Susanne Viktoria Haupt
5. April 2021

Takt im Transit

Die Durchgangsräume nutzen: Die Reihe „Passengers“ präsentiert in der Arte Mediathek fantastische Konzerte an Orten, die normalerweise besonders hoch frequentiert angesteuert werden

Auch abseits der Pandemie stets gut besucht: Das Musée d’Orsay in Paris ist ein ehemaliger Bahnhof – und eines der berühmtesten Museen der Welt

Der öffentliche Raum hat in den vergangenen zwölf Monaten zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass wir uns deutlich mehr draußen aufhalten und den Raum nochmal anders wahrnehmen. Dabei fallen allerhand Kleinigkeiten auf, beispielsweise die mangelnde Bequemlichkeit von Parkbänken oder der Umstand, dass gerade der städtische Raum noch deutlich grüner werden könnte. Oder aber, dass es die Menschen zwar schnell bei einem Sonnenschein in die Natur zieht, aber sie trotz aller Liebe auch noch viel zu häufig eine Müllspur hinter sich herziehen. Wir Menschen haben den öffentlichen Raum erschaffen, aber dabei oftmals vergessen, dass wir auch einen Platz darin finden müssen. Marc Augés Theorie der sogenannten Nicht-Orte, also der monofunktionellen Orte ohne Geschichte und Charakter, scheint hier das Maß der meisten Konstrukte zu sein. Der Mensch muss also irgendwie wieder zurück in den öffentlichen Raum. Er muss angenehm nutzbar gemacht werden und nicht nur als seelenloser Transitraum verstanden werden.

Allerdings gilt das natürlich nicht für alle öffentlichen Räume, denn manche sind tatsächlich einladend und manchmal aber auch sehr bedeutungsschwanger. An genau solche Orte hat es das Filmteam von Arte für ihre Konzertreihe „Passengers“ gezogen. Dort, wo normalerweise der Raum zum Durchgang genutzt wurde oder immer noch genutzt wird, haben sie unterschiedliche Musiker*innen auftreten lassen. Allerdings vollständig ohne Publikum. Der Weg zum Abenteuer, der Transitraum wird also durchbrochen vom Klang der Musik. Angesteuert wurden dafür beispielsweise das Grand Palais und auch das Musée d’Orsay in Paris. Mit dabei waren L’Impatrice, Nicolas Godin, Apparat, Kazu, Sevdaliza, Thylacine, Saint DX, Murman Tsuladze, Buvette, Circle of Live, Leonie Pernet und Kid Francescoli. Ein bunter Mix also aus alteingesessenen Häschen und unbekannten, aber nicht weniger beeindruckenden Stimmen. Funktioniert auf einem Ostermontag besonders gut. Nun heißt es also nur noch, die Arte Mediathek aufzurufen.

Montag, 5. April 2021:
„Passengers“, Konzertreihe von Arte, Beginn jederzeit möglich, Abrufbar in der Arte Mediathek

(Foto: Eike Kastner)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

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