Roman Kansy
27. Februar 2021

Der Evolutionsdruck im Theater führt auf neue Pfade

Dass Theater und Zoom-Meetings eine produktive Symbiose bilden können, zeigt heute Abend das Staatstheater Hannover mit dem Stück „Im Herzen tickt eine Bombe“

Intensiv: die starken Monologe von Schauspieler Nicolas Matthews, Szenenfoto aus „Im Herzen tickt eine Bombe“

Konzerte dicht, Kinos dicht, soziales Leben dicht und auch die Theater sind, so wie fast alles, dicht. Ich erzähle niemandem etwas Neues und man ist sich gemeinhin einig, dass etwas passieren muss, um nicht zuletzt das kulturelle Leben wieder in Gang zu bringen. Angesichts des Umstandes, dass in Sachen Lockdown das Licht am Ende des Tunnels noch nicht sichtbar ist, herrscht in der Kultur mittlerweile Evolutionsdruck, sich an die neuen Umstände anzupassen. Glück im Unglück: So blöd die momentane Situation für Kulturschaffende und Kultur-Interessierte ist, kann man doch auch froh sein, einfach auf digitale Ausweichmöglichkeiten zurückgreifen zu können. Mittlerweile hat man auch im hannoverschen Staatstheater den digitalen Weg für den Erhalt des kulturellen Lebens eingeschlagen. Zwar bleiben die Plätze vor der Bühne leer, aber immerhin geht das Leben auf ihr weiter.

Das Stück „Im Herzen tickt eine Bombe“ handelt von der Geschichte eines jungen Mannes (Nicolas Matthews), der mitten in der Nacht an das Sterbebett seiner Mutter gerufen wird. Die Zuschauer*innen verfolgen seinen angst- und sorgenerfüllten Weg ins Krankenhaus und sind dabei Zeugen seiner Monologe. Auf dieser Reise erfahren wir von der Wut, der Trauer und den Ängsten, die Wahab, so der Name des Protagonisten, auf seinem schweren Pfad heimsuchen. Wir erkennen seinen Kampf, den er gegen das Trauma, das ihn seit Kindestagen verfolgt, austrägt.

Ursprünglich wurde „Im Herzen tickt eine Bombe“ für das Hoftheater im Sommer 2020 konzipiert. Für die digitale Wiedergeburt der Aufführung erarbeiteten Nicolas Matthews und Regisseurin Hannah Gehmacher den Text neu. Dabei machten sich die beiden das unmittelbare Moment und das damit verbundene direkte Erleben klug zu nutze, das die Übertragung auf Bildschirme mit sich bringt. „Echtes“ Theater ist live und so auch der digitale Zwillingsbruder: Die Zuschauer*innen sind in Echtzeit zugeschaltet und wer mag, darf im Anschluss an die Vorstellung mit dem verantwortlichen Team ins Gespräch kommen. Für die Teilnahme wird die Software Zoom benötigt, Zuschauer*innen erhalten nach dem Kartenverkauf eine E-Mail mit einem Link, der zu der Veranstaltung führt. Weitere technische Details zum Ablauf sowie Hinweise auf die Netiquette und die Datenschutzbestimmungen lassen sich auf der Homepage des Schauspielhauses finden.

Samstag, 27. Februar 2021:
„Digitale Bühne: Im Herzen tickt eine Bombe“, Theaterstück, Schauspielhaus Hannover, Online-Veranstaltung auf Zoom, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 5 Euro

(Foto: Pressefoto/Niedersächsisches Staatstheater/Kerstin Schomburg)

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Kategorien: Bühne, Medien, Tagestipps

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