Susanne Viktoria Haupt
18. März 2021

Q wie queer

Zeigt die Flexibilität und Macht der Sprache: Ijoma Mangold diskutiert im Rahmen der Reihe „ABC der Demokratie“ heute mit der Autorin Enis Maci

Ganz in seinem Element: Ijoma Mangold präsentiert für das Schauspielhaus Hannover treffsicher das „ABC der Demokratie“

Ein bisschen Auffrischung hinsichtlich der Grundlagen der Demokratie scheint besonders in diesen Zeiten eine sehr gute Idee zu sein. Demokratie, was ist das denn überhaupt? Garantiert nicht ein „Survival of the Fittest“ oder gar ein System, das auf Angst und Schrecken basiert. Zumindest sollte es das gerade nicht. Im demokratischen Kontext, im öffentlichen Diskurs, stoßen wir zunehmend auf eine Hülle und Fülle von Begriffen, die uns neu sind, oder die zwar nicht neu, aber dennoch irgendwie immer noch unverständlich sind. Das liegt vor allem an der Deutungsflexibilität der Sprache. Schlicht daran, dass Sprache weiterhin arbiträr funktioniert und gerade neu konventionell geregelte Begriffe sich zunächst langsam ein festes Bedeutungskleid anziehen müssen. Und selbst dann unterliegen Begriffe immer auch einer historischen Variablen und können sich wandeln, wie kleine Chamäleons.

So auch der Begriff „queer“. Queer, was ursprünglich mal einfach so etwas wie „fremdartig“ bedeutet hat, wurde im britischen Sprachraum einst als Beleidigung für Homosexuelle genutzt. Das kennen wir nur zu gut mit dem Begriff „schwul“, denn auch wenn es keinerlei Beleidigung im eigentlichen Sinne darstellen soll, ist auf Schulhöfen vieles einfach „schwul“, was eigentlich nur doof ist. Irgendwann haben sich homosexuelle Menschen diesen Begriff allerdings zu eigen gemacht und für sich selbst benutzt. Ganz offen, ganz stolz, ohne negative Konnotation. Das hat die einstige Beleidigung nicht nur im ursprünglichen Sinne entmachtet, sondern ihr eine ganz neue Macht mit positiver Identität zugeschrieben. Heute ist queer, was nicht der Hetero-Normativität entspricht, was nicht dem Cis-Gender zugerechnet werden kann. Und zwar ausgehend von der Perspektive der Beteiligten und nicht der intoleranten Suppe, die sich nun (leider) neue Beleidigungen suchen muss!

Über den Begriff „Queer“ im Panorama-Blick diskutiert heute der Journalist und Autor Ijoma Mangold gemeinsam mit der Autorin Enis Maci im Rahmen der Reihe „ABC der Demokratie“ des Schauspielhauses Hannover. Das wird nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam. Wichtig ist allerdings, dass ihr Euch vorab anmeldet, um an der Zoom-Veranstaltung teilzunehmen. Die Plätze sind zwar kostenfrei, aber dennoch begrenzt.

Donnerstag, 18. März 2021:
„Digitale Bühne: ABC der Demokratie. Q – Queer“, Online-Diskussion mit Ijoma Mangold und Enis Maci, eine Veranstaltung des Schauspielhauses Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung notwendig

(Foto: Pressefoto/Schauspielhaus Hannover/Kerstin Schomburg)

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Kategorien: Literatur, Politik, Tagestipps

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