Roman Kansy
24. Januar 2021

Corona, Couch, Comfort-Binge!

Fünf Serien, die einem die hoffentlich letzten grauen Tage versüßen

"Godless", Plakatmotiv

Raus aus dem goldenen Käfig: Noch nie war zu Hause sitzen mit so viel Willenskraft verbunden. Wir zeigen, wie es etwas leichter zu ertragen ist – zum Beispiel mit der Mini-Serie „Godless“

Covid, Corona, Lockdown, Trump und das einhunderttausensde Bild, auf dem jemandem demonstrativ eine Spritze in den Oberarm gerammt wird. Der Lockdown ist wichtig, die Aufklärung über das Virus ist wichtig, Impfen auch, keine Frage, aber eben auch Selbstschutz und Selfcare. Der Mensch braucht eben auch mal Ruhe und Auszeiten. Denn, seien wird doch mal ehrlich: Seit einigen Monaten hängt einem die virulente Dauerbeschallung doch latent zum Hals raus. Also was tun? Urlaub ist ja nicht, Kinos sind zu und dem einen auserwählten sozialen Kontakt hat man mittlerweile auch nicht Neues mehr zu erzählen. Schöne neue Welt. Wären da nicht in den letzten Jahren einige Streaming-Dienste mit einem unzähligen Angebot an Serien aus dem Boden geschossen. Die Lösung heißt Bildschirm-Eskapismus. In den folgenden Zeilen erwartet Euch daher eine kleine Auswahl an Serien, in deren Welten es sich einzutauchen lohnt, um auch mal wieder covid-freien Dialogen zu folgen.

„Friends“

Viele kennen die Serie wahrscheinlich aus ihrer Jugend, und auch wenn der Humor hier und da nicht mehr dem Zeitgeist entspricht, kann man sich ihrem Charme nur schwerlich entziehen. Die Rede ist von der Ur-Sitcom „Friends“: Auf keine Serie passt der Begriff Comfort-Binge, also das bewusste Schauen längst bekannter Serien, so gut, wie auf das allerliebste Sextett der Sitcom-Geschichte. Denn was ist in unseren grauen Tagen entspannender, als sich in die unschuldige Zeit der 90er-Jahre zu flüchten und Chandler, Joey, Monnica, Phoebe, Ross und Rachel über zehn Serien-Jahre hinweg zu begleiten? So geht Wohlfühl-Fernsehen. „Friends“ gibt es seit wenigen Tagen wieder auf Netflix zu sehen.

„Godless“

Wer nicht gerade zu der verschwindend geringen Masse an Menschen zählt, die mit der großartigen Serie „Das Damengambit“ nichts anzufangen wusste, sollte in den folgenden Zeilen die Konzentration wahren. Scott Frank, Drehbuchautor und Regisseur des Schach-Dramas, ist nämlich noch für eine weitere, nicht weniger gute Mini-Serie verantwortlich. Mit „Godless“ wagte Netflix den Schritt in den Wilden Westen: Klassisch, aber dennoch zeitgemäß, weiß die Serie zu begeistern. Frank setzt seinen Fokus auf einen eindrucksvolle Cast, dessen Fokus auf starken weiblichen Rollen liegt. Verbunden werden die vielen spannenden Sub-Stories durch das barbarische Wüten des großartig gespielten Bösewichts Frank Griffin. Für mich eine der besten Serien, die der Netflix-Kosmos hervorgebracht hat. Absolute Empfehlung!

„Schlag den Raab“

Keine Serie im engeren Sinne, aber trotzdem unerreicht bleibt Stefan Raabs Samstagabend-Show „Schlag den Raab“. Man muss den ehemaligen Pro7-Moderator, Showmaster und Entertainer nicht mögen, aber man kann ihm seinen Ehrgeiz und seine Authentizität an keiner Stelle absprechen. Was hat er gekämpft, Knochenbrüche erlitten und sein Allgemeinwissen immer wieder unter Beweis gestellt! Raab war zu Recht und allem Blödel-Humor zum Trotz der wahre Endgegner seiner Sendung. „Schlag den Raab“ hat es geschafft, seine Zuschauer*innen auch bis weit nach Mitternacht an den Fernseher zu fesseln. Und das mit einem einfachen Prinzip: Authentizität. Hier wurde nicht im Nachhinein geschnitten, dramaturgisch aufgehübscht und eine künstliche Spannung erzeugt, wie man es heutzutage allzu häufig sieht. Raab hat seinen Kandidat*innen nichts geschenkt, bis zum Ende verbissen gekämpft. In Kombination mit den Preisgeldern, die gerne mal auf zwei Millionen Euro anstiegen, sorgte das für einen Sog, den man bis heute in der deutschen Fernseh-Landschaft vermisst. Seit kurzem kann man alle „Schlag den Raab“-Folgen auf dem offiziellen „Schlag den Raab“-Youtube-Kanal anschauen. Ganz ohne Werbung.

„Malcolm Mittendrin“

Zurück zum Comfort-Binge, denn wenn eines in den vergangenen Monaten zu kurz gekommen ist, dann ist es das Lachen. Was hilft da besser als eine Serie, die einen direkt in die eigene Jugend zaubert? In „Malcolm Mittendrin“ Hal, Lois und ihren fünf Söhnen Reese, Dewey, Malcolm, Francis und Jamie bei ihrem genial-chaotischen Alltag zuzuschauen, wird einfach nicht langweilig. Der hochbegabte Malcolm ist gleichzeitig Namensgeber der Sendung als auch Kommentator des familiären Alltags, in dem immer wieder aufs Neue bewiesen wird, wie nah sich Genie und Wahnsinn sind. Außerdem war die Serie das Karriere-Sprungbrett für Bryan Cranston, der später das Gesicht von „Breaking Bad“ wurde. „Malcolm Mittendrin“ bedarf nicht vieler Worte, ist die Serie nicht zuletzt wegen des großartigen Titelsongs „Boss of Me“ von We Might Be Giants längt in den Kanon der Popkultur eingegangen. Längst bekannt? Ja, sicher. Aber immer wieder wert, gesehen zu werden. „Malcolm Mittendrin“ läuft auf Amazon Prime.

„The Crown“

Die Queen ganz privat gibt es in der Netflix-Produktion „The Crown“ zu sehen. Wer denkt, der royale Alltag besteht nur aus hübschem Winken und Kronjuwelen durch die Welt schleppen, könnte falscher nicht liegen. „The Crown“ zeigt den allzu menschlichen royalen Zwist der Queen, die damals mit Mitte 20 zum Oberhaupt der Oberhäupter gemacht wurde. Weit weg von boulevardeskem Glamour werden den Zuschauer*innen die in zeitliche Kontexte eingebetteten Vorkommnise am Hof der Queen und der Gesellschaft gezeigt. Zugegeben, die ersten beiden Folgen sind nicht zuletzt wegen der vielen Namen und Gesichter leicht verwirrend, aber dann nimmt die Serie Fahrt auf und lässt einen den wilden Trubel unserer Tage leicht vergessen. Und einen Schwall britischer Geschichte gibt es auch noch obendrauf! „The Crown ist ebenfalls auf Netflix zu sehen.

Sonntag, 24. Januar 2021:
Fünf Serien für den Lockdown, Beginn: Wenn Ihr wollt, sofort

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Kategorien: Film, Tagestipps

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