Susanne Viktoria Haupt
15. Februar 2021

Zendaya!

Netflix trumpft derzeit mit seiner neuen Produktion „Malcolm & Marie“ auf und hat bereits mit der Besetzung einfach alles richtig gemacht

Ein filmischer Gruß mitten aus der Quarantäne: Sam Levinsons Coup „Malcolm & Marie“, Filmplakat

Filmproduktion mitten in der Pandemie? Durchaus möglich, sofern man nicht nur die finanziellen Mittel hat, sondern vor allem auf einen großen Cast verzichtet. Traurig natürlich für die Fan-Gruppe, die derzeit sehnsüchtig auf neue Plattitüden von „Bridgerton“ oder einer zweiten Staffel vom Klischee-Supergau „Emily in Paris“ wartet. Denn Auslandsproduktionen sind derzeit genauso wenig möglich wie neue Sex-Szenen zwischen Lady Violet Bridgerton und dem Duke of Hastings.

Regisseur und Drehbuchautor Sam Levinson hatte allerdings keine Lust zu warten und drehte seinen neuesten Streifen „Malcolm & Marie“ einfach in Quarantäne. Kein großer Cast, kein großes Tamtam und dann auch noch alles in Schwarz-Weiß. Ein Kammerspiel, bei dem der unrealistischste Moment wohl jener ist, als das Duo Malcolm (John David Washington) und Marie (Zendaya) zu Beginn von einer Party kommen. Anschließend kommt es zwischen dem glamourösen Pärchen zum Streit. Marie ist aufgebracht, weil Malcolm sie nicht in seiner Dankesrede erwähnt hat. Und das obwohl sie ihm mit aller Kraft den Rücken gestärkt hat. Fast zwei Stunden lang streiten Malcolm und Marie. Zwei Stunden lang geht es um verletzte Gefühle, um die Frage, wie sehr die eine Person die andere liebt, und ob diese Beziehung überhaupt noch Sinn macht. Ja, das ist ab und an ermüdend. Vor allem, weil jeder Mensch, der schon mal eine längere Beziehung hatte, genau weiß, wie solche Streitereien ablaufen. Je nachdem natürlich, wie stabil die Beziehung ist.

Aber was ist nun das Besondere an Levinsons Quarantäne-Coup „Malcolm & Marie“? Ein Wort, ein Name, drei Silben: Zendaya. In Amerika wurde die Sängerin und Schauspielerin bereits mehrfach ausgezeichnet und gefeiert, in Deutschland ist sie maximal bekannt als MJ in den neuen Spider-Man-Verfilmungen. Zugegeben, bereits dort spielte sie Tom Holland und alle anderen gnadenlos an die Wand. Regisseur Levinson kennt Zendaya allerdings von einer ganz anderen Zusammenarbeit, die hierzulande noch keinem breiten Publikum bekannt ist: „Euphoria“ heißt der düstere Hit aus seiner Feder, den man in Deutschland lediglich über Sky Ticket sehen kann, oder aber, wenn man sich die erste Staffel über Amazon kauft. Schade, denn „Euphoria“ ist nicht nur dramaturgisch so düster wie grandios, sondern lässt sämtlichen Schauspieler*innen die Möglichkeit, ihr Talent voll und ganz zu entfalten. Hier spielt Zendaya die junge Rue, die schon früh drogenabhängig wurde und trotz knallhartem Entzug nach einer Überdosis immer wieder kurz vor dem Rückfall steht. Eine harte Rolle, die man der gerade einmal 23-Jährigen Darstellerin aber voll und ganz abkauft.

Dieses wahnsinnige Talent von Zendaya ist es auch, dass in „Malcolm & Marie“ zum Tragen kommt und den knapp zweistündigen Streit aushaltbar macht. Mit deutlich weniger kompetenten Schauspieler*innen wäre es eine Farce in Schwarz-Weiß gewesen und man hätte gelangweilt abgedreht. Selbst der Umstand, dass man ihr mit John David Washington den Sohn von Denzel Washington gegenüber gestellt hat, untergräbt oder schmälert ihre Präsenz keineswegs. Denn Zendaya ist längst und völlig zu Recht ein Star und beherrscht ihr Handwerk. Da freut man sich direkt auf die zweite Staffel von „Euphoria“ und auf die Neuverfilmung von „Dune“, in der wir Zendaya an der Seite von Timothée Chalamet sehen dürfen. In Geduld wird man sich üben müssen, aber Zendaya hat schließlich mehrfach bewiesen, dass sich das Warten in diesen Fällen tatsächlich lohnt. Zu sehen ist Sam Levinsons „Malcolm & Marie“ auf Netflix.

Montag, 15. Februar 2021:
„Malcolm & Marie“, Spielfilm von Sam Levinson, USA 2021, 106 min., abrufbar auf Netflix

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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