Susanne Viktoria Haupt
1. März 2021

Nicht der erste, sondern der zweite Jakob

Auf der Flucht vor den dunklen Schatten der eigenen Vergangenheit: Der österreichische Schriftsteller Norbert Gstrein liest seinen neuen Roman im Literaturhaus Hannover

Hat sich mit seinem neuesten Werk selbst ein vorzeitiges Geschenk zum runden Geburtstag gemacht: Norbert Gstrein, Buchcover „Der zweite Jakob“

Zugegeben, die Überschrift dieses Tagestipps ist ein sehr flacher Wortwitz. Aber was soll’s, Spaß muss sein und die deutschsprachige Literatur kann durchaus den ein oder anderen Lacher vertragen. Vor allem, wenn wir derzeit immer noch nicht die Freuden von Live-Lesungen genießen können. Macht aber nichts, denn zumindest online nimmt uns der österreichische Schriftsteller Norbert Gstrein mit auf eine Reise durch seinen neuesten Roman „Der zweite Jakob“. Und genau wie sein hochgelobter Vorgänger „Als ich jung war“ kommt auch „Der zweite Jakob“ mit Gstreines astreinem Erzählstil um die Ecke. Nicht ohne dabei ein besonderes Ereignis des Schriftstellers selbst mit einfließen zu lassen.

Genau wie sein Protagonist Jakob wird Gstrein nämlich dieses Jahr 60 Jahre alt. Jakob allerdings tut sich damit wahrlich schwer, zumal er von seiner Tochter gefragt wird, was das Schlimmste sei, was er je getan hätte. Dabei muss sich Jakob doch ohnehin gerade schon viel zu viel mit seinem eigenen Leben auseinandersetzen, denn er ist ein erfolgreicher Schauspieler, der seinen runden Geburtstag als Aufhänger für eine Biographie nimmt und bereits seit geraumer Zeit eine neugierige Person um sich herum wuseln hat, die hinter die Fassade blicken will. Dieses „hinter der Fassade“ behagt Jakob überhaupt nicht, denn nicht nur, dass es dort zahlreiche dunkle Flecken gibt, will er auch eigentlich auf Biegen und Brechen nicht über eben genau diese sprechen. Vornehmlich, weil ihm dazu direkt Schlagwörter wie mexikanisch-amerikanische Grenze und Frauenmörder zu einfallen. Hinter dem ersten Jakob steckt also noch ein zweiter mit zahlreichen Geheimnissen.

Was es mit Jakobs dunklen Flecken auf sich hat, erfährt, wer sich schlicht und ergreifend den neuesten Streich von Norbert Gstrein im Buchhandel bestellt. Wer sich allerdings noch unsicher ist, ob das schlussendlich auch alles so spannend und sprachlich ausgefeilt ist, wie hier dargestellt, kann einfach mal in der Mediathek des Literaturhaus Hannovers vorbeischauen. Dort war Norbert Gstrein nämlich zu Gast und hat aus „Der zweite Jakob“ nicht nur gelesen, sondern sich auch den neugierigen Fragen von Gabriela Jaskulla gewidmet. Keine Sorge, falls Ihr heute oder morgen nicht direkt dazu kommt. Ihr habt noch ein wenig Zeit, denn Gstreiners Lesung ist noch bis zum 23. Mai im Stream kostenfrei verfügbar.

Montag, 1. März 2021:
„Der zweite Jakob“, Online-Lesung mit Norbert Gstrein, Literaturhaus Hannover, Beginn jederzeit möglich, Eintritt frei, verfügbar in der Mediathek bis zum 23. Mai 2021.

(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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