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Rap als Feminist*in?

Musik x Feminismus: Nicht selten werden Frauen* in Rap-Texten sexualisiert und als Statusobjekte betrachtet. Ist es möglich, Feminist*in zu sein und Rap zu hören?

Rapperin und Feministin: Sookee

Triggerwarnung: Sexismus, Frauen*feindlichkeit

„Du willst keine Liebe, denn du bist Material / Du weißt, jeder Mann, der was auf sich hält, schaut dich an“ – Der Song „Madonna“ von Bausa vs. Apache 207 steht auf Platz 1 der deutschen Spotify-Charts. Ein Beispiel von vielen, denn Rap bildet das kommerziell stärkste Genre in Deutschland. „Die Drugs auf’m Tisch, die Schlampen um mich“ (187 ft. Gzuz). Warum sind solche Songtexte erfolgreich? Hat die HipHop-Szene ein Sexismus-Problem? Gerappt wird mal wieder häufig von Männern, unter den Zuhörer*innen ist aber auch eine große Anzahl an Frauen*. Kann man Feminist*in sein und trotzdem Rap hören?

Geld, Autos, Frauen…

Geld, Autos und Frauen – daraus besteht häufig der einzige Inhalt von Songtexten im sogenannten Gangster-Rap, gerappt von Männern. Eigentlich sind sie zu bemitleiden, denn sie reproduzieren in ihrer Musik konservative Denkmuster zu Geschlechterrollen und werfen sich selbst in das Haifischbecken der toxischen Männlichkeit. Jungs müssen stark sein, keine Gefühle zeigen, Weinen ist etwas für Mädchen. Um in der Gesellschaft als besonders „männlich“ angesehen zu werden, wollen Männer möglichst hart wirken. Das äußert sich nicht selten auch durch Gewalt gegen Frauen* und generell Menschen, die weniger „männlich“ erscheinen. Innerhalb solch eines gefährlichen Selbstbildes bleiben scheinbar nur drei „Dinge“: Geld, Autos und Frauen.

Die Texte weisen Frauen* außerdem eine bestimmte Rolle zu, die zu ihrem Bild passt. Reflektierte Feminist*innen mit positivem Körperbild, Haaren an den Beinen? Auf keinen Fall. Die Frauen*, die in Rap-Texten objektifiziert werden, sind glatt rasiert, schlank, haben große Brüste und Ärsche, sind selbstverständlich hetero und wollen den Männern gefallen. Sie stehen besonders auf koksende, reiche Typen, die mit ihrem Geld prahlen: „Hals ist trocken, doch ich seh‘ nur nasse Frauen / Ich lad‘ sie alle ein, sie kommt zu mir nach Haus‘ / Afterparty in ’ner Suite und es artet aus / Poppe den Champagne auf die ganze Masse drauf / Bitch hat Komplexe, weil sie einen Vater braucht / Respektlose Nächte, ist das erlaubt?“ (Jamule ft. Capital Bra: „No Comprendo“).

Rap als Feminist*n?

Rap als Feminist*in? Die Antwort lautet trotzdem ja! Natürlich gibt es nicht nur frauen*feindliche Texte im HipHop. Nicht nur Rapper, auch immer mehr Rapperinnen. Dass die Szene voll von Sexismus ist, lässt sich jedoch nicht leugnen. Und wer als Feminst*in gerne Rap hört, hat es nicht immer leicht. Über dieses Thema sprachen Lina Burghausen, Gründerin von „365 Female* MCs“, und Ana Ryue, bekannt von „Don’t Let The Label Label You“ in einer Zoom-Veranstaltung vom Bündnis Feminismus und Emanzipation aus Göttingen erst am 11. März.

„Rap hat kein größeres Sexismusproblem als der Rest der Gesellschaft“, sagt Ana dazu. Im Schlager und in der Popmusik gebe es ähnlich sexistische Songtexte, nur schöner formuliert. Da HipHop kommerziell aber erfolgreicher ist, sei er aufgrund höheren Einflusses aber auch gefährlicher für das gesamtgesellschaftliche Denken. Bereits Kinder und Jugendliche würden zusätzlich zum vorherrschenden Alltagssexismus von überkompensierten Männlichkeitskonstrukten und veralteten Rollenbildern geprägt, die im Rap nach wie vor präsent sind. „Dass mehr Frauen* einsteigen, tut der Rap-Szene gut“, so Ana. Für sie ist mancher Rap durch Sexismus ungenießbar. Sie ist Feministin, dennoch bleibt sie ihrer Liebe zum Genre treu.

„Sexismus und Rassismus machen, dass sich Menschen nicht sicher fühlen, und das ist es, was in den Texten reproduziert wird“, erklärt Lina. Sie ist Feministin und im Rap zu Hause. Um mehr Frauen* im HipHop eine Plattform zu geben, betreibt sie den Blog „365 Female MCs“, wo sie regelmäßig Rapper*innen vorstellt. „HipHop drehte sich von Anfang an darum, Räume zu erobern, wo man nicht rein kam“. Jetzt schaffen sich Frauen* immer mehr ihre Räume im Rap.

Und wenn die Songtexte zwar sexistisch, rassistisch oder homophob, aber ironisch gemeint sind? Kann man sich sowas als Feminist*in anhören? Klar. Die Frage ist nur, ob Feminist*innen, die sich eh schon den ganzen Tag mit dem Sexismusproblem des HipHop auseinandersetzen, überhaupt noch Lust darauf haben. „Dann brauche ich das nicht auch noch ironisiert“, sagt Lina dazu. Obwohl Rapper wie beispielsweise K.I.Z ihre Texte nicht ernst meinen, greifen sie Themen wie Frauen*feindlichkeit und Homophobie auf. Die einen feiern es als wichtiges Statement, die anderen sind genervt, da Problematiken reproduziert werden, die eh schon im Überfluss unsere Gesellschaft und die Musik beherrschen. Dann lieber Sookee, FaulenzA, Ebow, SXTN, Peaches oder M.I.A auf die Ohren. Noch viel mehr Rapperinnen gibt’s in der Playlist [1] von Linas Blog.

(Foto: Michael Lamertz/Flickr, Copyright: CC BY-NC-SA 2.0 [2])

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