Susanne Viktoria Haupt
10. März 2021

Liebe als Kunstwerk

Die Dokumentation „John & Yoko“ wirft ein spannendes Licht auf das wohl berühmteste Liebespaar der 1960er- und 1970er-Jahre

Ein Statement: Die Doku „John & Yoko“ von Michael Epstein ist derzeit in der Arte Mediathek zu sehen

Yoko Ono war Schuld. Noch heute hält sich hartnäckig der Glaube, dass Yoko Ono verantwortlich für die Trennung der wohl berühmtesten Boygroup der Welt ist. Sie sei Schuld am Untergang der legendären Beatles. Frauen, deren Partner*innen Musiker*innen sind, werden gerne auch in Krisenzeiten als Yoko Ono bezeichnet. Die Frau gegen die Musik. Ein äußerst langweiliger Gedanke, aber nun gut. Dennoch, oder gerade deswegen hat die Beziehung zwischen Yoko Ono und John Lennon für Aufsehen gesorgt. Nicht zuletzt deswegen, weil beide ihre Beziehung nicht nur mit der eigenen künstlerischen Seele durchzogen hatten, sondern sie auch selbst wie ein besonderes Kunstwerk inszenierten. Jeder kennt wahrscheinlich das berühmte Foto von John und Yoko im Bett. Jeder will „Peace a Chance“ geben. Die Beziehung von John und Yoko war nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein politisches Statement.

Die Arte Mediathek zeigt derzeit mit der Dokumentation „John & Yoko“, wie und warum dieses politische Statement mit seinem Inhalt immer noch von Relevanz ist. Und warum Yoko Ono einzig und allein mit ihrer asiatischen Herkunft die britische Presse als tief rassistisch entlarvte. Denn genau wie viele andere kontroversen Promi-Paare – derzeit lässt sich das leider sehr gut an Prince Harry und Meghan Markle beobachten -, litten auch John Lennon und Yoko Ono unter den Attacken der Presse und zogen sich zwischenzeitlich sogar wieder aus dem Rampenlicht zurück. „John & Yoko“ ist dementsprechend viel mehr als eine Dokumentation über die „Imagine“-Lovestory der beiden Ikonen, sondern gewährt einen Blick hinter die Fassade und die Mechanismen, die seinerzeit medial in Gang gesetzt wurden.

Mittwoch, 10. März 2021:
„John & Yoko“, Dokumentation von Michael Epstein, GB 2018, 90 min., noch bis zum 3. Mai abrufbar in der Arte Mediathek

(Foto: Pressefoto/Arte)

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Kategorien: Film, Musik, Tagestipps

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