Susanne Viktoria Haupt
1. November 2010

Verwirrung auf ganzer Linie

Seitenansicht: „Alle Menschen lügen“ von Alberto Manguel

Alberto Manguel: “Alle Menschen lügen”, Buchcover

Alberto Manguel: „Alle Menschen lügen“, Roman, 240 Seiten, S. Fischer Verlag, ISBN-13: 978-3100487575, 19,95 Euro

Nichts als die Wahrheit. Oder etwa doch nicht? In seinem neuen Roman lässt der argentinische Schriftsteller Alberto Manguel die Grenzen von Wahrheit und Lüge zu einer fast unkenntlichen Masse verschmelzen. Sein Protagonist Alejandro Bevilacqua nimmt die verschiedensten Rollen ein. Zunächst lebt er in Buenos Aires und wird vom diktatorischen Regime gefoltert, später stirbt er im spanischen Exil. Gefallen vom Balkon. Oder etwa nicht? Schriftsteller war er auch, doch sein meisterhaftes Romanwerk hat er angeblich geklaut.

Ein politisch Verfolgter, ein unglaublicher Pechvogel, ein Wortdieb und doch ein Opfer – mit der Hauptfigur stellt Manguel seinen Lesern eine brillante Falle. Er versteht es, uns mit vielen zweifelhaften Informationen zwar Wissen einzuflößen, aber dennoch im Dunkeln stehen zu lassen. Das, was sich eben noch zu einem Bild geformt hat, kann nach ein paar weiteren Leseminuten wieder völlig zerbrechen. Undurchsichtig und vielschichtig wie die Geschichte Argentiniens und der schwindelerregende Blick auf die Militärjunta schickt uns jede umgeblätterte Seite wieder auf neue Spuren. Immer mit der einen Frage im Hinterkopf: Gibt es so etwas wie die Wahrheit überhaupt? Mit humorvollem und gleichermaßen tragischem Ton schafft es der in Frankreich lebende Autor, uns Leser immer wieder neu in Spannung zu versetzen.

„Seitenansicht – die Kritik zum Einstecken“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius, wo sie als Postkarte erhältlich ist.

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Kategorien: Literatur

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