Jörg Smotlacha
24. März 2021

Über uns

Das Herrenhäuser Forum diskutiert heute darüber, wie Corona unser Zusammenleben verändert

Corona und das Miteinander

Erst das Fressen, dann die Moral – es ist nie verkehrt, über Brecht nachzudenken

Ich glaube, dass die Corona-Pandemie einen Keil in unsere Gesellschaft getrieben hat. Auf eine noch nie dagewesene Herausforderung gab es eine ganze Reihe guter Reaktionen, voller Solidarität und Mitmenschlichkeit. Doch die schlechte Seite überwog: Während einige Menschen von heute auf morgen in ungeahnt schwierige Situationen geraten sind, Job-Verlust inklusive, oder aber zumindest ordentlich durchgerüttelt wurden und in einigen Brachen auch schlicht Angst um ihre Existenz hatten, wurden andere quasi gar nicht tangiert oder wurden gar zu Krisen-Gewinnler*innen.

Gleichzeitig gibt es eine unglaublich katastrophale Krisenkommunikation der Bundesregierung. Wie gemalt von alten weißen Männern, gerne sehr katholisch. Weihnachten und Ostern spielen eine große Rolle. Kultur – für mich der Inbegriff des Zusammenlebens – schrumpft auf Kirchgang, Fußball-Bundesliga und Friseurtermin (besonders wichtig für ältere Frauen, sagt die Bundesregierung). Hallelujah!

Niemand werfe den ersten Stein, aber die Gesellschaft ist aktuell gespaltener denn je. Kontaktverbote und Hygiene- und Abstandsregelungen bestimmen unser Denken und haben lieb gewordene Alltagsroutinen außer Kraft gesetzt. Hier und da auch mit Isolation und Angst als Folge. Kunst und Kultur können gerade nur noch virtuell existieren. Wer das denkt, denkt die Systemrelevanz so, dass es den Menschen nur noch um das Primitive geht. Essen und Trinken halt. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, sagte schon Brecht. Den Kapitalismus im Visier.

Wir werden also auf das ganz Einfache zurückgeworfen – unser Leben. Als ob es keine Kultur gäbe. Corona als Kriegszustand. Daran ist natürlich etwas Wahres, denn die Nachrichtenlage in Europa erinnert an Kriegswirtschaft und Nationalismus – jede*r ist sich selbst die/der Nächste. Doch muss das der Dauerzustand sein? Wären nicht Solidarität und Zusammenhalt die Lösung? Schluss mit der offensichtlich fehlgeleiteten Privatisierung. Schluss mit Ausbeutung und vermeintlich allgemein anerkannten Durchhalteparolen, die die Ungleichheiten nur kaschieren sollen. Nach Corona müsste eine neue Gemeinschaft kommen. Wir müssen nur wollen. Unter dem Motto „Die Corona-Pandemie – Wie hat sie unser Miteinander verändert?“ wird heute im Herrenhäuser Forum dikutiert.

Mittwoch, 24. März 2021:
„Die Corona-Pandemie – Wie hat sie unser Miteinander verändert?“, Diskussion im Herrenhäuser Forum, Live-Stream auf der Website des Herrenhäuser Forums, Beginn: 19 Uhr

(Foto: Pressefoto/Herrenhäuser Forum/Sebastian-stock-adobe.com)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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