Anny Bader
26. Januar 2021

„Girls Just Wanna Have Fun“

Musik x Feminismus: Frauen mussten sich ihren Weg in die Musik erkämpfen. Ein Blick auf Frauen in der Musik ab 1980

Zwischen Ohrwurm und feministischer Hymne: die Girlband Tic Tac Toe

Die 80er-Jahre

Pop und massenhafter Einsatz von Synthesizern: die 80er-Jahre. Als erste Frauen-Band, die ihre Songs selbst schrieb und spielte, schafften es The Go-Go’s an die US-Chartspitze. Und eine der bekanntesten feministischen Hymnen wurde ebenfalls in diesem Jahrzehnt geschaffen: „Girls Just Wanna Have Fun“ von Cyndi Lauper. Das Lied wird häufig in Richtung Sexpositivität interpretiert, sollte Lauper zufolge aber eher auf den Alltag der Frauen anspielen. Frauen können tun, was ihnen Freude bereitet. Ein Jahrzehnt zuvor musste der Ehemann noch die Erlaubnis geben, arbeiten zu gehen. Das sah nun schon anders aus. Und wenn sich Musikerinnen lieber dem Heavy Metal widmen mochten, dann sollte dem so sein. Die Band Girlschool beispielsweise war für dieses Jahrzehnt essentiell – jedoch in einem ganz anderen Genre. Sie verkörperten Lederjacken, harte Gitarrenriffs und Headbanging.

Cyndi Lauper: „Girls Just Wanna Have Fun“

Dann gibt es da noch Madonna, die aus den 80er-Jahren nicht wegzudenken ist. Heute lebt und feiert sie ihren Luxus, wofür sie kritisiert wird. In der feministischen Musikgeschichte spielte sie jedoch eine wichtige Rolle. Madonna drückte ihre Sexualität frei aus. Ihre Videos wurden deswegen von der Senderliste der Musiksender gestrichen – während nackte Frauen in Videos männlicher Musiker okay waren. Bei ihren Bühnen-Shows waren die Background-Tänzerinnen weiblich, queer, schwarz und weiß – Madonna ließ niemanden aus und schuf Raum für Diversität.

Die 90er-Jahre

90s-Girls sind mehr als Popsternchen. Da war beispielsweise Lauryn Hill, auch Königin des HipHop genannt. Die süße Isländerin Björk, bei der scheinbar nichts zusammenpasste. Sie vereinte alle möglichen Arten von Musik, mal schreiend, mal flüsternd, doch immer kunstvoll. Dann gab es Skunk Anasie mit der Sängerin Skin als schwarze, lesbische Powerfrau. Und die Spice Girls, die vielleicht doch ein bisschen Klischee-Popsternchen waren. Ihr Feminismus hält sich klein, ist aber vorhanden. In Deutschland feierten Tic Tac Toe mit ihrer schrillen Musik zwischen HipHop und Pop, mehr gekreischt als gesungen, ihre Erfolge. Texte wie „Hey Mr. Wichtig, du tickst ja wohl nicht richtig. Erst machst du hier die Show ja und dann schrumpft dein Niveau“ waren und bleiben ein Ohrwurm. Gleichzeitig fungierten sie als feministische Hymnen.

Tic Tac Toe: „Mr. Wichtig“

Außerdem entstand in den 90er-Jahren die sogenannte Riot Grrrl-Bewegung. Eine Punkszene, die sich protestierend dem Feminismus sowie anderen gesellschaftlichen Themen widmete. Team Dresch zum Beispiel. Sie waren nicht allzu bekannt, es gab sie auch nur fünf Jahre. Doch die zwei Alben, die sie produziert haben, sind dennoch von großer Bedeutung für die damalige Queer-Szene. Team Dresch besangen den Alltag von queeren Personen und boten eine der damals wenigen Möglichkeiten zur Identifikation für die queeren Hörer*innen. Aus der Riot Grrrl Bewegung sind Team Dresch nicht wegzudenken. Genauso spielt die berühmte Punkband Bikini Kill eine Schlüsselrolle. Ihre Songtexte funktionieren noch heute, da sich manche Zustände kaum bis gar nicht geändert haben: „When she talks, I hear the revolution / In her hips, there’s revolution / When she walks, the revolution’s coming / In her kiss, I taste the revolution / Rebel girl, rebel girl / Rebel girl you are the queen of my world“.

Bikini Kill: „Rebel Girl“

Beim Grunge, der ebenfalls in den 90er-Jahren entstand, denkt man sofort an Nirvana und somit Kurt Cobain. Vielleicht noch Soundgarden. Hole werden als wichtigste weibliche Grunge-Band dabei häufig vergessen. Frontfrau Courtney Love, die damals mit Kurt Cobain verheiratet war, wird von wütenden Nirvana-Fans noch heute häufig für den Tod ihres Mannes verantwortlich gemacht. Es gibt Verschwörungen, die besagen, Courtney habe ihn umgebracht und es wie Selbstmord aussehen lassen. Solche Geschichten überschatten die Großartigkeit von Hole. Besonders das Album „Live Through This“ konnte kaum jemand feiern, weil zwischen dem Release und Kurt Cobains Tod nur wenige Tage lagen.

Hole: „Celebrity Skin“

Auch die Pixies dürfen beim Thema Grunge nicht fehlen. Kim Deal, die später zu den Breeders wechselte, konnte zwar nicht viele ihrer Ideen durchsetzen. Sie schrieb allerdings ein paar der bekanntesten Pixies-Songs wie „Gigantic“. Sie kritisierte die Frauenfeindlichkeit in der Musikbranche und verkörperte das Gegenteil des klassischen weiblichen Star-Images. Ihr lässiges Auftreten sorgte in der Branche für Konflikte, weshalb sie die Pixies schließlich verließ.

Und das aktuelle Jahrtausend?

Angekommen im jetzigen Jahrtausend, gibt es immer noch Frauenfeindlichkeit in der Musikszene. Doch Beyoncé, Lady Gaga, Miley Cyrus, Rihanna, Beth Ditto von Gossip und viele weitere kämpfen den Weg für die Musikerinnen frei. Rapperin und Sängerin M.I.A. verarbeitet ihre Lebensgeschichte in ihren Songs und thematisiert dabei Rassismus, Postkolonialismus und Feminismus. Als Kind floh sie mit ihrer Familie vor dem Krieg in Sri Lanka und bekam mit, wie viele Menschen ermordet wurden. Vermutlich sind deshalb in ihrem berühmten Song „Paper Planes“ Schüsse zu hören.

M.I.A.: „Paper Planes“

HipHop wird immer größer. Peaches begann ihre Karriere bereits Ende der 90er-Jahre. In ihren Songs geht es um Sex, sonst nichts. Aber das reicht ja auch. Als Frau über Sex zu sprechen und zu singen, war lange verpönt, ist es heute noch. Für Peaches ist weibliche Sexualität eine Befreiung, die es auszudrücken gilt. In Deutschland startete währenddessen Lady Bitch Ray ihre Karriere, mit einem ähnlichen Konzept mit deutschen Texten. Sie schufen Platz für Frauen im HipHop, wenn auch erstmal einen kleinen. Diesen füllten später Musikerinnen wie SIXTN, Sookee und Ebow.

Scheinbar finden die meisten Frauen ihren Platz im Pop oder HipHop, doch wo sind die Bands? Anscheinend gab es bis ins Jahr 2000 mehr Girlbands, die sich dann leider auflösten oder verstummten. Aktuell kommen einem nur wenige Frauen-Bands in den Sinn: Dream Wife, My Ugly Clementine, Goat Girl, The Big Moon, Gurr, Thundermother – viel mehr nicht. Die Suche nach aktuellen All-Female-Bands gestaltet sich leider schwierig.

Natürlich hätte man in dieser Kolumne noch viele weitere wunderbare Musikerinnen erwähnen können. Dieser und auch der erste Teil unserer feministischen Musikgeschichte, konnten nur eine Auswahl der Frauen erwähnen, die uns musikalisch so weit gebracht haben. Hoffentlich greifen in den nächsten Jahren noch mehr Frauen zum Mikrofon und zu den Instrumenten, um den Weg weiter freizuschaufeln und sich gegen Sexismus in der Musikbranche aufzulehnen.

(Foto: Axl Jansen/Wikipedia, Copyright: CC BY 3.0)

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Kategorien: Musik, Politik

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