Susanne Viktoria Haupt
10. Februar 2021

Zu Hause bleiben und vorlesen lassen

Geht nicht, gibt’s nicht: Auch die LiteraTour Nord 2021 fand statt, nur eben online statt offline. Zeit also, sich Olga Grjasnowas Lesung zu ihrem Roman „Der verlorene Sohn“ anzuschauen

Bringt uns eine längst vergessene Zeit näher: „Der verlorene Sohn“ von Olga Grjasnowa

Mit so viel Winter hatte man dieses Jahr dann doch nicht gerechnet, oder? Die letzten zwei Jahre lohnte es sich beispielsweise gar nicht, Winterschuhe zu kaufen, und nun stapfte man zu Beginn dieser Woche gefühlt durch einen halben Meter Schnee. Und auch, wenn dieser sich seiner klassischen Verwandlung hingibt – von weiß zu grau zu wässrig -, bleiben die Temperaturen dennoch in einem Bereich, der das kuschelige Sofa daheim noch attraktiver macht. Perfektes Lese-Wetter also, oder etwa nicht? Nun ja, wer beispielsweise eine schöne gemütliche Stunde draußen durch die Kälte gewatet ist, um ein wenig frische Luft zu tanken, wird schnell merken, dass die niedrigen Temperaturen einem tatsächlich mehr Energie abverlangen. Zu müde also fürs Lesen? Macht nichts, denn auf der Website des Literaturhaus Hannover lässt sich momentan noch die LiteraTour Nord 2021 genießen. Online und vor allem im Warmen.

Heute stellen wir Euch das Video zur bereits am 13. Januar stattgefundenen Lesung von Olga Grjasnowa vor. „Der verlorene Sohn“ von Grjasnowa bringt uns zurück in eine Zeit, die höchstwahrscheinlich kaum jemand einmal im Geschichtsunterricht beleuchtet hat. Es handelt sich hierbei um den Kaukasuskrieg, der von 1817 bis 1864 sein Unwesen trieb. Mit aller Macht versuchte das russische Kaiserreich damals, den kompletten Nordkaukasus unter seine Gewalt zu bringen. Und genau hier, besser gesagt im Jahr 1839, beginnt die Geschichte vom verlorenen Sohn.

Jamalludin ist der Sohn eines mächtigen Imams und kommt als Geisel an den Hof des Zaren. Dort allerdings beginnt Jamalludins ganz persönlicher Kampf, denn fortan ist er hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seiner eigentlichen Familie und den Aufstiegschancen, die er am Hof des Zaren haben könnte, sofern er sich den Regeln fügt. Doch was passiert eigentlich mit ihm, mit seiner eigenen Geschichte, wenn er sich von seiner Familie und seiner Kultur abwendet und sich ganz dem Zaren hingibt? Olga Grjasnowas Roman „Der verlorene Sohn“ kommt nicht ohne Klischees aus, besticht aber durch die gewohnte Präzision von Grjasnowa, die bereits ihren Romanen „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ und „Gott ist nicht schüchtern“ berechtigterweise zum Erfolg verholfen hat. Gut zum Anhören, gut zum Zuschauen und im Anschluss lässt sich das Buch natürlich auch herrlich im stationären Buchhandel bestellen. Also drinbleiben und vorlesen lassen. Das dürfte momentan sicherlich ein guter Ratschlag sein.

Mittwoch, 10. Februar 2021:
„Der verlorene Sohn“, Lesung von Olga Grjasnowa im Rahmen der LiteraTour Nord 2021, Beginn jederzeit möglich, Eintritt frei

(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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