Susanne Viktoria Haupt
2. Februar 2021

Frust, Hass und Opferdenken

Tief verwurzelt und extrem gefährlich: Veronika Kracher stellt heute im Rahmen einer Online-Veranstaltung ihre Publikation zur Incels-Bewegung vor

Für ihre Publikation „Incels. Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults“ recherchierte Veronika Kracher lange Zeit in den einschlägigen Foren. Mit erschreckenden Ergebnissen

Incels. Bevor diese Online-Veranstaltung in meiner Liste aufgetaucht war, hatte ich von dem Begriff noch nie wirklich gehört. Vielleicht war er irgendwo schon einmal aufgetaucht, aber was „Incels“ genau ist, wusste ich nicht. Wie bei den meisten unbekannten Begriffen, kann sich dahinter etwas sehr Spannendes und Schönes verbergen, oder aber etwas ganz Fürchterliches. Das Leben ist angereichert mit kleinen und großen Büchsen der Pandora. In diesem Falle enthielt die besagte Büchse aber nichts Schönes. „Incels“ ist eine Internetbewegung respektive eine im Internet verbreitete Ideologie, die eigentlich ausschließlich aus heterosexuellen Männern besteht, die drei Aspekte gemeinsam haben. Zum einen haben alle Männer einfach keinen Erfolg bei Frauen. Dadurch sind sie vor allem frustriert und sehen sich selbst als Opfer, denen etwas verwehrt wird. Zweitens haben sie durch diese unfreiwillige Abstinenz einen abstoßenden Hass auf Frauen und Männer entwickelt, die Sex haben. Wobei ihr Hass auf Frauen deutlich stärker wiegt. Drittens haben sie daraus eine Ideologie entwickelt, die beispielsweise ein „Recht auf Sex“ beinhaltet und diese besagte Ideologie entlädt sich vor allem in Gewaltphantasien, die auch zu tatsächlichen Übergriffen führen können. So beispielsweise 2018 geschehen im kanadischen Toronto, wo ein junger Mann, der sich offen zur Incels-Bewegung bekannt hatte, durch die belebte Young Street fuhr und dabei zehn Menschen tötete. Vorab sprach er sogar von einer „Incels-Rebellion“.

Klingt also nicht nur gefährlich, sondern ist es auch. Wie tief die Wurzeln dieser Bewegung in unserer Gesellschaft und damit auch in unserer Kultur schon verankert sind, ist vielen von uns sicherlich nicht zwangsläufig bewusst. Die Autorin und Publizistin Veronika Kracher hat sich deshalb jahrelang aktiv mit der Incel-Community beschäftigt. Dafür recherchierte sie sogar in den entsprechenden Foren, was sicherlich alles andere als einfach war. Die Entdeckungen, die sie dabei gemacht hat, und auch welcher Sprache sich die Incels bedienen und wie sich die Denkweise in der Popkultur niederschlägt, hat Kracher in ihrer Publikation „Incels. Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults“ zusammen gefasst. Heute Abend stellt die Autorin ihr Werk und die Ergebnisse ihrer Recherche auf einer Online-Veranstaltung des AstA Hannover vor und geht auch auf Fragen und Anregungen aus dem Publikum ein. Den Link zum Livestream findet Ihr zeitnah auf der Facebook-Veranstaltungsseite des AstA Hannover.

Dienstag, 2. Februar 2021:
„Incels. Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults“, Online-Buchvorstellung von Veronika Kracher, veranstaltet vom AstA Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Teilnahme frei

(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Medien, Politik, Tagestipps

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