Susanne Viktoria Haupt
28. Februar 2021

Der erste Sinn

Kultur für kleine und große Musik-Liebhaber*innen: Auch die Staatsoper Hannover verlagert ihr Programm ins Netz und erfreut heute mit „Live in Space: Das Horn“

Hier wird auch die junge Zuschauerschaft nicht vergessen: „Live in Space: Das Horn“ bringt den Kleinen das wundersame Klangleben der Instrumente digital näher

Wusstet ihr, dass der Hörsinn tatsächlich der erste Sinn ist, über den ein menschliches Wesen seine Umwelt wahrzunehmen beginnt? Noch bevor Babys in der Entstehung etwas ertasten, schmecken oder überhaupt sehen können, lauschen sie ihrer Umgebung sehr aufmerksam. Zunächst hören sie das Rauschen des mütterlichen Blutes und die Herztöne, später dann – wenn auch gedämpfter – Töne und Stimmen von außen. Etwa ab der 25. Woche entwickeln Babys im mütterlichen Leib ein einfaches Erinnerungsvermögen. Das bedeutet, dass sie die Lieder und Stimmen, die sie häufiger hören, nach der Geburt auch wiedererkennen können, wodurch ihnen ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit vermittelt wird. Kein Wunder also, dass Babys und kleine Kinder ihre Umwelt zunächst über ihre Sinne kennenlernen. Schließlich ist für sie vieles noch neu, also hören, schmecken, riechen, fühlen und sehen sie deutlich intensiver und aufmerksamer als die meisten Erwachsenen.

Das ist nur einer der zahlreichen Gründe, warum ich persönlich Kulturerlebnisse für die Kleinen als elementar betrachte. Klar, es geht nicht um den großen intellektuellen Diskurs, aber ganz ehrlich, wer bereits mit Kindern zusammengearbeitet hat, der weiß genau, dass die Kleinen manchmal sehr kluge Dinge von sich geben und ihre Gedanken unglaublich tief sein können. Ihre Wahrnehmung ist, da sie sich auf die sinnlichen Eindrücke konzentriert, oftmals so pur und unverfälscht, dass diese selbst erwachsenen Betrachtenden noch wesentlich mehr über ein Kunstwerk oder ein Musikstück verraten als ein dickes Buch. Wenn wir also momentan alle den Clubs, dem abendlichen Bier in der Kneipe oder einem Kinobesuch hinterhertrauern, dann sollten wir nicht vergessen, dass nicht nur wir Großen ein Bedürfnis nach sinnlicher Stimulation und kulturellen Leben haben, sondern es den Kleinen genauso ergeht.

Die Staatsoper Hannover hat sich während des Lockdowns sehr ins Zeug gelegt und ein vielseitiges Online-Programm zusammengestellt. Unter dem Motto „Sind wir uns nah?“ sind hier unter anderem Ballett-Premieren zu sehen. Heute allerdings richtet sich das Programm vornehmlich an Kinder ab vier Jahren. Mit „Live in Space: Das Horn“ wird ihnen am heutigen Sonntag das gleichnamige Instrument nähergebracht. Das lautstarke Blechblasinstrument ist alles andere als leicht zu spielen, aber gerade auf Grund seines unverwechselbaren Sounds ein gern gesehener Teil der Kammermusik und des Orchesters. Deshalb ist heute der Horn-Spieler Stephan Schottstädt dabei. „Live in Space“ kostet keinen Eintritt, allerdings eine halbe Minute Zeit, um sich anzumelden, damit der Zoom-Link auch verschickt werden kann. Und wer das heute richtig gut findet, der darf sich bereits auf den 7. März freuen, denn da widmet sich das Projekt dem Fagott.

Sonntag, 28. Februar 2021:
„Live in Space: Das Horn“, Musik.er.leben für Familien, Online-Veranstaltung der Staatsoper Hannover, Beginn: 16 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

(Foto: Pressefoto/Staatsoper Hannover/Clemens Heidrich)

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Kategorien: Medien, Musik, Tagestipps

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