Susanne Viktoria Haupt
9. Februar 2021

In 650 Metern um die Welt

Das Fernweh ist einfach nicht zu heilen? Kein Grund zur Sorge, denn die Limmerstraße in Linden kann kurzfristige Abhilfe leisten

Bringt echtes italienisches Flair auf die Limmerstraße: „Luigi’s Supermercato“

Zugegeben: Das, was jetzt kommt, ist ein Luxusproblem. Aber eine Freundin meinte erst kürzlich am Telefon zu mir: „Auch die können manchmal nerven!“ Recht hat sie. Jede*r hat nun mal so ihre oder seine Methode, um den Kopf wieder freizubekommen. Sport, gute Bücher und Reisen sind meine drei Wege. Letzteres fällt derzeit natürlich weg, sozusagen ersatzlos gestrichen. Muss ich eben durch, die Pandemie will es nicht anders. Dennoch spüre ich natürlich die Sehnsucht in jeder Faser meines Körpers und freue mich schon darauf, wenn endlich dieses „Danach“ eintrifft. Ja, das wird noch dauern, aber es wird kommen. Und hoffentlich denken wir dann bei aller Reiselaune dennoch an die Natur und besteigen nicht das nächste Flugzeug für eine Fernreise.

Richtig weit in die Ferne reisen lässt es sich nämlich auch auf andere Art und Weise. Zumindest kulinarisch. Wenn Ihr beispielsweise in Linden wohnt – und ich bin sicher, dieser Ansatz gilt auch für diverse andere Stadtteile in Hannover, seid Ihr nämlich in der Welt zu Haue. Habt Ihr vielleicht gerade einfach Eure „Limmer-Futter-Tage“? Jene Tage, an denen Ihr wirklich keinerlei Lust aufs Kochen habt und Euch bewusst wird, dass die Limmerstraße neben zahlreichen Shopping-Möglichkeiten vor allem eines bietet: reichlich zu essen. Egal, ob italienisch, asiatisch oder arabisch, auf der Limmerstraße bleiben kaum Wünsche offen. Das ist allerdings nicht das Einzige, was einem ein Gefühl von Unterwegssein vermittelt. Hier kommen nun unsere fünf Tipps, wie man auf der Limmerstraße locker durch die Welt reisen kann. Ganz ohne CO2-Ausstoß und pandemie-konform auf rund 650 Metern Fußgängerzone.

Little Italy

Was habe ich mich gefreut, als sich mitten auf der Limmerstraße urplötzlich eine Ladenfassade blau färbte und das Logo von „Luigi’s Supermercato“ erschien! Und das genau in einer Zeit, in der an Italien-Urlaub so gar nicht zu denken war. Mit großen Augen stand ich davor und befand mich geistig in Nullkommanix wieder in dem kleinen Supermercato in Santa Maria Navaresse auf Sardinien. Wird es dort auch leckere Grissinis mit Rosmarin geben? Oder vielleicht eine Packung „Pan di Stelle“? Hinter dem Konzept stecken natürlich die Macher*innen von Francesco & Fratelli. Ein Fan ihrer Pizza bin ich leider nicht, aber durch Luigi’s zu stöbern, macht trotzdem reichlich viel Spaß und erlaubt tatsächlich ein kurzweiliges Urlaubsfeeling. Die große Nudel-Auswahl und die dazugehörigen Saucen machen es zudem möglich, sich auch daheim eine möglichst original italienische Pasta zu kreieren. Und „Pan di Stelle“ haben sie auch. Von 9 bis 20 Uhr, freitags und samstags sogar bis 21 Uhr könnt Ihr also einen Abstecher nach Lindens „Little Italy“ machen.

Geschmackvoller Familienbetrieb

Keine Lust auf Pasta oder allgemein aufs Kochen? Verhungern muss man auf der Limmerstraße keineswegs – ein paar Euro in der Tasche reichen. Dabei dürfen die Geschmacksknospen gerne herausgefordert werden. Das Balkh Restaurant bietet zum Beispiel traditionelle iranische und afghanische Küche und besticht vor allem durch seinen Charme als Familienbetrieb. Klar, dort sitzen und speisen geht momentan nicht, aber genau wie die meisten anderen Lokale bietet auch das Balkh seine Speisen selbstverständlich to go an. Ganz gleich, ob Ihr es fleischig mögt, oder aber vegetarisch – das Balkh ist auf Euch eingestellt. Auf der Speisekarte stehen neben dem bekannten Kebab auch frisch zubereitete Salate, eine köstliche Linsensuppe mit Koriander, würzige Sambosa und diverse Reisgerichte. Jeden Tag für Euch verfügbar von 11 bis 22 Uhr. Für die ganz spät in den Tag Startenden ist also auch noch etwas da.

Ahoi aus Hanoi

Absolut kein Insider-Tipp, aber dennoch stets ein Besuch wert ist die vietnamesische Küche von Street Kitchen. Außerhalb des Lockdowns ist es an den meisten Tagen richtig schwierig, einen Platz zu finden. Nicht selten stapeln sich die leeren Mägen vor der Viet Cuisine und nehmen ihr Essen einfach mit nach Hause. Persönlich kann ich natürlich alles mit Tofu empfehlen. Der gebackene Tofu, egal ob auf Reis oder Reisnudeln, ist bei Street Kitchen ein echtes Highlight. Meine Lieblinge? Ganz klar „Dau Xao Dua“ mit fruchtiger Ananas-Note und Cury oder die handliche Sommerrolle, die auch im nordischen Winter schmeckt. Ein Blick auf die Tagesgerichte lohnt sich ebenfalls. Achtung aber bei kleinen Mägen, denn bei Street Kitchen bekommt man tatsächlich für verhältnismäßig wenig Geld – durchschnittlich 5 bis 7 Euro – riesige Portionen. Aber wie heißt es so schön: Sharing is Caring. Bestellt und abgeholt werden kann täglich von 12 bis 22 Uhr, sowie freitags und samstags bis 23 Uhr.

„Wie viel Falafel ist zu viel Falafel?“

„Wie viel Falafel ist zu viel Falafel?“ Objektiv betrachtet gibt es nicht zu viel Falafel. Es kommt, genau wie beim Essen bei Street Kitchen, auf die individuelle Magen-Größe an. Trotzdem schmetterte der britische Poet Harry Baker 2013 im Rahmen der internationalen Poetry Slam-Tage in Hannover genau diese Frage ins Publikum. Mein erster Gedanke dabei war: „War er bereits bei El Hadi?“. Denn so falafel-verliebt kann man eigentlich nur sein, wenn man auf der Limmerstraße bereits einmal die kleinen Bällchen im Teigmantel hatte. Egal ob mit oder ohne scharfe Sauce, gegessen werden sie bei El Hadi. Das war auch schon so, als ich noch süße siebzehn war. Fleisch-Liebhaber*innen empfehlen hingegen vor allem das üppige Schawarma-Sandwich. Ein Loblied auf den Humus singen aber nahezu alle. Wer sich jetzt direkt auf die Google-Bewertungen stützt, dem sei gesagt, dass das Ambiente von El Hadi selbstredend verbesserungswürdig wäre, allerdings ändert das nichts an den leckeren Teigtaschen. Zudem kann hier jeden Tag von 11.30 Uhr bis Mitternacht Essen vor Ort bestellt und abgeholt werden, sowie freitags und samstags sogar bis zwei Uhr nachts. Für den späten Snack sozusagen.

Lesefutter

Eure Mägen dürften nun hoffentlich gefüllt sein, und in Euren Nasen schwirren nun zudem die Gerüche vortrefflicher Gewürze umher. Gut so, aber wir dürfen das Lesefutter nicht vergessen. Linden ist glücklicherweise kein „bio-deutscher“ Stadtteil und an einem guten Tag hört man gerne mal mindestens drei unterschiedliche Sprachen auf der Straße. Linden ist vielfältig und bunt und genau das macht es eben aus. Deswegen ist es auch keinesfalls schwer, an einem der zahlreichen Zeitschriften-Kioske internationale Zeitungen abzugreifen. Mindestens ein Blick auf ausländische Berichterstattung hat noch niemanden geschadet. Mein frankophiler Nachwuchs holt sich beispielsweise nur zu gerne die französische Ausgabe der Le Monde diplomatique. Ihr wollt nun wissen, bei welchem Kiosk das möglich ist? Stöbert einfach selbst herum, denn so erlebt ihr „die Limmer“ dann in vollem Glanz.

Dienstag, 9. Februar 2021:
In fünf Stationen auf der Limmerstraße um die Welt, Limmerstraße, 30451 Hannover, Beginn jederzeit möglich

(Foto: Susanne Viktoria Haupt)

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Kategorien: Lokalitäten, Tagestipps, Unrat

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