Jörg Smotlacha
23. Januar 2021

Ein Hoch auf den Mummenschanz!

Das Schauspielhaus Hannover zeigt ab heute Abend den Film „Aller Abend Tage“ und stellt die Frage nach der eigenen Relevanz

"Aller Abend Tage", Szenenfoto

Surreale Reise durch ein verlassenes Theater: „Aller Abend Tage“, Szenenfoto

Was macht ein Theater, das nicht öffnen darf? Es könnte zum Beispiel kollektiv in den Winterschlaf gehen. Doch wäre das richtig? Darf Kultur einfach Pause machen? Den Betrieb einstellen? Die Antwort ist ein klares Nein, denn ohne Kultur stirbt die Welt, ohne Theater verödet sie.

Das Theater könnte also ohne Publikum spielen. Die Regisseur*innen und das Ensemble würden sich ihr Publikum vorstellen und das Publikum wiederum, zu Hause im Lockdown dürfte vom Theater träumen. Ja, und dann kommt die moderne Technik ins Spiel, denn auch die Theaterbühne lässt sich wie diejenige für Musik oder Literatur streamen und live ins heimische Wohnzimmer senden.

Hatten wir doch schon alles, ist langweilig? Natürlich: Kultur ausschließlich digital betreiben zu dürfen, ist furchtbar, Kultur braucht Publikum. Aber immer wieder neue Wege zu finden, wie man dennoch zusammen kommt, als Kultur mit seinem Publikum, darf einfach auch mal als großartig bezeichnet werden. Und natürlich ist nicht jeder Stream eine Augenweide und nicht jedes Format in der digitalen Umsetzung gelungen, doch zählt zunächst einmal der Versuch. Und letztendlich lässt sich sogar feststellen, dass die Zahl der gelungenen Versuche durchaus zunimmt.

Eines der Häuser, die zum Glück auch im Lockdown nicht stillhalten, ist das Schauspiel Hannover, das in der Regel jede Woche samstags eine neue Theaterpremiere präsentiert. Heute geht es einen Schritt weiter und zeigt einen Film über das Theater im Theater. „Aller Abend Tage“ stammt von Sebastian Jakob Doppelbauer und Oliver Meyer, die sich mit einer Handykamera bewaffnet haben, um an „die Phantasie, die Träume und den Mummenschanz“ zu appelieren. Dabei berichten sie von einem namenlosen Taugenichts, der im Treppenhaus des Theaters aufwacht und rätselt, wer er ist und was um ihn herum passiert. Einen Ausgang findet er nicht und so singt und tanzt er ganz allein im Theater – einem „Ort der maximalen Irrelevanz“.

Samstag, 23. Januar 2021:
„Aller Abend Tage“, Ein Film von Sebastian Jakob Doppelbauer, Oliver Meyer und Ensemble, Schauspielhaus Hannover, Prinzenstraße 9, 30159 Hannover, Live-Stream, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Niedersächsisches Staatstheater/Sebastian Jakob Doppelbauer)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

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