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Auf zu unbekannten Orten!

So lässt sich der zähe Kaugummi der Zeit lösen: Flanieren fördert das Wohlbefinden und entzerrt den Alltag

Beim aufmerksamen Flanieren lässt sich nebenbei sogar Freiluft-Kunst tanken

Es gibt momentan einen Running Gag im Internet. Er besagt, dass wir im Prinzip immer noch März 2020 haben. Wieso das witzig sein soll, aber dennoch für einige Menschen einen Funken Wahrheit beinhaltet? Je mehr wir im sogenannten Alltagstrott versinken, desto gleichförmiger und blasser erscheint uns die Zeit. Fast ein Jahr ist vergangen, aber alles fühlt sich immer noch gleich an. Kaum etwas scheint sich verändert zu haben und diese Ereignislosigkeit frisst sich förmlich in uns hinein. Unser Bewegungsradius ist selbstredend momentan ein wenig eingeschränkt. Ja, der Maschsee ist schön und vielleicht auch nett, wenn man traditionell zweimal die Woche drumherum joggt. Bleiben allerdings weitere Reize aus, verliert auch dieses schöne Blau alsbald ihren Charme.

Welche Möglichkeiten haben wir also, um aus unserem Trott auszubrechen? Ganz einfach: Flanieren. Diese gute alte Freizeitbeschäftigung ist tatsächlich eine sehr gute Option. Nun darf man das Flanieren bitte keinesfalls mit dem Spazieren verwechseln. Beschließe ich einmal, meine gewohnte Runde am Fluss entlang zu gehen, dann hat das keinesfalls etwas mit dem Flanieren zu tun. Flanieren bedeutet, dass man ohne ein bestimmtes Ziel mit dem Gehen beginnt und dabei vor allem zwei Dinge beachtet. Zum einen beobachtet man die Umgebung einfach genau und lässt sich den Weg von genau dieser bestimmen. Du siehst eine interessante Straße? Nichts wie rein da. Eine Gasse hat einen spannenden Namen? Einfach mal erkundschaften. Zweitens sollte man bereit sein, vor allem unbekannte Wege zu beschreiten. Auch mal durch Viertel zu wandern, die man vorher noch nicht so gut kannte. Das Unbekannte ist ein wunderbarer Reiz, der uns fast so etwas wie einen Tagesausflug simuliert.

Als gebürtige Hannoveranerin kann ich Euch übrigens beruhigen. Ihr kennt mit absoluter Sicherheit noch nicht jede Straße, jeden Hinterhof, jeden Stein in dieser Stadt. Denn auch nach so vielen Jahren entdecke ich beim Flanieren immer noch Neues. Die Ausrede, dass man doch jede Ecke hier kennt, zieht demnach keinesfalls. Also entzerrt die Zeit ein wenig, gönnt Eurer Seele eine Pause vom Trott und beschreitet mal neue Wege. Wo Ihr landen werdet? Das weiß ich auch nicht. Aber Ihr könnt uns gerne davon erzählen.

Sonntag, 10. Januar 2021:
Flanieren gegen den Alltagstrott, Beginn jederzeit möglich, Eintritt frei

(Foto: Susanne Viktoria Haupt)

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