Susanne Viktoria Haupt
14. März 2021

Das eine geht nicht ohne das andere

Blasphemie existiert bereits genauso lange wie der Glaube an Gott selbst. Mit „Verfluchte Götter“ wirft Gerd Schwerhoff für das Literaturhaus Hannover einen Blick hinter die Mechanismen

Eine 2000 Jahre alte Beziehung zwischen zwei Buchdeckeln: „Verfluchte Götter“ von Gerd Schwerhoff, Buchcover

„Always Look on the Bright Side of Life“ singen sie am Ende von Monthy Pythons Film „Das Leben des Brian“ und hängen dabei am Kreuz. So lustig wie in dem Klassiker von 1979 ist Blasphemie und Gotteslästerung aber nicht immer. 2015 verübten islamistische Terroristen einen Anschlag auf die Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ in Paris, da diese 2006 die Mohammed-Karikaturen von Kurt Westergaard abgedruckt hatten. Elf Personen kamen dabei grausam ums Leben. Trotzdem verfluchen wir weiterhin die Götter, wenn uns danach ist, und religionsbezogene Satire ist, wenn auch deutlich reduziert auf bestimmte Gottheiten, immer noch gefragt. In unserer Gesellschaft ist es beispielsweise völlig anerkannt, wenn man in einem brisanten Moment „Oh mein Gott“ ausruft, ohne dabei den christlichen Vater zu meinen. Nur ein*e katholische*r Hardliner*in würde uns dabei einen bösen Blick zuwerfen. Was wir sagen und sagen können, ist immer abhängig vom Diskurs.

Aber warum tun wir das überhaupt? Warum beleidigen, verfluchen und karikieren wir Gottheiten und manchmal sogar völlig zügellos? Bieten sie mit ihrem vermeintlich fehlerlosen Verhalten einfach nur eine gelungene Angriffsfläche oder liegt unser Verhalten gar daran, dass sie sich nicht wehren können? Zumindest ist dies das vorherrschende Verständnis. Gerd Schwerhoff ist Historiker und beschäftigte sich für sein Buch „Verfluchte Götter“ ausgiebig mit dem Thema der Blasphemie und Gotteslästerung. Fakt ist, dass diese Themen genauso alt sind, wie der Glaube an die Götter selbst. Das eine geht scheinbar nicht ohne das andere. Fakt ist für ihn auch, dass die kleinen und größeren Gotteslästerungen immer in einem größeren Kontext zu betrachten sind und auf größer angelegte Konflikte verweisen. Was er damit genau meint, und warum wir schlussendlich bei aller Gottesfurcht schon vor 2000 Jahren beleidigend über die Stränge geschlagen haben, hat er gemeinsam mit dem NDR-Kulturredakteur und Kirchenmusiker Jan Ehlert für das Literaturhaus Hannover ausdiskutiert. Zu sehen ist das Gespräch noch bis morgen in der Mediathek des Literaturhauses Hannover.

Sonntag, 14. März 2021:
„Verfluchte Götter“, Ein Gespräch mit Gerd Schwerhoff, Literaturhaus Hannover, Video in der Mediathek des Literaturhauses Hannover, Eintritt frei, das Video ist noch bis zum 15. März abrufbar

(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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