Sebastian Albrecht
1. Dezember 2010

Mit schwarzem Humor gegen die Krankheit

Anlässlich des Welt-Aids-Tages liest Matthias Gerschwitz in der Buchhandlung Lehmanns heute aus seinem Buch „Endlich mal was Positives“

Matthias Gerschwitz

Lebt mit HIV bewusster und genießt das Jetzt: Autor Matthias Gerschwitz

Unter den Krankheiten gilt Aids bei vielen immer noch als Schmuddelkind. Dabei wird in „gute“ und „schlechte“ Erkrankungen unterteilt: Während beispielsweise Krebs gemeinhin als Schicksalsschlag gilt, haftet einem HIV-Positiven seine eigene Schuldhaftigkeit an. Und noch immer wird Aids als eine Krankheit von Minderheiten gesehen: Homosexuelle, Junkies, Prostituierte, Schwarze – die Liste derjenigen, die sich mit dem Virus anstecken, ist aber viel länger. Religiöse Fanatiker bezeichnen die Krankheit dennoch gern als gerechte Bestrafung Gottes für jene, die sodomitische Unzucht betreiben. 1989 erschien Susan Sontags „Aids und seine Metaphern“, in dem die Schriftstellerin auf die gesellschaftliche Wahrnehmung HIV-Positiver einging. Heute kann man durchaus das Gefühl bekommen, dass sich nicht allzuviel geändert hat.

Dem Vorwurf der vermeintlichen Selbstverschuldung war auch Matthias Gerschwitz ausgesetzt – einer von vielen Gründen für ihn, über seine Erkrankung zu schreiben. Daraus resultierte das Buch „Endlich mal was Positives“. „Wer krank ist, ist krank“, sagt Gerschwitz, es dürfe keine (moralische) Wertigkeit zwischen tödlichen Krankheiten geben. „Endlich mal was Positives“ soll aufklären, ohne sich dabei in Betroffenheitspathos zu winden. Die Krankheit nimmt Gerschwitz mit schwarzem Humor. Resignation liegt ihm fern. Als ihm vor 16 Jahren die Aids-Diagnose mitgeteilt wurde, habe er den Arzt trösten müssen und nicht umgekehrt. Dass die Vorstellungen von Aids in unserer Gesellschaft noch immer nicht hinreichend realistisch ist, zeigen die gestiegenen Ansteckungszahlen der letzten Jahre. Jeder kann sich infizieren, nicht nur in den sogenannten Risikogruppen. Aber auch wenn Aids eine ernstzunehmende Krankheit bleibt: Mittlerweile ist es möglich, ein fast beschwerdefreies Leben zu führen, da die Medizin seit dem Bekanntwerden des Virus in den Achtzigern einige große Schritte gemacht hat. Die Botschaft des Buches: „HIV ist kein Todesurteil mehr, trotzdem sollte man alles tun, sich nicht anzustecken.“ Mit Optimismus und Wortwitz widmet sich Gerschwitz seinem Thema und bringt uns näher, dass der Befund „positiv“ noch lange kein Grund ist, zu kapitulieren.

Mittwoch, 1. Dezember 2010:
“Endlich mal was Positives“, Matthias Gerschwitz liest zum Welt-Aids-Tag, Buchhandlung Lehmanns, Georgstraße 10, 30159 Hannover, Beginn: 21 Uhr, Eintritt: 4 Euro, ermäßigt: 3 Euro (Einnahmen werden gespendet)

(Foto: Pressefoto)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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