Susanne Viktoria Haupt
12. Januar 2021

Was ist wirklich männlich?

Wann ist ein Mann ein Mann? Darüber diskutieren der Mode-Journalist Fabian Hart und die Kultur-Theoretikerin Astrid Deuber-Mankowsky in der neuen Podcast-Folge des Literarischen Salons

Bei diesen beiden fallen die Stereotypen wie die Fliegen von den Wänden: Fabian Hart und Astrid Deuber-Mankowsky

Für manche ist dieses Thema anstrengend, doch ich finde es aufregend und ganz wunderbar. Wir leben in einer Zeit, in der nicht nur die Geschlechterrollen immer mehr in Frage gestellt werden, sondern auch das soziale Geschlecht und die damit verbundenen Attribute. Nieder mit dem Anspruch, dass eine Frau immer „niedlich“ sein muss, dass sie sich zurückhalten soll und nicht auf den Tisch hauen darf. Und vor allem nieder mit jenen, die eine direkte Ansage gleich mit einem „Na? Zickst Du wieder? Hast Du Deine Tage?“ quittieren. Aber obwohl ich biologisch betrachtet wohl eine Frau bin, mache ich mir wenig bis gar nichts aus Weiblichkeit und habe auch keine Ahnung, was das eigentlich sein soll. Ich kenne die Erwartungshaltung, die gängigen Attribute, aber nichts davon stimmt mich zufrieden. Nichts ist für mich „typisch weiblich“. Das Typische empfinde ich als langweilig und unlogisch.

Sieht es bei der Männlichkeit anders aus? Natürlich nein. Ich glaube sogar fast, dass der Anspruch an das „typisch männliche“ Geschlecht noch festgefahrener ist. So sehr, dass es im öffentlichen Diskurs nur zögerlich, oder aber gar keinen Platz zu finden scheint. Heranwachsende Jungen, und da spreche ich aus meinem eigenen Erfahrungsschatz als Mutter, werden immer noch damit konfrontiert, dass sie „nicht weinen sollen“, „stark“ sein sollen, dass sie „mutig und wild“ sein sollen. Pech eben, wenn man einen gefühlvollen, introvertierten und Ballett tanzenden Sohn zu Hause hat. Zumindest Pech, wenn man der großen Mehrheit Gehör schenken soll. Für uns aber doch ein wahres Geschenk. Dennoch war es ein Kraftakt, sein Kind immer wieder in seiner „Abweichung von der Norm“ zu bestätigen. Die vermeintlichen „Schwächen“ als wahre Stärken zu enttarnen. Ein Glück, dass es sehr gut funktioniert hat, aber leicht war das nicht. Die gesellschaftlichen Mühlen arbeiten mit erstaunlicher Beständigkeit an Klischees.

Fabian Hart ist Mode-Journalist aus Hamburg und schreibt unter anderem sehr erfolgreich für die deutsche Ausgabe der Vogue. Wäre das bereits zu Schulzeiten sein Traumjob gewesen, hätte es hier und da sicherlich riesige Lacher gegeben und einige böse Zungen aus ihrem Versteck gelockt. Mit der vermeintlichen Männlichkeit hat Hart bereits einige Erfahrungen gemacht und das waren und sind nicht immer gute. Die gesammelten Klischees strengen ihn genauso an wie die sogenannte toxische Männlichkeit. In seinen Kolumnen versucht Hart daher konsequent, ein neues Bild von Männlichkeit zu formen. Ein Bild, das nicht nur alten Stereotypen den Kampf ansagt, sondern die Männerwelt aufatmen lässt. Ein Bild, das besagt: So, wie Du bist, ist es verdammt gut. Ganz gleich, ob Du emotional eher zurückhaltend bist, oder aber Deinen Tränen auch mal gerne freien Lauf lässt. Beides geht, beides ist gleich gut, beides ist „männlich“. Fabian Hart ist heute zu Gast beim Literarischen Salon und diskutiert dort mit der Medien- und Kultur-Theoretikerin Astrid Deuber-Mankowsky von der Ruhr-Universität Bochum über genau dieses Thema. Zu sehen bekommt Ihr das zwar nicht live, aber auf alle Fälle zu hören. Wo genau? Verpackt als Podcast auf dem YouTube-Kanal des Literarischen Salons oder aber ganz bequem auf Spotify.

Dienstag, 12. Januar 2021:
„(Un)masculinities – Wann ist ein Mann ein Mann?“, Podcast-Folge mit Fabian Hart und Astrid Deuber-Mankowsky, YouTube-Kanal des Literarischen Salons Hannover, Beginn jederzeit möglich

(Foto: Pressefoto/Literarischer Salon/Anna Wegelin)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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