Susanne Viktoria Haupt
26. Februar 2021

Archiv attraktiv

Wer hat an der Uhr gedreht? langeleine.de natürlich! Gemeinsam mit Euch begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise durch das hauseigene Archiv und blicken weit, weit zurück

Jörg Smotlacha und Henning Chadde im Interview mit der Kollegin Susanne Haupt

Zehn Jahre ist es her: Jörg Smotlacha, Henning Chadde und die Autorin dieses Artikels am Standort der langeleine-Firmenzentrale

Häufig greifen Serienmacher*innen nach einer gewissen Fülle von Folgen auf einen bekannten Kniff zurück: die Rückblick-Folge. Von manchen gehasst, von mir persönlich geliebt, rekapituliert sie einige der besten bisherigen Serien-Momente. Kritiker*innen argumentieren dabei stets, dass es sich um bloße Lückenfüller-Folgen handeln würde und sich die Macher*innen damit einfach nur selbst auf die Schulter klopfen wollen. So what?! Nichts anderes werden wir heute übrigens auch hier auf langeleine.de machen. Wir präsentieren Euch fünf Evergreens aus dem Archiv. Schon alleine deswegen, weil wir trotz Präsenz-Kulturpause und Pandemie täglich weiterhin Tagestipps liefern und dabei ganz kreativ über uns hinausgewachsen sind. Wir klopfen uns also mal selbst auf die Schulter. Das staubt auch gleich ein wenig ab.

Unsere persönliche Zeitreise beginnt jetzt sofort und katapultiert uns zurück ins Jahr 2005. Was für ein Jahr! Tokio Hotel feierten mit „Durch den Monsun“ einen Hit, und noch niemand dachte daran, dass einer von ihnen mal das Bett mit Heidi Klum teilen würde. Der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger wurde Papst und in Deutschland gleichzeitig zum ersten Mal eine Frau Bundeskanzlerin. Ja, ganz richtig gehört, das ist dann im Herbst 16 Jahre her. Noch kurz davor, genauer gesagt am 2. Juni 2005 erblickte zunächst der erste Beitrag auf langeleine.de das Licht des World-Wide-Webs. Ganz simpel in Form eines frechen Comics stürzten die Gründer*innen sich damals gemeinsam ins Abenteuer. Nicht alle blieben als feste Mitglieder*innen, aber stets im Herzen Teil von langeleine.de. Und wenn wir bis Ende des Jahres durchhalten, dann haben wir es länger geschafft als Angela Merkel. Wenn das mal kein Meilenstein ist!

Ein Doppelleben als Underground-Rockstar und andere Geschichten

Was langeleine.de schon immer gut konnte und immer noch kann, sind Portraits und Interviews. Wen hatten wir nicht alles bereits zu Besuch, mit wem waren wir nicht alles schon im Gespräch! Darunter auch gerne mal internationale Stars, wie zum Beispiel der amerikanische Anti-Folk-Musiker Adam Green, mit dem ich 2010 telefonieren durfte. Eigentlich wollten wir uns damals direkt vor Ort treffen, aber Green stand leider ewig und drei Tage im Stau und so griffen wir kurzerhand zum Telefon. Kurz und knapp und mit Sicherheit nicht das beste Interview auf langeleine.de, dafür aber einfach eine witzige Geschichte, die vor allem mit sehr viel Nervosität zusammenhing.

Voraussetzung für langeleine.de ist übrigens, dass man irgendwie eine Art geheimes Doppelleben führt, von dem wir nur ab und zu anderen einen Einblick gewähren. Gut eignet sich dafür übrigens in irgendeiner krautigen Band zu spielen, die hier und da mal auftritt, irgendwo im Gewerbegebiet einen Proberaum hat und mit der man damals, als Armbanduhren noch keine Mini-Computer waren, eine eigene CD aufgenommen hat. So in einer Auflage von 20 Stück, wobei man noch drei zu Hause hat, um neue Freund*innen zu beeindrucken. Spaß beiseite, wir sind alle irgendwie wahnsinnig vielseitig und neben Henning Chadde, bei dem wir wissen, dass er ordentlich laut ins Mikro grölen kann, gibt auch Jörg Smotlacha seine musikalischen Ergüsse gerne zum Besten. Und zwar möglichst mit seiner Band Gehøvenen, die nicht nur zum Beispiel 2008 beim 11. April-Festival im Béi Chéz Heinz aufgetreten sind, sondern immer noch existieren. In unregelmäßigen Abständen, die derzeit auch pandemiebedingt etwas größer ausfallen, kommen die Jungs der „Dreckrocker“ (Zitat Henning Chadde) zusammen und frönen ihr geheimes Leben als Underground-Rpckstars. Ihr wollt mal ein Konzert im Live-Stream haben oder aber irgendwann in der Post-Pandemie Gehøvenen live sehen? Dann schreibt einfach an die Team-Adresse von langeleine.de und wir sammeln den Zuspruch.

Nicht nur über Kultur schreiben, sondern auch Kultur machen

Ja, Live-Konzerte gehen derzeit nicht. Das hält uns aber keinesfalls davon ab, in Erinnerungen zu schwelgen. Ganz im Gegenteil sogar. Wir erinnern uns nur zu gerne daran, wie es ist, wenn fünfhundert schwitzende Menschen ihre Köperflüssigkeiten gleichzeitig ausdünsten und man dicht gedrängt im selben Rhythmus zur Musik die Gliedmaßen bewegt. Konzertkritiken mit Mehrwert sind auch so eine Sache, die langeleine.de immer gut konnte und kann. Wir reisen nun zurück ins Jahr 2006, als Barbara Mürdter sich regelmäßig in den Hallen Hannovers herumgetrieben hat und die geilsten Live-Shows einfing. Hier nicht nur auf dem Konzert, sondern auch im Gespräch mit der Latin-Ska-Legende Panteón Rococó. Wer sich bereits seit einigen Jahren im Konzertleben Hannovers herumtreibt, der wird die Jungs sicherlich schon einmal live erlebt haben, zum Beispiel auf dem Fährmannsfest. Wer das Vergnügen noch nicht hatte, wird sich nach dem Genuss dieser Konzertkritik sehnlichst danach verzehren und noch mehr von den Post-Pandemie-Zeiten träumen.

Wir verweilen ausnahmsweise nochmal im Jahr 2006. Ganz einfach, weil in diesem Jahr bei langeleine.de so viel Schönes passiert ist. Neben fetzigen Konzerten, die Barbara damals so erstklassig eingefangen hat, debütierte nämlich auch der Kulturkiosk. Am 10. November 2006 packte das Moderations- und Redaktionsteam Henning Chadde und Jörg Smotlacha die ersten bunten Tüten zusammen und starteten mit dem Kulturkiosk die eigene kleine, aber feine Veranstaltungsreihe unter der Schirmherrschaft von langeleine.de. Ach, ich will Euch vom Abendprogramm gar nicht zu viel erzählen, dafür könnt Ihr charmant einfach dem Link folgen, aber hey, da war wirklich alles dabei. Von Film über Musik bis zur Literatur und später dann auch Kunst. Vielleicht ein Grund, um nach der Pandemie mal ein ganzes Wochenende eine Art Kultur-Soirée zu veranstalten. Natürlich mit bunten Tüten, bekannten und neuen Gesichtern und einem abwechslungsreichen Programm. Ich bin schwer dafür, Ihr auch?

So, das war es auch schon mit unserer kurzen, aber feinen Zeitreise. Ihr dürft aber natürlich alleine weiterreisen und Euch durchs Archiv wühlen. Von irren Plattenkritiken, Live-Erinnerungen und wahnwitzigen Interviews kann man doch nie genug bekommen, oder? Und irgendwie lässt sich so auch ein wenig die Zeit überbrücken. Bis wir uns wiedersehen können, wieder gemeinsam den Lesungen und Konzerten lauschen können und uns in Kinos gegenseitig mit Popcorn bewerfen dürfen.

Freitag, 26. Februar 2021:
Fünf Evergreens aus dem Archiv von langeleine.de, jederzeit abrufbar, kostet nix, macht aber Spaß

(Foto: Florian Haupt)

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Kategorien: Literatur, Lokales, Musik, Tagestipps, Unrat

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