arbeit.

Richtig extravagant wird es aber mit meinem letzten Doku-Tipp. Ich war gerade einmal 17 Jahre alt, da sah ich Julian Schnabels Film „Basquiat“. Der amerikanische Künstler gehört leider nicht zu jenen, die in der Schule thematisiert werden. Dabei war Jean-Michel Basquiat, so sein vollständiger Name, ein echter Vorreiter und zwar in vielerlei Hinsicht. Als erster afroamerikanischer Künstler konnte er sich in der von Weißen dominierten Kunstszene New Yorks durchsetzen. Das gelang ihm vor allem durch seine unkonventionellen Werke. Aber auch abseits seiner Kunst verschaffte er sich als Freund von Andy Warhol und Teilzeit-Lover von Pop-Ikone Madonna immer wieder große mediale Aufmerksamkeit. Arte lässt Euch daher mit der Dokumentation „Basquiat – Popstar der Kunstwelt“ von David Shulman in die wilde New Yorker Kunstszene eintauchen. Damit ist doch ein anregender Abend garantiert, oder?

Donnerstag, 7. Januar 2020:
Kulturelle Bildung mit der Arte Mediathek, zugänglich für alle, die einen Internet-Anschluss besitzen, Beginn jederzeit möglich

„Chagall – Ein Maler zwischen den Welten“ [1]

„Anselm Kiefer – Der Künstler bei der Arbeit“ [2]

„Basquiat – Popstar der Kunstwelt“ [3]

(Foto: wikimedia.com/Galerie Bruno Bischofberger)

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