Susanne Viktoria Haupt
3. Februar 2021

Sehen, was falsch ist

Wie nehmen wir wahr, was richtig und was falsch ist? Darüber spricht Dr. Larissa Berger heute am Philosophischen Institut der Uni Hannover

Wo steckt eigentlich unser moralischer Kompass? Über die Wahrnehmung der Moral berichtet uns Dr. Larissa Berger heute via Zoom

Eine Sache, die ich an den unterschiedlichen Philosophien wirklich besonders schätze, ist der Umstand, dass sie meistens Fragen stellen, die sich nun mal wirklich nicht jeder Mensch stellen würde. Und ich mag außerdem, dass durch die philosophische Denkpraxis auch Schlüsse gezogen werden, die deutlich mehr Tiefe besitzen, als bloßes Nachdenken zwischen Tür und Angel. Zum Beispiel, was Freiheit wirklich bedeutet. Während Hannah Arendt Freiheit stark mit politischer Teilhabe verknüpft hat, wird gerade in der heutigen Zeit gleichermaßen die Frage aufgeworfen, ob Freiheit diametral zum demokratischen Leben steht. Ist Freiheit also gleich Anarchie? Spricht uns Freiheit von jeder Solidarität, von jeder Pflicht frei? Oder ist Freiheit viel mehr etwas, was, so drückte es zumindest Simone de Beauvoir aus, wir nur dann erreichen können, wenn wir gleichzeitig die Freiheit unserer Mitmenschen wahren? Freiheit ist nicht gleich Freiheit, das macht uns die Philosophie klar.

Ein wichtiger Zweig der Philosophie ist die Ethik. Hier wird, ganz platt ausgedrückt, diskutiert, was richtig und was falsch ist. Ist Sterbehilfe beispielsweise richtig? Ist es moralisch vertretbar? Und was ist überhaupt Moral? Eine ganz andere Frage stellt heute Abend allerdings die Philosophin Dr. Des. Larissa Berger vom Forschungsinstitut für Philosophie Hannover. Sie fragt nämlich nicht, was wir als richtig oder falsch erachten, sondern wie wir es wahrnehmen. Ist Moral etwas, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können? „Sehen“ wir beispielsweise eine falsche Tat genauso, wie wir einen Baum oder ein Auto sehen? Oder ist unsere moralische Wahrnehmung ganz woanders verankert? Berger hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit genau diesen Fragestellungen auseinandergesetzt und sich unter anderem der Meta-Ethik gewidmet, die sich darum bemüht, allgemein die Moral zu bestimmen, ohne dabei zunächst Urteile über den wertenden Inhalt zu fällen. Ein Abend also für all jene, die gerne um die Ecke denken und sich mit innovativen Fragestellungen der Philosophie auseinandersetzen möchten. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr und findet via Zoom statt.

Mittwoch, 3. Februar 2021:
„Können wir Moral sehen? – Zur Philosophie der moralischen Wahrnehmung“, Vortrag von Dr. Des. Larissa Berger, Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, Live-Stream via Zoom, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei. Anmeldungen sind telefonisch (0511 / 164 09 30) oder per E-Mail (wittkamp@fiph.de) möglich

(Foto: Pressefoto/Forschungsinstitut für Philosophie Hannover)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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